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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

1926 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1915. 
oder, wie Wright sich ausdrückt, seit Ersetzung der bisher allein üblichen 
„Common Sea Chart‘ (d. h. der Plattkarte) durch die „‚Nautical Planisphere‘“ sind 
jene Tafeln speziell für die nautische Kartographie und die terrestrische Besteck- 
rechnung von großer Bedeutung geworden; und in den letzten Jahren hat man be- 
gonnen, sie auch für die Aufgaben der nautischen Astronomie zu verwenden. 
Für die Zeiten von Wright bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts hat mir 
die Abhandlung von James Wilson „A dissertation on the Rise and Progress of 
the Modern Art of Navigation‘, welche John Robertson der zweiten Auflage 
seines Werkes „The Elements of Navigation‘ (London 1764) vorgedruckt hat, wert- 
volle Dienste geleistet. Für die letzten 150 ‚Jahre gibt es meines Wissens nichts 
Zusammenhangendes über die Tafeln. Nicht unerwähnt darf ich lassen, daß Herr 
Professor Hermann Wagner, der, wie bekannt, seit Jahren sich mit der älteren 
Geschichte der Nautik beschäftigt, mir manche seiner im Laufe der Zeit gesammelten 
Materialien zur Verfügung gestellt hat. 
Ein nicht unbeträchtlicher Teil der in Frage kommenden Werke ist außer- 
ordentlich selten und war trotz der Reichhaltigkeit der Universitäts-Bibliothek in 
Göttingen und der durch A. Breusings Sammeleifer trefflich ausgestatteten Biblio- 
thek der Seefahrtschule in Bremen schwer zu beschaffen. Unter diesen Umständen 
wird es späteren Forschern nicht unerwünscht sein, wenn ich den herangezogenen 
Werken den Ort beifüge, wo ich sie gefunden. Ich ergreife diese Gelegenheit aber zu- 
gleich, um dem Direktor der Seefahrtschule, Herrn Professor Dr. Schilling, sowie 
dem Bibliothekar, Herrn Professor Dr. Wendt, für die liebenswürdige Art, mit der 
sie mir behilflich waren, verbindlich zu danken, 
Der Gang unserer Betrachtungen ist durch die geschichtliche Entwicklung 
von selbst gegeben. Zu einer Zeit ins Leben gerufen, in der ein Zweifel an der Kugel- 
gestalt der Erde noch nicht aufgetaucht war, werden uns zuerst die für die Kugel 
berechneten Tafeln der Meridionalteile beschäftigen. Zunächst ist der zahlreichen 
Versuche zu gedenken, denen ein Annäherungsverfahren zugrunde liegt. Dann haben 
wir es seit Ende des 17. Jahrhunderts mit genaueren Integrationsformeln zu tun. 
Am Ende des 18. Jahrhunderts erhält die Tafel für die Kugel die in der Nautik 
bis heute noch vielfach angewandte Form. Seit jedoch in der ersten Hälfte desselben 
Jahrhunderts die Erkenntnis von der sphäroidalen Gestalt der Erde zum Durchbruch 
kommt, beginnen die Versuche, die Tafel der Meridionalteile dem Sphäroid anzu- 
passen. Davon wird das dritte Kapitel handeln. 
I. Die Meridionalteile für die Kugel durch Annäherungsverfahren 
berechnet. 
i. Die aus G. Mercators Weltkarte vom Jahre 1569 rekonstruierte Tafel. 
Der deutsche Kosmograph Gerhard Mercator, der 1569 mit seiner be- 
rühmten Weltkarte „Nova et aucta Orbis terrarum Descriptio ad usum Navigantium“‘“ 
den Kartenentwurf schuf, welcher die gekrümmten Loxodromen der Plattkarte in 
gerade Linien streckt, hat bekanntlich keine Andeutung darüber hinterlassen, auf 
welchem Wege er zu ihm kam oder nach welchem Gesetz er die vergrößerten Breiten 
eintrug. Nicht nur in älteren Zeiten, sondern auch in jüngsten hat man ihm die klare 
Einsicht in das Wesen der Loxodrome und damit in das seiner eigenen Karte ab- 
gesprochen. Schon vor Jahren hat sich Arthur Breusing abgemüht, diese An- 
sichten mit triftigen Gründen und an der Hand der Prüfung der Maßverhältnisse 
der Weltkarte zu widerlegen. Andere folgten. Nunmehr dürfte durch die neueste 
Wagnersche Studie Mercators volle Beherrschung der Grundlagen seines Ent- 
wurfes nachgewiesen sein. Dafür spricht in erster Linie die Tatsache, daß Mercator 
schon 1541 seinen Erdglobus mit sehr richtig gezeichneten Loxodromen versehen hat. 
Wagner macht es sogar wahrscheinlich oder stellt es unter eingehender Darlegung 
der Gründe zur Erwägung, ob nicht Mercator durch die Konstruktion eines Systems 
von Loxodromen zu seinem Entwurf einer normalen, winkeltreuen Zylinderprojektion 
gekommen sei. Ich gehe auf diesen Punkt nicht näher ein, da er meinem Thema etwas 
ferner liegt. Und ich muß mich auch hinsichtlich der verschiedenen Versuche, die
	        
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