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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1915. 
und Zahl, so daß sie zur Bestimmung von Embryonen verwertet werden, So 
trägt Lagenorhynchus acutus sieben Borsten .an der Oberlippe auf jeder 
Seite (Fig. 2). N 
Den Verlust des Haarkleides bis auf die geringen Überbleibsel brachte das 
Wasserleben mit sich. Die wärmeschützende Fähigkeit des Haarkleides beruht 
darauf, Lufträume einzuschließen, da Luft ein schlechter Wärmeleiter ist. Da die 
Wale aber das Wasser nicht verlassen, würde der Besitz eines Haarkleides zwecklos 
sein. Gegen den Wärmeverlust im Wasser sind diese Tiere dagegen durch eine 
dicke Fettlage geschützt. Die Haut der Wale zeigt überhaupt noch im Vergleich 
zu der anderer Säuger verschiedene Eigentümlichkeiten. In den meisten Fällen 
fehlt nach Kückenthal der Haut der Cetaceen die Lederhaut (Corium) fast 
vollständig, die Hornschicht (Stratum corneum) ist sehr dünn, die Malpighische 
Schleimschicht (Rete malpighii) ist stark entwickelt und von sehr langen Papillen 
durchzogen. Außerdem fehlen Hautdrüsen vollständig, ebenso fehlt glatte Mus- 
kulatur; Hautnerven sind auch nur spärlich vorhanden. Die systematische 
Gruppierung der Wale ist heute noch keineswegs abgeschlossen, vielmehr sind 
unsere Kenntnisse über manche Arten noch sehr unvollkommen. Der verwandt- 
schaftliche Zusammenhang der Familien dieser Säugergruppe ist noch nicht 
genügend erforscht. Durch Anpassung an bestimmte Lebensverhältnisse haben 
sich innerhalb der einzelnen Familien Eigentümlichkeiten im Körperbau aus- 
gebildet, die nach voneinander abweichenden Entwicklungsrichtungen führten. 
Dennoch lassen sich bei ihnen Charaktere nachweisen, die als uralte, von den 
Vorfahren vererbte Anlagen aufzufassen sind, unter dem Einfluß abgeänderter 
Lebensverhältnisse verwischt bzw. umgewandelt wurden. Als ein solches stammes- 
geschichtlich wertvolles Merkmal muß vor allem die Bezahnung angesehen werden. 
Eine sorgfältige Untersuchung der Bewehrung des Mundes mit Zähnen läßt inner- 
halb der einzelnen Familien voneinander abweichende Unterschiede erkennen, die 
auf eine Differenzierung infolge veränderter Lebensweise zurückzuführen sind. 
Das bezieht sich aber nicht nur auf den Zahnbau, sondern auf die gesamte 
Organisation dieser Tiere, 
—_ So mannigfaltig in den einzelnen Formen die Wale aber auch gestaltet 
sind und so verschiedenartig die stammesgeschichtliche Herkunft der Zahn- und 
Bartenwale auch sein mag, durch den ständigen Aufenthalt im Wasser haben 
sich bei ihnen körperliche Eigenschaften und Lebensgewohnheiten herausgebildet, 
die eine auffallende Übereinstimmung erkennen lassen. Bei diesen Tieren ergibt 
sich für den Naturforscher die Erkenntnis, daß gleiche Lebensbedingungen und 
übereinstimmende Lebensgewohnheiten in körperlicher Hinsicht Merkmale erzeugen, 
deren Übereinstimmung nicht auf Verwandtschaft beruht, sondern auf dem Wege 
der Konvergenz entstanden ist. N 
Kückenthal hat in einer bereits im Jahre 1891 erschienenen Schrift » Über 
die Anpassung von Säugetieren an das Leben im Wasser« den Weg der Um- 
wandlung kenntlich gemacht, den die Wale von landbewohnenden Vorfahren in 
ihrer Entwicklung zu Wassertieren nahmen. Er sagt u. a. darin: »Infolge der 
Anpassung an das Wasserleben wird die äußere Körperform der betreffenden 
Säugetiere in eine besondere, fischähnliche Gestalt umgewandelt; diese Umwand- 
lung gewinnt an Energie bei den stationären, d. h. immer im Wasser verbleibenden 
Säugetieren, bei denen zur Erreichung einer schnelleren und gewandteren Fort- 
bewegung an Stelle der Ruderbewegung der Extremitäten die komplizierte Schlag- 
bewegung des Schwanzes getreten ist. Jede Funktion der Hinterextremitäten wird 
aufgehoben, dieselben verschwinden daher, während der Schwanz durch zweck- 
mäßigere Verbreiterung zur Schwanzflosse wird,« 
An anderer Stelle sagt der genannte Forscher ferner: »Erst bei ausschließlich 
wasserbewohnenden Tieren vermag sich die Vorderextremität zu einer Flosse 
umzubilden. Allen Wassersäugern gemeinsam ist die Tendenz zur Ausbildung 
von Schwimmhäuten zwischen den Fingerstrahlen.« 
Unter dem Einfluß des ständigen Wasseraufenthaltes haben die erwachsenen 
Wale jede Spur von äußeren Hintergliedmaßen verloren, bei kleinen Embryonen 
werden die letzteren dagegen in ganz der gleichen Weise als hervortretende Höcker
	        
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