Retzow, U.: Die interdinrne Veränderlichkeit der Lufttemperatur in Europa. 403
kontinentalem Klima an, welche von E. Wahlen!). berechnet worden sind und
aus der Arbeit von V. Kremser”) hier angeführt werden, ; .
Trotzdem Barnaul weit außerhalb ‚des in‘ der Einleitung abgegrenzten
Gebietes liegt, glaube ich doch, daß die Angabe der obigen Werte in. diesem
Zusammenhange von Interesse sein wird, Der Gang der Veränderlichkeit gleicht
dort im ganzen sehr demjenigen der betrachteten europäischen Stationen: . Aller:
dings ist die Amplitude des jährlichen und jahreszeitlichen Ganges bedeutend
größer als in Hamburg oder Königsberg. Bemerkenswert ist ferner, daß die
Werte des Sommerhalbjahres von denen des Winterhalbjahres so bedeutend ver-
schieden sind, daß diese Größen sich zu:keiner Tageszeit gleichen, während. sich
für Hamburg und Königsberg zwei. Stunden ergaben, an denen die Veränder-
lichkeit im Sommer- und im Winterhalbjahre: denselben Wert hat. 8
Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Differenz zwischen dem. größten und kleinsten Wert, den
die Veränderlichkeit im Sommer-. und Winterhalbjahre ‚annimmt, .mit. der Entfernung vom Meere
wächst; das würde im europäischen Festlande der westöstlichen Richtung entsprechen, Die drei hier
betrachteten Orte liegen ungefähr in derselben geographischen Breite, Hamburg 53° 33’, Königsberg
54° 43’ und Barnaul 53° 16 nördlicher Breite. In der folgenden Tabelle ist jene Differenz für die
sinzelnen Orte zusammengestellt worden. . Außerdem ist auch‘ die Amplitude des Jahresmittels des
täglichen Ganges für die Ü Stationen hinzugefügt.“ a
r Hamburg | Königsberg [- Barnaul
Maximum — Minimum ; . ] - 0.700 ; 0.989 | 3,8°
Amplitude des Jahresmittels . 0.209 , 7] , 0.45° 0.929 ”
Aus ‚diesen Zahlenwerten der Tabelle ergibt sich, daß die Amplitude des Jahresmittels des
täglichen Ganges mit der Entfernung vom Meere wächst. . Dasselbe gilt auch für die Differenz zwischen
dem größten und kleinsten Wert während der beiden Halbjahre.
Aus diesem Grunde wird auch gleichzeitig die.Differenz. des sommerlichen
und winterlichen Ganges der Veränderlichkeit zu einer -bestimmten. Tagesstunde
größer werden. Für einen Teil der bearbeiteten Stationen war, wie bereits oben
erwähnt, der 7®-Termin gewählt, Aus der graphischen Darstellung (Fig, 1) und
der Tabelle II geht hervor, daß. die Veränderlichkeit zu dieser Tagesstunde im
Winterhalbjahre den größten Wert, im Sommer dagegen ein Minimum besitzt.
Somit werden alle Werte im Winter zu groß, im Sommer aber zu klein angegeben
werden, da die Zunahme der Amplitude des täglichen:Ganges mit wachsender
Entfernung vom Meere zunächst noch eine rein theoretische Folgerung aus dem
Vergleich von Königsberg und Hamburg mit den Beobachtungen in Barnaul ist,
Erst wenn von einer Anzahl Stationen der tägliche Gang der Veränderlichkeit
bearbeitet worden ist, wird sich dieser Unterschied mit Sicherheit feststellen lassen,
Dasselbe gilt auch für. diejenigen berechneten Stationen, welche die Beob-
achtungen um 8% morgens anstellen. Allerdings werden die Korrektionen kleinere
Beträge annehmen, da die Differenz des winterlichen und sommerlichen Ganges
auch geringer ist wie um 7b V. In der folgenden Tabelle ist die Differenz der
Veränderlichkeit um 72V und 8% V für Hamburg und Königsberg zusammen-
gestellt worden, |
Tabelle V.
Differenz der Veränderlichkeit 7h V bis Sh YV.
Sammer-Halbiahr
Winter-Halbiahr |
Jahresmittel
Hamburg | 0.040 | 0.050 | 0.04°
Königsberg — 0.01° 0.179 1 0.08% .
Diese Werte bleiben. mit Ausnahme des Winterhalbjahres in Königsberg
innerhalb der Fehlergrenze. Der außerordentlich große Betrag ist darauf zurück-
zuführen, daß der winterliche Gang der Veränderlichkeit von einem Maximum
um 7RV sehr schnell zu einem Minimum um 10bV herabsinkt.” Der negative
1) E. Wahl6n, Tägliche Variation der Temperatur in Rußland. Wild, Repertorium der
Meteorologie. III. Supplementband,
2) V. Kremser, a. a. 0.