398 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1915,
diesem Gebiete infolge der orographischen Verhältnisse die klimatischen Faktoren
ganz andere sind und die Extreme des Wetters durch die Alpenkette mit viel
exzessiverem Charakter auftreten als in der Ebene.
II. Der tägliche Gang.
‚Bevor nun die charakteristischen Eigenschaften der interdiurnen Ver-
änderlichkeit eingehend besprochen werden, soll noch eine Untersuchung über
den Gang dieses klimatologischen Elementes während der einzelnen Tagesstunden
vorausgeschickt werden. Eine derartige Betrachtung erschien um so mehr
wünschenswert, als man hierdurch leicht den Einfluß feststellen kann, der
sich durch die Benutzung benachbarter Beobachtungstermine ergibt. Ferner
erkennt man, wie sehr die interdiurne Veränderlichkeit von der Wahl der Tages-
stunde abhängig ist, und gewinnt zugleich eine Möglichkeit, die Werte des jähr-
lichen Ganges zu korrigieren. Dann aber gestattet eine solche Untersuchung
auch einen Vergleich zwischen den beiden in der Einleitung erwähnten Me-
thoden, je nachdem man also die Veränderlichkeit des Tagesmittels oder die-
jenige einer einzigen Terminbeobachtung am Tage zu weiteren Betrachtungen
benutzt.
Die Zahlenwerte zu diesen Untersuchungen sind der obigen Definition
gemäß aufgestellt worden. Aus den Angaben in den »Ergebnissen der Beob-
achtungen an den Stationen II. und III Ordnung«!) ist in jedem Falle die
Differenz zweier um 24 Stunden auseinanderliegenden Beobachtungen gebildet
worden; die Werte der folgenden Tabelle sind demnach die Monats- oder jahres-
zeitlichen Mittel aus diesen Differenzen. Es sind nun diese Größen für jede
Tagesstunde berechnet worden.
Leider werden stündliche Angaben des Temperaturstandes nur in geringem
Maße veröffentlicht. So sind z. B. in den erwähnten »Ergebnissen der Beob-
achtungen« während der benutzten Jahrgänge nur die Ablesungen von Königsberg
enthalten; erst später kommen noch die Angaben der Brocken-Station hinzu.
Somit habe ich mich auf eine Berechnung des täglichen Ganges der Veränder-
lichkeit in Königsberg beschränkt. Um aber diese Untersuchungen nicht auf ein
einziges Beispiel zu stützen, habe ich die Angaben in Kremsers Arbeit über
»Die Veränderlichkeit der Temperatur in Norddeutschland«*), welche sich be-
sonders auf Hamburg beziehen, zum Vergleich herangezogen.
Bei der Berechnung des Zahlenmaterials hat sich gezeigt, daß schon ein
einziger Jahrgang genügt, um das Charakteristische des täglichen Ganges der
interdiurnen Veränderlichkeit klar hervortreten zu lassen; daher hielt ich für
diese Betrachtungen ein Mittel aus drei Jahrgängen für hinreichend genau und
habe die Jahre 1891 bis 1893 berechnet. Hierbei muß man sich aber vergegen-
wärtigen, daß es sich nicht um Werte handelt, die Anspruch auf absolute Ge-
nauigkeit haben, sondern daß diese Größen erst aus mehreren Jahrgängen genau
festgestellt werden können und das angeführte Zahlenmaterial nur ein Bild von
den wesentlichen Eigenschaften des täglichen Ganges geben soll.
Die für die einzelnen Monate sich ergebenden Werte sind den Jahreszeiten
entsprechend zusammengefaßt worden. Es geschah dies einerseits aus dem
Grunde, um die Übersicht zu erleichtern; anderseits aber schien eine derartige
Zusammenfassung gerechtfertigt, weil in diesem Kapitel der jährliche Gang der
Veränderlichkeit nicht berücksichtigt wird und daher auch die monatlichen
Änderungen dieses meteorologischen Faktors hier kein Interesse besitzen.
Die für Königsberg als Mittel aus den Jahren 1891 bis 1893 berechneten
Größen der täglichen Veränderlichkeit sind für die einzelnen Tagesstunden in
folgender Tabelle zusammengestellt worden.
1) Herausgegeben von dem Königl. Preuß. Meteor. Institut.
2) Dr. V. Kremser, a. 8a. 0