accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

Sokolowsky, A.: Aus der Naturgeschichte der Wale. 
455 
weise finden sich an der schnabelartigen Schnauze steife Haare, die als Überreste 
eines früheren ausgedehnten Haarkleides der landbewohnenden Ahnen dieser Tiere 
aufzufassen sind. Im La Plata lebt eine verwandte Form, Pontoporia Blain- 
villei, Burm. Eine noch längere und dünnere Schnauze besitzt der Ganges- 
Delphin (Platanista gangetica, Lebeck.) (Fig. 3), der in seinen Kiefern 30 bis 
32 starke, kegelförmige, etwas nach rückwärts gekrümmte Zähne trägt. Die bei 
den Meeresdelphinen oft stark entwickelte Fett- Fir. 3 
flosse des Rückens ist bei diesen »Schnabel- 9. 
delphinen«, wie diese Wale auch genannt 
werden, nur schwach angedeutet. Einen Über- 
gang zu den Meeresdelphinen lassen die 
Brackwasser-Delphine (Sotalia) erkennen, 
die die. Flußmündungen Südamerikas, Ganges-Delphin (Platanista gangetica, Leb.). 
Chinas sowie Hinter- und Vorderindiens, 
bewohnen.  Kückenthal beschrieb als Sotalia teuszi eine Art aus Kamerun. 
Deren Magen war auffallenderweise mit Blättern und Früchten. von Mangroven 
angefüllt. Die Zähne dieser Tiere erweisen sich, namentlich im Unterkiefer, bis 
über die Hälfte ihrer ursprünglichen Höhe abgerundet, breit und höckerig. Das 
war auch bei einer in China vorkommenden Art, der Sotalia chinensis, Flow, 
der Fall. Es kann daher wohl mit Bestimmtheit angenommen werden, daß 
pflanzliche Nahrung bei diesen Tieren die natürliche ist. 
Aber selbst bei den eigentlichen Delphinen (Delphinidae), der Gattung 
Phocaena angehörend, lassen sich ererbie Urreste der Organisation nachweisen. 
So finden sich auf der Rückenflosse des in der Nordsee heimischen Tümmlers 
oder Braunfisches (Phocaena communis, Cav.) Horntuberkel, Auf der anderen 
Seite treten aber bei diesen Walen verschiedene Modifikationen auf, die als Neu- 
erwerb und Anpassung an veränderte Lebensweise aufzufassen sind. Schon. in 
den Größenverhältnissen lassen sich Unterschiede erkennen. Während die Unter- 
familie der Phocaeninae,zu der der vorhererwähnteT ümmler gehört, die kleinsten 
Wale überhaupt enthält, lassen sich bei den Vertretern der zweiten Unterfamilie, 
den Delphininae, bereits größere Formen nachweisen. So wird der durch eine 
hohe schwertförmige Rückenflosse ausgezeichnete Schwertwal (Orca gladiator, 
Bonnet) bereits 10 m lang: Er ist. ein gewandter Schwimmer und greift 
mit seinem fürchterlichen Gebiß selbst Robben, kleinere Delphine und, in Rudeln 
vereinigt, große Wale an. Sie wagen sich sogar an die großen Bartenwale 
heran und reißen diesen große Fleischstücke vom Leibe, so daß sie verbluten, 
Beim Grindwal (Globiocephalus melas, Traill.) macht sich im Gebiß 
insofern ein Unterschied geltend, als bei ihm die in jedem Kiefer in der Zahl von 
acht bis zwölf stehenden Zähne nur auf die vordere Hälfte der letzteren beschränkt 
sind. Diese Art ist noch durch die größte Zahl der Phalangen der Brustflossen, 
die bei den Walen vorkommt, ausgezeichnet, die im zweiten Finger bis 13, im 
dritten Finger bis 9 Phalangen erreicht. Der Tümmler bewohnt den Nord- 
atlantischen und den Stillen Ozean und ist in unserer Nordsee eine bekannte 
Erscheinung; der Schwertwal verbreitet ‚sich über den nördlichen Atlantischen 
Ozean sowie über das Eismeer und den nördlichen Teil des pazifischen Welt- 
meeres, während der Grindwal vom Eismeere aus den nördlichen Teil des 
Atlantischen Ozeans durchschwärmt und bis an die europäischen Küsten gelangt, 
ja sogar bis zur Breite der Straße von Gibraltar vordringt. Er wird auf Island 
und den Faer-Oer besonders viel gejagt. 
Hieran schließen sich kleine phocaena-artige Wale, die vom Meere aus 
in die Küstengewässer vordrangen, Den Golf von Bengalen bewohnt Orcella 
brevirostris, Owen, während eine nahe verwandte Form, Orcella fluminalis, 
Anders, in den großen Flüssen östlich von Bengalen vorkommt, besonders auch 
in Borneo gefunden wird. Bei der Gattung Grampus läßt sich eine Reduktion 
der Zähne nachweisen, die bei ihr nur noch im Unterkiefer im Bereiche der 
Symphyse angetroffen werden. Diese kleinen Wale lassen in ihren Lebens- 
gewohnheiten ein ganz eigenartiges Verhalten erkennen. Sie haben von meer- 
bewohnenden Vorfahren aus ihren Anpassungsweg in die Flüsse genommen. Das
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.