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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

Bathe, J.: Zur Geschichte der Tafeln der Meridionalteile. 
Karte Mercators kartometrisch auszuwerten, rein referierend verhalten, da ich 
keine Gelegenheit zu eigener Nachprüfung hatte. 
Zur Zeit liegen vier verschiedene Versuche vor, aus der Karte Mercators, 
um es kurz auszudrücken, eine Tafel der Meridionalteile herauszulesen. Man ist der 
Frage erst näher getreten, seit man einzelne Originalabdrucke der fast als verschollen 
geltenden Karte vom Jahre 1569 wieder aufgefunden und diese durch faksimilierte 
Wiedergaben einem größeren Kreise von Forschern zugänglich gemacht hat. 
Während A. Breusing (1866 bzw. 1892)%) und A. E. Nordenskiöld*) sich an die 
Jomardsche Kopie des Pariser Exemplars der Karte in lithographischem Druck 
hielten, hat in jüngster Zeit J. Müller-Reinhardin der mit H. Averdunk heraus- 
gegebenen Biographie Gerhard Mercators®) die Lichtdruckausgabe des Breslauer 
Öriginaldruckes benutzt, welche die Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin 1891 heraus- 
gab. Alle drei Autoren haben sich darauf beschränkt, die zehngradigen Abstände 
der auf der Weltkarte ausgezogenen Breitenparallelen abzumessen und sie mit den 
teils aus der wahren Theorie der Mercatorprojektion, teils aus bestimmten Hypothesen 
hervorgehenden Werten. zu vergleichen. Demgegenüber hat Hermann Wagner 
in seiner zweiten Abhandlung „Kartometrische Analyse der Weltkarte Mercators 
vom Jahre 1569‘“%) nach sehr eingehender Kritik des Verfahrens seiner Vorgänger 
und Prüfung der Zuverlässigkeit der beiden Reproduktionen der Karte nach der 
Seite der Maße auch die in Einzelgrade geteilte. Breitenskala, die jene übersehen 
hatten, in die Betrachtung gezogen.‘ Damit war eine weit sicherere Grundlage für 
die Erkenntnis der von Mercator durchgeführten Vergrößerung der Breitenabstände 
gewonnen, als allein die zehngradigen des ausgezogenen Netzes bieten konnten. 
Wagner glaubt ferner einen systematischen Fehler des ursprünglichen Entwurfes 
der Karte für die Mittelbreiten von 30° bis 70° Br. nachweisen zu können. Er führt 
ihn darauf zurück, daß Mercator die Breitenabstände der großen Karte nicht mittels 
einer einzigen Hilfsfigur, sondern durch mehrere solcher gewonnen habe. Daß der 
große Kosmograph dieselben nicht durch vorherige Berechnung einer Tafel der ver- 
zrößerten Breiten, sondern auf geometrischem Wege gefunden habe, darüber sind 
alle genannten Autoren einig. Diese Hilfsfiguren, aus denen die Teilung der Breiten- 
skala in Einzelgrade hervorging, sind — das ist Wagners Ansicht: — durch ein 
Versehen des Autors nicht in ganz gleichem Maßstab entworfen gewesen. Dadurch 
kommt es, daß die Breitenabstände zwischen 30° und 70° Br. auf der Karte ein wenig 
zu klein erscheinen im Verhältnis zu denen in niederen und höheren Breiten. 
_ Indem ich im übrigen auf die Wagnersche Abhandlung verweise, entnehme 
ich ihr für meine Zwecke allein die von ihm nach Ausmerzung jenes systematischen 
Fehlers rekonstruierte Tafel der Meridionalteile, Ich beschränke mich dabei auf die 
zehngradigen Breitenabstände. Daneben stelle ich zum Vergleich, wie auch später, 
die Werte nach der strengen Theorie für die Kugel oder nach den Tafeln, die der 
Spanier J. de Mendoza y Rios 1791 berechnet hat, und die seitdem stets zum Ab- 
druck gelangten, sobald man noch bei der Kugelgestalt der Erde glaubte stehen 
bleiben zu dürfen. 
Im vorliegenden Falle mögen jedoch noch zwei Reihen von Näherungswerten 
in der Tabelle: Platz finden, die einerseits Breusing, anderseits Nordenskiöld 
mit den auf der Karte Mercators gemessenen Breitenabständen in Verbindung 
brachte. Man kann sie als rohe Tafeln der Meridionalteile ansehen, insofern sie, wie 
zahlreiche spätere, nach Summen von Sekanten fortschreiten, nur daß sie gleich das 
Vielfache von ganzen Graden zum Argument nehmen. Nordenskiöld multiplizierte 
den zehngradigen Bogen mit der Sekante der Mittelbreite: 10°.sec 5°, 10°.sec 15°, 
10°,sec 25° usw., Breusing den fünfgradigen Bogen ebenso. ‚Bei ihm setzen sich 
also die vergrößerten Breiten für je 10° aus der Summe zweier Produkte: 
5°,(sec 21°+sec 74°), 5°, (sec 121°+sec17}°) usw. zusammen. 
* Das Verebnen der Kugeloberfläche. Leipzig 1892. S. 31 bis 39. 
_ Faesimile-Atlas. . Stockholm 1889. 5. 95. 
5) Gerhard Mercator und die Geographen unter seinen Nachkommen. Ergänz. Heft zu Pet, 
Mitt. Nr. 182. Gotha 1914. S. 128 bis 133, 
$) Ann. d. Hydr. usw. 1915. 8. 377: 
427
	        
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