402 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1915,
gesetzten Größen entstanden ist. Hieraus ergibt sich auch eine Erklärung dafür,
daß das Jahresmittel von Königsberg eine verhältnismäßig größere Amplitude
besitzt, weil die Extreme der verschiedenen Jahreszeiten nicht zur selben Tages-
stunde eintreten, sondern in bezug auf die Zeit gegeneinander verschoben sind.
Hiermit hat sich schon ein charakteristischer Unterschied zwischen den
beiden betrachteten Orten ergeben: ihre verschiedene Amplitude, die auf obige
Weise eine Erklärung findet. Ein weiterer Hauptunterschied besteht darin, daß
in Königsberg die Kurve der Wintermonate je drei Maxima und Minima besitzt,
während in Hamburg der Gang der Veränderlichkeit zu den einzelnen Tagesstunden
einen periodischen Charakter trägt mit nur einem Maximum und einem Minimum.
Dieser Unterschied gibt zugleich Anlaß zu einigen Betrachtungen über den
auffallenden Gang der Veränderlichkeit während des Winterhalbjahres in Königs-
berg. Die Annahme, daß der im Vergleich zu Hamburg verhältnismäßig unregel-
mäßige Verlauf eine Folge der Bearbeitung von nur drei Jahrgängen ist, hat sich
nicht bestätigt. Ich habe hierzu eine längere Reihe von Beobachtungsmaterial
berechnet, aber immer hat sich derselbe Verlauf ergeben; nur kleine Anderungen
in der Gestalt der Kurve treten ein, der Gang wird mehr abgerundet, und es
verschwindet z. B. das sekundäre Teilminimum um 4b nachmittags vollständig.
Durch diese Betrachtungen wurde auch die Annahme hinfällig, daß die Werte
eines extremen Jahres die drei Maxima und Minima hervorgerufen haben, — Führt
also die Berechnung weiterer Jahrgänge hier zu keinem Ziel, so gibt die Zer-
legung des Winterhalbjahres in die beiden Jahreszeiten ein Mittel, aus dem man
die Gründe für diesen eigenartigen Verlauf ersehen kann. Im Wintervierteljahr
besitzt die Veränderlichkeit einen regulären Verlauf mit zwei Maxima und Minima,
und zwar von gerade entgegengesetztem Charakter wie in der sommerlichen
Jahreszeit. Ein scharf ausgeprägtes Maximum morgens zwischen 6% und 9%, dann
erfolgt der Abfall zum Minimum mittags um 3b; nach einem gleichmäßigen
Anstieg bis zum Nebenmaximum um 1} V wird das Nebenminimum um 3% morgens
erreicht. Im Herbst dagegen ähnelt der Verlauf einerseits dem Sommer-, ander-
seits dem Wintervierteljahr. Gemeinsam ist dem Winter und dem Herbst das
Nebenminimum morgens um 2b (bzw. 3°) und das Maximum zwischen 6% und 7%,
Dann aber fällt der Gang im Herbst schnell zu einem Minimum um 10% vor-
mittags ab. In schnellem Anstiege wird der größte Wert während der ersten
Nachmittagsstunden um 38h erreicht, um wiederum zu einem Minimum um 6% abends
herabzusinken. Aus der Superposition dieses verschiedenartigen Verlaufs im Winter
und Herbst ist auch der auffallende Gang während des Winterhalbjahres zu
erklären. Leider haben mir zum Vergleich die entsprechenden Werte von Ham-
burg nicht zur Verfügung gestanden. Es bleibt somit nur übrig, diese Erschei-
nung auf den Einfluß der örtlichen Lage oder anderer Faktoren zurückzuführen.
Diese speziellen Untersuchungen auch für nur wenige Stationen durchzuführen,
würde Material zu einer besonderen Arbeit sein und über den Rahmen dieser
Betrachtungen hinausgehen.
Tabelle IV. Barnaul.
Der Gang der interdiurnen Veränderlichkeit zu den einzelnen Tagesstunden,
; x | j | ]
in | 2n] 30] Anl Bl 6] zn! sh! gn 108 rm 1090) nl | zul an! sn! 6a! zul en! ar aen run a0
Vormittags
Nachmittaes
r
3
S
he
Z
£
be
Sommer-Halbjahr
3.1.3.1 3.2.3.3. 3.2 3.0 2.7 2.6 2.7 3.0 3.1 3,2 3.3 13.3 |3.4 [3.4 [3.3 |3.1 2.9 2.8 2,8 '2,9 3.0 {3.1 | 0.8°
Winter-Halbjahr
5.8 5.9 6.1 62 63 64 63 62 '5.8 54 49 46 ]14 4.4 14.4 4.4 14,5 4.7 4.9 5.1 5,3 5.5.5.6 15.7 | 2.09
Jahres-Mittel
140 4.5711.66 4 741.774 684 53:4.41'4.28 4 18 4.04’3,95[3.90:3.85:3.88/3.88;3.89]3.89.3.88:3.96,4.07'4.19]4.33: 4.411 0.929
EN
Um nun auch auf die örtlichen Einflüsse der Beobachtungsstationen Rück-
sicht zu nehmen, gebe ich‘ vorstehend die Werte für einen Ort mit ausgesprochen