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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

Bathe, J.: Zur Geschichte der Tafeln der Meridionalteile, 
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und wegen der geringen Genauigkeit, mit der man damals den Kurswinkel be- 
stimmte, durchaus recht. Der Unterschied der Snelliusschen Tafel der Meridional- 
teile von einer genau berechneten beträgt (siehe oben Tab. 5) bis zur Breite von 70° 
noch keine ganze Minute. . 
Die ungünstige Beurteilung, welche Snellius vielfach gefunden hat, hat 
wohl ihre Quelle in der Schwerfälligkeit und geringen Übersichtlichkeit, die seiner 
Darstellung eigen ist. Dechales*) bemerkt hierüber, nachdem er die Snelliussche 
Tafel der vergrößerten Breiten beschrieben hät: „Addo insuper in huiusmodi 
tabula demonstrari mappam reductam, in qua gradus meridiani aequales fiunt 
secantibus, haec mappa praecisa est, quidquid contra dixerint aliqui, qui demon- 
strationem a Snellio allatam conecipere non potuerunt.‘“ Er sagt dann weiter 
(S. 240): „Snellius quidem ea (sc. mappa reducta) virtualiter usus est, videtur 
tamen eius naturam non sat clare explicuisse.“‘ 
Pierre Bouguer®) tadelt zunächst auch die „,mani&re trös obscure‘‘, in welcher 
der Tiphys Batavus geschrieben sei, macht dann aber vor allem dem Verfasser den 
Vorwurf, daß er nicht den Schritt weiter getan habe, mit Hilfe der Tafel die Mercator- 
karte herzustellen. Obwohl er nur von einer anderen Seite die Tafeln, welche er be- 
rechnet, habe zu betrachten brauchen, sei es ihm nicht in den Sinn gekommen, die 
Zahlen durch Linien darzustellen; er habe die Sache nicht für möglich gehalten 
oder den Nutzen nicht gemerkt und die Mercatorkarte keineswegs gekannt. Das 
ist sicher ein Irrtum; denn Snellius sagt auf der vorletzten Seite seines Vor- 
wortes ausdrücklich: „Et eas quidem lineas (sc. loxodromias) ali in globo ipso, alii 
in chartis Hydrographicis, quae analogia sua globo proprius responderent, summa 
cura designare et exprimere sunt conati. Qua in re vir doctissimus et Geographorum 
diligentissimus Gerardus Mercator non inutilem operam posuisse merito sit 
judicandus et post eum in Belgio etiam complures alli etc.“ 
Aber Snellius ist sich bewußt, daß er durch sein Rechnungsverfahren eben 
dasselbe, und zwar mit größerer Exaktheit, leistet, was durch die Mercatorkarte 
geleistet wird. Bouguer sagt an einer anderen Stelle seines oben genannten Werkes 
(S. 422), man könne mit Hilfe der Sekantensummen den Längenunterschied in 
Minuten für die Nordostloxodrome oder auch die Einteilung des. Meridians auf der 
Mercatorkarte finden, und fährt dann fort: „Plusieurs auteurs et principalement 
Snellius, ne s’occuperent que du premier de ces objets sans jamais penser au second 
qui en 6toit neanmoins si voisin.‘“ Aus diesen Worten scheint hervorzugehen, daß 
Bouguer die eigentliche Bedeutung des Rechnungsverfahrens, welches Snellius 
mit Hilfe der Tafel der Meridionalteile entwickelt, nicht erkannt hat. 
7 Die Tafel von C. F. M. Dechales (1690). 
Wie die eben zitierte Ausführung von Dechales zeigt und wie auch aus 
den weiteren Worten Bouguers (S. 119) hervorgeht, hat Snellius auf die franzö- 
sischen nautischen Schriftsteller einen großen Einfluß ausgeübt. Doch bringt 
Georges Fournier®) keine Tafel der Meridionalteile, sondern nur loxodromische 
(oder Strich-) Tafeln, die, wie er sagt, mit Hilfe der Sekantensummen berechnet 
werden. Auch Pierre Herigone?), der von Fournier zitiert wird, gibt keine Tafel 
der Meridionalteile, sondern nur loxodromische Tafeln. In diesen stellen bekanntlich 
die Längendifferenzen der Loxodrome von 45° die vergrößerten Breiten dar. Aber 
weder bei Fournier noch bei Herigone stimmen die Längendifferenzen der Loxo- 
drome von 45°, welche in ganzen Minuten gegeben werden, mit den entsprechenden 
Zahlen in den Tafeln der Meridionalteile von Snellius oder auch von Wright 
ganz überein. ; 
Der Jesuit Claude Francois Milliet Dechales (Deschales) dagegen, 
34) .Cursus seu mundus mathematicus, 1690. Tom. II. S. 237. 
35) Nouveau traite de navigation, 1753, S. 119. 
3%) Hydrographie, contenant la theorie et la pratique de toutes les parties de la navigation. 
Compose par Georges Fournier. Paris 1643. (Universitäts-Bibliothek Göttingen.) 
37) Cursus mathematici tomus quartus, a Petro Herigono. Parisiis 1644. (Universitäts- 
Bibliothek Göttingen.)
	        
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