Retzow, U.: Die interdiurne Veränderlichkeit der Lufttemperatur in Europa, 449
größere Veränderlichkeit als 1.5° besitzt, über dem ganzen Kontinent und umfaßt
auch einen Teil der skandinavischen Halbinsel. Im N und NO liegt das Maximum,
im W am Eingange des Kanals das Minimum der Variabilität. Auch auf dieser
Karte ist das Gebiet größerer Veränderlichkeit an der Nordostküste von Großbritannien
erhalten geblieben. Bei Anwendung einer Höhenkorrektion würde der
Wert von München nicht hervortreten, sondern sich in den Verlauf der gezeichneten
Linien einordnen.
Im Gegensatz zu dem ziemlich gleichmäßigen Verhalten im Sommer hat
die Veränderlichkeit im Winter einen erheblich größeren Betrag. Die Figur 3
Tafel 18 veranschaulicht die geographische Verteilung dieser Größe, Hier ist
an die Stelle der 1.5° Isometabole im Sommer (2.0° im Jahr) die 2.5° Isometabole
getreten.
Die einzelnen Isolinien sind viel dichter zusammengedrängt, so daß der
Gradient nach jeder Richtung bedeutend größer ist. Die Extremgebiete liegen
hier im Norden des Bottnischen Meerbusens und am Eingange des Armelkanals.
Den größten Wert der Veränderlichkeit finden wir bei Haparanda mit 5.09°, die
kleinste Variabilität besitzen die Seilly-Inseln mit 1.40°. Das ergibt eine Gesamtschwankung
von 3.69° (gegen 1.56° im Sommer und 2.39° im Jahr). Schließt
man die Inselwelt aus, so erhält man als horizontale Schwankung auf dem
Festlande den Wert 83.39° (gegen 1.43° im Sommer und 2.08° im Jahr).. Das
Verhältnis des größten Wertes zum kleinsten ist für das ganze Gebiet ungefähr
3,6 (im Jahr 3.1) und für den Kontinent allein gleich 3.0 (im Jahr 2.4).
Im Anschluß an die obigen Erörterungen wird es nun angebracht sein,
einige kurze Betrachtungen über den Frühling und Herbst, die den Übergang
zwischen den extremen Jahreszeiten bilden, anzuschließen. In bezug auf den
monatlichen Gang ändert sich in diesen Jahreszeiten der Wert der Veränderlichkeit
von Monat zu Monat beträchtlich; trotzdem besitzt die Veränderlichkeit im
Frühling und Herbst eine große Ähnlichkeit mit derjenigen des Jahresmittels,
Der Wert des Frühjahrs weicht nur an drei der bearbeiteten Stationen (Archangelsk,
Bodö, Helsingfors) um mehr.als 0.4°.ab; für die meisten der Orte ist die
Differenz (Frühjahr — Jahr) negativ, der Wert des Frühlings also kleiner als
das Jahresmittel. Im Herbst besitzen nur vier Stationen eine größere Abweichung
als 0.4° vom Jahresmittel.
Was diese beiden Jahreszeiten im einzelnen anbetrifft, so gleicht die Verteilung
der Veränderlichkeit im Frühling sehr der Fig. 1, Tafel 18, sowohl hinsichtlich
des Verlaufes der Isometabolen als auch in der Größe der Veränderlichkeit.
Das Maximum finden wir. bei der Station Archangelsk mit 3.89°, die
kleinsten Werte unter 1,5° liegen über der Nordsee, ferner am Eingange des
Kanals und im SS. Die horizontale Schwankung beträgt für das ganze Gebiet
2,79°, auf dem Festlande allein 2.62%, Das Verhältnis des Maximums zum Minimum
hat den Wert 3.5° und ausschließlich der Inselwelt 3.05°.
Ähnlich so ist auch die Verteilung der Veränderlichkeit im Herbst, Im
allgemeinen ist der Wert der Variabilität eine Wenigkeit größer als im Frühling.
Auch der Verlauf der Isometabolen ist im wesentlichen derselbe; der einzige
Unterschied besteht hauptsächlich darin, daß in dieser Jahreszeit zwei Gebiete
größter Veränderlichkeit auftreten, einmal im Norden des Bottnischen Meerbusens
und ferner im Osten. Den größten Wert besitzt Haparanda mit 3.26° (Charkow
erreicht mit 3.16° annähernd dieselbe Größe!), den kleinsten die Scilly-Inseln mit
1.16°; das ergibt einen Unterschied von 2.05%. Zieht man den Kontinent allein
in Betracht, so hat Skagen mit 1.47° den kleinsten Wert, und man erhält dann
eine horizontale Schwankung von 1.74°, Dementsprechend ist das Verhältnis des
Maximums zum Minimum auf dem Festlande 2.1° und mit Einschluß der Inseln 2.7°.
Im Anschluß an die Untersuchungen dieses Kapitels über den jährlichen
Gang der Veränderlichkeit möchte ich noch einige Betrachtungen über das Verhältnis
dieser Größe zur Temperatur hinzufügen. Die Größe der Veränderlichkeit
ist nach der obigen Definition aus der Differenz zweier aufeinander folgender
Tage zu gleichen Terminbeobachtungen berechnet; sie wird also von der jeweiligen
Höhe der Temperatur abhängig sein. Daher dürfte es Interesse haben, zu unter-