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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

Sokolowsky, A.: Aus der Naturgeschichte der Wale, 
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während die großen Zähne des Unterkiefers homodont sind, kein Email haben 
und in einer Furche mit nur unvollständiger Verteilung in Alveolen stehen. Der 
Kopf dieses Ungeheuers ist am Schnauzenende hoch aufgetrieben und gerade ab- 
gestutzt. Die in den aufgetriebenen Knochen sich findenden großen Kavernen 
enthalten eine ölige Masse, die Spermaceti. 
Infolge der abgeschnittenen Form des 
Kopfes kommt bei diesem Wal als alleinige 
Ausnahme das äußere Nasenloch an die 
Spitze der Schnauze zu liegen. Der Unter- 
kiefer ist beträchtlich schmäler und kürzer 
als der Oberkiefer, von welchem er bei 
geschlossenem. Rachen umfaßt wird. Im 
letzten Dritteil des Körpers erhebt sich 
eine niedere, höckerartige, unbewegliche 
Fettflosse. Die Brustfinnen sind kurz und breit und stehen unmittelbar hinter 
dem Auge. Auf ihrer Oberseite zeigen sie fünf Längsfalten, welche den Fingern 
entsprechen. Die Schwanzfinne ist zweilappig, aber nicht tief eingeschnitten, 
Die Zunge ist am Grunde des Unterkiefers festgewachsen. Der FPottwal findet 
sich in allen Meeren der Erde mit Ausnahme der Eismeere und benachbarter 
Gewässer. Gleich den Delphinen hält er sich in »Schulen« von verschiedener 
Stärke zusammen. Er soll eine außerordentliche Schnelligkeit in der Bewegung 
besitzen. Die hauptsächlichste Nahrung dieses Riesen bilden verschiedene Arten 
Kopffüßer, auf Fischjagd scheint er dagegen nicht zu gehen. 
Die Pottwale führen, wie Kapitän John Pease berichtet, nicht selten 
grimmige Fehden unter sich aus. Er sah nicht nur sehr häufig die Männchen 
im Kampfe, wobei sie mit weit geöffnetem Rachen aufeinander losstürzten, sondern 
konnte auch an vielen Kadavern die tiefen Bißwunden in der Haut beobachten, 
die von Geschlechtsgenossen den Tieren beigebracht waren. Ungefähr zwei Pro- 
zent der beobachteten Pottwale hatten ihren Unterkiefer zerbrochen oder ver- 
bogen. Die zahlreichen Exemplare spiralig eingerollter Physeterunterkiefer in 
verschiedenen Museen sind als derartig verletzte Kiefer anzusehen. Auch G.A,.Gold- 
berg hat schwere Bißwunden an den Schnauzen von Pottwalen beobachtet. 
Bei den Bartenwalen (Mystacoceti) zeigt die Bewehrung des Mundes 
für die Zwecke der Nahrungsaufnahme ein ganz anderes Verhalten. Hier fehlen 
die Zähne vollständig; statt dessen finden sich zwei Reihen Bartenplatten längs 
dem knöchernen Gaumen. Daß aber die Bartenwale von Zahnwalen abstammen, 
läßt sich aus ihrer Entwicklung nachweisen, indem verkalkte, heterodonte Zahn- 
anlagen bereits fötal resorbiert werden, Die Barten dieser Wale sind laut Haeckel 
aus den transversalen, auch bei anderen Säugetieren vorkommenden Gaumen- 
leisten entstanden. Während der äußere vertikale Rand dieser großen Horn- 
platten glatt ist und bei geschlossenem Munde von dem Unterkiefer schützend 
umfaßt wird, erscheint dagegen der innere, schräg gegen die Mitte aufsteigende 
Rand derselben zerfasert. Zwischen diesen Hornfasern der Barten bleiben die 
kleinen Planktontiere, welche der Wal zu Tausenden verschluckt, hängen und 
werden zurückgehalten. Die bei den Embryonen der Bartenwale in den Kiefern 
eingeschlossenen zahlreichen Kegelzähne gelangen niemals zum Durchbruch und 
verschwinden später gänzlich. 
Bei den Bartenwalen lassen sich keine Spuren des Schuppenpanzers erkennen, 
Dagegen läßt sich nachweisen, daß die älteren Bartenwale ein spärliches Haar- 
kleid, ähnlich wie das der Sirenen, besaßen. Nach Haeckel haben sich die 
Bartenwale aus einer anderen Gruppe von terrestrischen Placentaltieren 
entwickelt als die Zahnwale, weshalb die Ähnlichkeit beider Ordnungen auf 
Konvergenz beruht. Die Bartenwale sind nach Abel nicht nur die Riesen unter 
den lebenden Tieren, sondern ohne Zweifel auch die größten Meerestiere, die 
jemals gelebt haben. Kein Meerestier aus der Vergangenheit der Erde hat nach 
dem genannten Forscher die Länge des polaren Blauwals (Balaenoptera 
müsculus, L.) erreicht, welche 25 bis 30 m beträgt. 
Die Bartenwale werden in drei Familien geteilt, die sich voneinander 
Anh d Hvdr usw 1915. Heft X. 
Fig, 4.
	        
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