1928
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1915.
Tabelle 1. Gerh. Mercators Weltkarte (1569).
Breiten-
Gemessene Werte (Wagner”)
unterschiede
Breslau
Paris
d— 10°
10—20
20—30
30—40
40—50
50—60
60—70
70—80
10.06°
10.46
10.92
12,29
14.17
17.51
23,83 |
40.27
10.15°
10.44
10.97
12.33
14.17
17.51
23.84
40.17
Berechnete Werte nach der
Näherungsformel ©
Theorie | Breusings 'Nordenskiölds
10.05°
10.37
11.05
12.24
14.20
17,54
23.98
40.16
10.05°
10.36
11.05
12.23
14.18
17.52
23.90 |
39,73
10.04°
10.35
11.03
12.21
14.14
17.43
23.66
38.64
|
Man erkennt, daß die Weltkarte von 1569 eine außerordentlich große Annähe-
rung an ein nach strengen Prinzipien konstruijertes Gradnetz einer winkeltreuen
Zylinderprojektion darstellt. Jedoch spricht die bald positive, bald negative Natur
der kleinen Differenzen zwischen den gemessenen und den berechneten Werten von
neuem dafür, daß Mercator die Einteilung seiner Breitenskala (auch in den Einzel-
graden höherer Breiten) aus Hilfsfiguren entnommen hat. Wie dem auch sei, ebenso
wie seine Ausspruch auf der Legende der Karte: Gradus latitudinum versus utrunque
polum paulatim auximus pro incremento parallelorum supra rationem, quam
habent ad aequinoctialem, so zeigt auch die Durchführung dieses Grundsatzes auf
der Karte, daß Mercator ein volles Verständnis von dem Wesen der neuen Projektion
ad usum navigantium hatte.
2, Die Tafel von Edward Wright (1599).
Es war dem Engländer Edward Wright vorbehalten, als erster einen mathe-
matischen Ausdruck für die wachsenden Breitenabstände zu finden, nach welchem
es fortan ein leichtes war, eine Seekarte in der neuen Entwurfsart herzustellen,
Schon im Jahre 1594 erschien eine kleine Schrift von Thomas Blundevil:
A new and necessarie Treatise of Navigation, die aufgenommen ward in Blundevils
„His exercises‘‘, ein Werk, das oft in immer erweiterter Form herausgegeben wurde,
zuletzt 1636%). In jener Schrift veröffentlicht Blundevil — später auch von seinen
Landsleuten Blundeville genannt — die erste Tafel der vergrößerten Breiten, die
aber auf Wright zurückgeht. Nachdem Blundevil in Kapitel 28 das Wesen einer
Loxodrome beschrieben und diese in einer Zeichnung als eine den Pol nicht erreichende
Spirallinie abgebildet hat, kommt er auf die Karten zu sprechen und sagt: „Mercator
hath in his universall Card or Map made the spaces of the Parallels of Latitude to
bee wider every one then another from the Equinoctiall towards either of the
Poles, by what Rule I know not unlesse it be by such a Table, as my friend Master
Wright of Cajus College in Cambridge at my request sent mee (I thank him) not long
since, for that purpose, which Table with his consent, I have her plainly set downe.“
Die Tafel in Kapitel 29 hat den Titel: „A Table to draw thereby the Parallels in the
Mariners Card.‘ Sie enthält die Abstände der Breitenparalielen vom Aquator in
ganzen Äquatorminuten®) von Grad zu Grad bis 80° Br. Ein Auszug daraus folgt
in Tabelle 2.
7) Die zweiten Dezimalen der von Wagner gemessenen Werte entstammen nicht einer direkten
Messung: nach Graden. Er hat vielmehr nach Millimetern gemessen und die Einzelposten durch das
lineare Ausmaß von 10 Äquatorialgraden als Grundwert geteilt. Bei dem nicht völlig gleichen Maß-
zstab der Reproduktionen sind in der Berliner Lichtdruckausgabe bzw. dem Breslauer Original 10° im
Äquator — 54.2 mm (1: 20540000), bei der Jomardschen Kopie 10° = 51.5 mm (1 : 20440000). Jedoch
mußte für die Mittelbreiten von 30° bis 70° der etwas kleinere Wert von 53.0 bzw. 53.1 mm zu-
grunde gelegt werden,
8) Die 4. Aufl., London 1613, hat den Zusatztitel: Containing six Treatises; die 7. Aufl,
London 1636, »Containing eight Treatises« ist von Ro. Hartwell besorgt. Auch anf diesem Titel wird
der Verfasser Blundevil genannt. (Die 4. Auflage befindet sich in Bremen, Seefahrtschule.)
9) Es sei bei dieser ersten Tafel gleich bemerkt, daß, wenn die Tafeln die vergrößerten Breiten
in Minuten (60 miles = 1°) angeben, immer als solche die Äquatorminute bezeichnet wird, die freilich
bei der Kugel sich von einer Breitenminute nicht unterscheidet.