Retzow, U.: Die interdiurne Veränderlichkeit der Lufttemperatur in Europa, 445
des Kanals der Fall. Hier hat die Beobachtungsstation auf den Scilly-Inseln
bei ausgesprochen maritimem Klima mit 1.14° die kleinste Veränderlichkeit in
dem ganzen berechneten Gebiet. Auch im südlichen Europa läßt sich aus dem
Verlauf der 2.0° Isometabole der Einfluß des Mittelmeeres feststellen, wenngleich
man hiervon die Balkanhalbinsel ausnehmen muß, da für diese kein ausreichendes
Beobachtungsmaterial vorlag.
Im N auch noch einen Teil der skandinavischen Halbinsel umfassend,
lagert sich über, dem Festlande wie ein breites Land das Gebiet, welches durch
die 2.0° Isometabole begrenzt wird. Dies ist gewissermaßen der Stamm, dem
sich die Verteilung der Veränderlichkeit angliedert: im NO die größeren Werte,
im NW und S die kleineren Beträge.
Soweit wäre nun über die Verteilung der Veränderlichkeit ein anschauliches
Bild gewonnen; aber es fehlen noch die Gebiete, die nicht in diesen durch die
besprochenen Faktoren bedingten Verlauf eingeordnet werden können.
Zu ‚diesen gehört ein Teil des nördlichen Großbritannien, der durch
die Werte der Stationen -Aberdeen und Shields bestimmt wird. Hier dürften es
die orographischen Verhältnisse sein, durch welche die relativ hohen Werte der
Veränderlichkeit verursacht werden. Die abschwächend wirkenden Winde vom
atlantischen Ozean kommen nicht in vollem Maße zur Geltung, da das Gebiet
in der Windschattenseite der schottischen Hochlande liegt.
Nicht so auffallend, aber trotzdem der Beachtung wert, ist die Veränder-
lichkeit der Temperatur in Mittelfrankreich. Der verhältnismäßig sehr hohe
Betrag für Clermont wird zunächst durch die kontinentale Lage, dann aber auch
durch die Erhebung des französischen Zentralplateaus hervorgerufen. Ob nun
in der kartographischen Darstellung der Betrag von Clermont (2.85°) mit dem-
jenigen von München (2,53°) durch die 2,50° Isometabole verbunden werden darf,
ist fraglich; denn eine einfache Überlegung führt zu dem Schluß, daß sich die
Werte der Veränderlichkeit in der oberrheinischen Tiefebene' wohl kaum dem
gezeichneten Verlauf der Isolinien auf Fig. 1 Tafel 18 anschließen werden.
Die Ergebnisse der Untersuchungen in diesem Kapitel sind also folgende:
Die interdiurne Veränderlichkeit nimmt mit wachsender Ent-
fernung vom Meere zu.
Die Veränderlichkeit nimmt mit wachsender geographischer
Breite zu. .
Die Veränderlichkeit nimmt mit der Höhenlage des Ortes über
dem Meeresspiegel zu.
Ferner ist die Veränderlichkeit an einem Orte abhängig von dem Feuch-
tigkeitsgehalt der Luft, und damit auch zugleich von der Bewölkung und
Sonnenscheindauer..
Von anderen Faktoren, die für die Größe der Veränderlichkeit von Ein-
fluß sind, kommen noch in Betracht die Waldbedeckung in der Umgebung
eines Ortes, der geologische Untergrund und dann auch die Lage des
Ortes selbst; liegt ein Ort zum Beispiel in einem Talkessel, umgeben von hohen
Bergen, welche die Winde abhalten, so wird die Veränderlichkeit erheblich
geringer sein als an einem Orte, wo die Windrichtung einem raschen Wechsel
unterworfen ist.
IV. Der jährliche Gang der Veränderlichkeit,
Alle Beobachtungsorte an dieser Stelle einzeln einer diesbezüglichen Be-
trachtung zu unterziehen, dürfte wohl kaum allgemeines Interesse haben und
auch zu mannigfachen Wiederholungen führen. Das Hauptaugenmerk wird
vielmehr auf eine allgemeinere Darstellung des monatlichen Ganges zu richten
sein. Daher sind die bearbeiteten Stationen mit annähernd gleichem Verlauf
und in benachbarter Lage zu Gruppen zusammengefaßt worden, so daß man für
die einzelnen Gebiete den charakteristischen Gang der Veränderlichkeit erhält.
Die natürliche Anordnung ließ eine Einteilung in acht verschiedene Gruppen
angebracht erscheinen,