448 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1915.
Bemerkungen als Ergänzung hinzugefügt, weil man hierdurch ebenfalls noch
weiteren Einblick in den monatlichen Gang der Veränderlichkeit gewinnt. Für
jede einzelne Gruppe ist der Jahresmittelwert durch eine gestrichelte Linie an-
gedeutet. Alle Gruppen stimmen darin überein, daß die Kurve des monatlichen
Ganges viel längere Zeit unter dem Mittelwert verläuft als über demselben. Die
Kurve schneidet die Linie des mittleren Wertes im Oktober und zwischen März-
April, bleibt also ungefähr 7 Monate unter dem Mittelwert und erhebt sich nur
ungefähr 5 Monate über das Mittel. Im einzelnen bleibt besonders die Kurve VI
in der Figur 2, welche die Orte des mittleren Ostseegebietes umfaßt, lange Zeit
unter der Linie des Mittelwertes. Hier sind es 7.9 Monate, also fast der dritte
Teil des Jahres, wo die Monatsmittel den Jahreswert nicht erreichen. Dem
entgegen steht die Kurve VII mit nur 6.2 Monaten unter dem Mittel. Die Werte,
welche man aus den Beobachtungsstationen am Mittelmeer erhält, liegen fast
ebensoviel über wie unter dem Jahresmittel. Diese ungleich lange‘ Dauer bedingt
notwendigerweise, daß die größten Werte der Veränderlichkeit den Mittelwert
bedeutend übersteigen, während die Minima im Verhältnis dazu viel weniger tief
unter diesem Mittel liegen.
Daher kommt es auch, daß die Kurven der einzelnen Gruppen im Sommer
sehr gleichmäßig und ohne große Schwankungen verlaufen. Während der Über-
gangsjahreszeiten und besonders im Winter ändert sich die Veränderlichkeit der
Temperatur von Monat zu Monat beträchtlich.
Von den einzelnen Monaten hat der Verfasser ebenfalls den Verlauf der
Isometabolen kartographisch gezeichnet. Die Karten geben ein anschauliches
Bild von der jeweiligen Verteilung der Veränderlichkeit über Europa. Außerdem
]Jäßt sich hierdurch auch die Lage der extremen Werte und deren örtliche Ver-
schiebung verfolgen. Im allgemeinen kann man sagen, daß der Verlauf der
Isometabolen große Ähnlichkeit besitzt mit den Linien, welche die Orte gleicher
jährlicher Wärmeschwankung verbinden. Bekanntlich befindet sich das Maximum
dieser Größe im östlichen Sibirien, wo unter dem Einflusse des völlig kon-
tinentalen Klimas der Unterschied zwischen dem größten und kleinsten Werte
der Temperatur ungefähr 60° beträgt. Ganz so extrem liegen ja die Verhältnisse
in Europa nicht. Immerhin finden wir aber auf der skandinavischen Halbinsel
nördlich von Haparanda ein Maximum eingelagert, um das sich die Isometabolen
lagern. Besonders in den Wintermonaten ordnen sich die Linien gleicher Ver-
änderlichkeit um dieses Gebiet an.
Eine Besprechung der einzelnen Monate und Wiedergabe der dazu ge-
hörigen Karten erscheint mir nach den voraufgegangenen Beobachtungen und
Bemerkungen über den jährlichen Verlauf unnötig und auch zu ausgedehnt,
Ich werde mich darauf beschränken, die einzelnen Vierteljahre zu behandeln,
und zwar zunächst die beiden extremen und danach die Übergangsjahreszeiten.
Wie wir bereits an anderer Stelle gesehen haben, besitzt die Veränderlichkeit
im Sommer ihren kleinsten Wert. Das wird zum Ausdruck kommen in dem
Mittel, welches man für jede Station aus den drei Sommermonaten bildet. Die
Differenz (Jahr — Sommervierteljahr) ist für alle bearbeiteten Orte positiv;
dieser Umstand führt zu dem Schluß, daß in sämtlichen Stationen die Ver-
änderlichkeit im Sommer kleiner ist als das Jahresmittel, Die Abweichung vom
Jahreswert ist am bedeutendsten im Norden und Osten, wo der Unterschied
ungefähr 1.0° beträgt. Den größten Wert der Veränderlichkeit hat in dem vor-
liegenden Gebiet Archangelsk mit 2.48°; die kleinste Veränderlichkeit besitzt im
Sommer die Beobachtungsstation auf den Seilly-Inseln mit 0.92°. Somit ergibt
sich für das ganze Gebiet ein horizontaler Unterschied von 1.56°; schließt man
die Inselwelt aus, so hat St. Mathieu mit 1.05° den kleinsten Wert, und die
horizontale Schwankung beträgt dann 1.43°. Das Verhältnis des Maximums zum
Minimum ist für ganz Europa ungefähr 2.7 (im Jahr 3.1), für den Kontinent
allein 2,37 (im Jahr 2.4).
im allgemeinen weist die geringe Anzahl der Isometabolen auf der Figur 2
Tafel 18 darauf hin, daß keine größeren Gegensätze vorkommen und daß die
Unterschiede sehr abgeschwächt sind. Wiederum lagert das Gebiet, welches eine