Bathe, J.: Zur Geschichte der Tafeln der Meridionalteile,
437
und wegen der geringen Genauigkeit, mit der man damals den Kurswinkel be-
stimmte, durchaus recht. Der Unterschied der Snelliusschen Tafel der Meridional-
teile von einer genau berechneten beträgt (siehe oben Tab. 5) bis zur Breite von 70°
noch keine ganze Minute. .
Die ungünstige Beurteilung, welche Snellius vielfach gefunden hat, hat
wohl ihre Quelle in der Schwerfälligkeit und geringen Übersichtlichkeit, die seiner
Darstellung eigen ist. Dechales*) bemerkt hierüber, nachdem er die Snelliussche
Tafel der vergrößerten Breiten beschrieben hät: „Addo insuper in huiusmodi
tabula demonstrari mappam reductam, in qua gradus meridiani aequales fiunt
secantibus, haec mappa praecisa est, quidquid contra dixerint aliqui, qui demon-
strationem a Snellio allatam conecipere non potuerunt.‘“ Er sagt dann weiter
(S. 240): „Snellius quidem ea (sc. mappa reducta) virtualiter usus est, videtur
tamen eius naturam non sat clare explicuisse.“‘
Pierre Bouguer®) tadelt zunächst auch die „,mani&re trös obscure‘‘, in welcher
der Tiphys Batavus geschrieben sei, macht dann aber vor allem dem Verfasser den
Vorwurf, daß er nicht den Schritt weiter getan habe, mit Hilfe der Tafel die Mercator-
karte herzustellen. Obwohl er nur von einer anderen Seite die Tafeln, welche er be-
rechnet, habe zu betrachten brauchen, sei es ihm nicht in den Sinn gekommen, die
Zahlen durch Linien darzustellen; er habe die Sache nicht für möglich gehalten
oder den Nutzen nicht gemerkt und die Mercatorkarte keineswegs gekannt. Das
ist sicher ein Irrtum; denn Snellius sagt auf der vorletzten Seite seines Vor-
wortes ausdrücklich: „Et eas quidem lineas (sc. loxodromias) ali in globo ipso, alii
in chartis Hydrographicis, quae analogia sua globo proprius responderent, summa
cura designare et exprimere sunt conati. Qua in re vir doctissimus et Geographorum
diligentissimus Gerardus Mercator non inutilem operam posuisse merito sit
judicandus et post eum in Belgio etiam complures alli etc.“
Aber Snellius ist sich bewußt, daß er durch sein Rechnungsverfahren eben
dasselbe, und zwar mit größerer Exaktheit, leistet, was durch die Mercatorkarte
geleistet wird. Bouguer sagt an einer anderen Stelle seines oben genannten Werkes
(S. 422), man könne mit Hilfe der Sekantensummen den Längenunterschied in
Minuten für die Nordostloxodrome oder auch die Einteilung des. Meridians auf der
Mercatorkarte finden, und fährt dann fort: „Plusieurs auteurs et principalement
Snellius, ne s’occuperent que du premier de ces objets sans jamais penser au second
qui en 6toit neanmoins si voisin.‘“ Aus diesen Worten scheint hervorzugehen, daß
Bouguer die eigentliche Bedeutung des Rechnungsverfahrens, welches Snellius
mit Hilfe der Tafel der Meridionalteile entwickelt, nicht erkannt hat.
7 Die Tafel von C. F. M. Dechales (1690).
Wie die eben zitierte Ausführung von Dechales zeigt und wie auch aus
den weiteren Worten Bouguers (S. 119) hervorgeht, hat Snellius auf die franzö-
sischen nautischen Schriftsteller einen großen Einfluß ausgeübt. Doch bringt
Georges Fournier®) keine Tafel der Meridionalteile, sondern nur loxodromische
(oder Strich-) Tafeln, die, wie er sagt, mit Hilfe der Sekantensummen berechnet
werden. Auch Pierre Herigone?), der von Fournier zitiert wird, gibt keine Tafel
der Meridionalteile, sondern nur loxodromische Tafeln. In diesen stellen bekanntlich
die Längendifferenzen der Loxodrome von 45° die vergrößerten Breiten dar. Aber
weder bei Fournier noch bei Herigone stimmen die Längendifferenzen der Loxo-
drome von 45°, welche in ganzen Minuten gegeben werden, mit den entsprechenden
Zahlen in den Tafeln der Meridionalteile von Snellius oder auch von Wright
ganz überein. ;
Der Jesuit Claude Francois Milliet Dechales (Deschales) dagegen,
34) .Cursus seu mundus mathematicus, 1690. Tom. II. S. 237.
35) Nouveau traite de navigation, 1753, S. 119.
3%) Hydrographie, contenant la theorie et la pratique de toutes les parties de la navigation.
Compose par Georges Fournier. Paris 1643. (Universitäts-Bibliothek Göttingen.)
37) Cursus mathematici tomus quartus, a Petro Herigono. Parisiis 1644. (Universitäts-
Bibliothek Göttingen.)