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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1915.
durch die damit einhergehende Verdunstungskälte Veranlassuug zu häufigerer
Nebel- und Wolkenbildung. Außerdem wird, wenn auch nur in geringem Maße,
durch die Aufspeicherung von Niederschlägen der Feuchtigkeitsgehalt seiner
Umgebung erhöht.
Meines Erachtens ist der verschiedene Feuchtigkeitsgehalt der Luft der
einflußreichste Faktor für die mehr oder minder große Veränderlichkeit der
Temperatur eines Ortes im kontinentalen oder maritimen Klima, Natürlich muß
man sich hierbei vergegenwärtigen, daß ein enger Zusammenhang zwischen
Feuchtigkeit und Lufttemperatur besteht. Eine hohe Temperatur hat eine
Erniedrigung des Feuchtigkeitsgrades zur Folge, und die Atmosphäre hat also
damit die Fähigkeit, mehr Feuchtigkeit aufzunehmen; an der Küste ist die
Möglichkeit zu verdunsten viel größer als im Binnenlande. Und die Größe des
Feuchtigkeitsgrades wirkt auf die Schwankungen der Temperatur und damit
auch auf deren Veränderlichkeit,
Viel weniger dagegen fällt die Erhebung über dem Meeresspiegel beim Fort-
schreiten in das Binnenland ins Gewicht; dann, wie wir sogleich sehen werden,
ist diese Änderung so minimal, daß man sie ohne erhebliche Fehler vernachlässigen
kann. Ganz anders aber liegen die Verhältnisse bei den Massenerhebungen.
Hier ist eine tatsächliche Steigerung der Veränderlichkeit zu konstatieren, Zu
diesem Zwecke habe ich zwei Paare von entsprechenden Stationen ausgewählt,
deren Beobachtungen mir am leichtesten zugänglich waren und auch am Zzu-
verlässigsten erschienen.!) Es sind dies einerseits Breslau (147 m) und die
Schneekoppe (1602 m) und anderseits Wasserleben (154 m) und die Höhenstation
auf dem Brocken (1148 m). Die beiden letzten Orte liegen in horizontaler Rich-
tung nur um ungefähr 20 km auseinander, so daß sie für die Berechnung der
Zunahme der interdiurnen Veränderlichkeit mit der Höhe sehr gut geeignet sind.
Tabelle VIM.
Zunahme der Veränderlichkeit mit der Höhe,
Schneekoppe—Breslau ....
Brocken— Wasserleben .... |
Höhendifferenz
14565 m
09.1 m
| Differenz des Jahresmittels
der Veränderlichkeit
| 0.259
0,249
Zunahme
auf 100 m
0.0175
D(PR32
Aus diesen Zahlen sieht man zunächst, daß der Einfluß der Höhe ein
sehr geringer ist und unter der festgesetzten Fehlergrenze liegt; dann aber geht
auch aus der Tabelle hervor, daß die Zunahme der Veränderlichkeit mit der Höhe
nicht überall den gleichen Wert hat. Nimmt man als Mittel an, daß die Ver-
änderlichkeit auf je 100 m Erhebung um 0.02° zunimmt, so wird sich ein merk-
licher Einfluß erst bei einer Höhenlage von 400 bis 500 m geltend machen, Nur
wenige der in dieser Arbeit berechneten Orte liegen so hoch über dem Meere,
Es käme in der Hauptsache nur München (mit 528 m), Clermont (390 m), Lem-
berg (308 m), Bamberg (288 m), Kiew (180 m) und Moskau (mit 170 m) in Be-
tracht. Bei den übrigen Stationen beziehen sich die durch die Höhenlage
bedingten Korrektionen der Werte nur auf die Größe der zweiten Dezimale und
sind zum Teil noch geringer, Da nun für alle Stationen die Berücksichtigung
der Höhe über dem Meeresspiegel nicht möglich war, so habe ich auch bei An-
gabe der Werte in der folgenden Tabelle darauf verzichtet, diese Änderungen
nur an einigen vorzunehmen.
Die angegebenen Zahlenwerte der zweiten Dezimale sollen lediglich zur
besseren Orientierung dienen, machen aber, wie bereits in der Einleitung aus-
einandergesetzt worden ist, keineswegs Anspruch auf absolute Genauigkeit.
) Nach den »Ergebnissen der Beobachtungen an den Stationen II und III. Ordnung«,