Meereskunde
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Bezüglich der ozeanographischen Einflüsse auf die Sedimentation des NOAMP-Ge-
bietes ergab sich mit Hilfe der oben erwähnten Stratigraphie, daß im Bereich von
Tiefsee-Bergen strömungsbedingte Umlagerungen eine wichtige Rolle spielen. Da
bei ließ sich sehr gut der Einfluß der sogenannten „Taylor-Säulen“ nachweisen. Es
wird resuspendiertes Sediment durch Auftriebserscheinungen über Berge geho
ben. Von dort sinkt es an den Flanken der Höhen ab und lagert sich am Hangfuß
ab.
Die sedimentechographische Kartierung ergab in den Tiefsee-Ebenen des NOAMP-
Gebietes stärkere Einflüsse durch Suspensionsströme (Turhidity Currents) als bis
her angenommen wurde. So wurden u. a. Erosionsformen bis 30 m Tiefe festge
stellt. Mit Hilfe der bereits entnommenen Kerne ist so eine detailliertere Beschrei
bung des inneren Aufbaus von Suspensionsströmen als bisher möglich.
Die Kooperationen mit den Universitäten Hamburg, Göttingen, Tübingen, Kiel,
Zürich und Neuchâtel wurden weiter ausgebaut.
Verschiedenes:
Es wurden Auskünfte über den Meeresboden erteilt und mehrere meeresgeo
logische Gutachten angefertigt. Im Herbst wurde in der Unterelbe eine Trassenun-
tersuchung für einen Düker vorgenommen.
2.2.3 Stoffliche Umweltfragen
2.2,3.1 Chemie des Meerwassers
Chemische Ozeanographie:
Vom 18. April bis zum 11. Mai nahm das DHI mit dem FS „Gauß“ an der internatio
nalen Patchiness-Expedition (PEX 86) teil. Dieses Unternehmen wurde vom Inter
nationalen Rat für Meeresforschung (ICES) koordiniert. Es beteiligten sich zwölf
Forschungsschiffe der Ostsee-Anliegerstaaten.
Mit Patchiness bezeichnet man die ungleichmäßige Verteilung von kleinen Meeres
organismen (Plankton), von Nährstoffen und anderen chemischen Verbindungen
im Meerwasser. Wie es zu dieser ungleichmäßigen Verteilung kommt, wurde süd
östlich von Gotland durch gleichzeitige Messungen von allen Schiffen aus unter
sucht. In dem 20 sm mal 40 sm großen Untersuchungsgebiet wurde ein dichtes
Stationsnetz täglich einmal aufgenommen.
Bei beginnender Sonneneinstrahlung und allmählicher Erwärmung des Oberflä
chenwassers entwickelte sich das Plankton zu voller „Blüte“; bereits nach einer
Woche waren an einigen Stellen der Oberflächenschicht Nährstoffe, z. B. Nitrat,
aufgezehrt. Die Intensität der biologischen Produktion zeigte sich auch in hoher
Sauerstoffkonzentration und hohen pH-Werten.
Außer der Aufklärung der chemischen, biologischen und physikalischen Vorgänge
im marinen Ökosystem hat dieses großangelegte Experiment besondere Bedeu
tung für die Überwachung der Meeresverschmutzung. Die Überwachungsmessun
gen, die im Helsinki-Übereinkommen zum Schutz der Meeresumwelt der Ostsee
regelmäßig von allen Anliegerstaaten durchgeführt werden, kann man nur dann
richtig bewerten, wenn die zeitliche und räumliche Veränderlichkeit der Stoffkon
zentrationen genau bekannt ist.