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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

396 _ Annalen: der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1915. 
die Anwendung der um 24 Stunden auseinanderliegenden Einzelbeobachtungen in 
der vorliegenden Abhandlung. , 
Diese beiden bisher betrachteten Möglichkeiten erschöpfen die Darstellung 
der täglichen: Veränderlichkeit der Temperatur noch keineswegs. Man könnte 
zum Beispiel die Dekadenmittel der Morgenablesungen, die für viele der benutzten 
Orte bekannt sind, zugrunde legen und die täglichen Abweichungen nach der 
positiven und negativen Seite in ähnlicher Weise behandeln, wie es in dieser 
Abhandlung mit den anderen Beobachtungen geschehen ist. Man kann aber 
auch für die betrachtete Zeit jedesmal das Mittel aus mehrtägigen Terminbeob- 
achtungen (z. B. für je 10 Tage) berechnen und die Abweichungen der Einzel- 
beobachtungen von diesem Mittel untersuchen. Hiermit würde man Resultate 
erhalten, die dem Charakter des einzelnen Jahres entsprechen und nicht durch 
das aus vielen Jahrgängen gebildete Mittel beeinflußt werden. 
Mit Vorteil lassen sich auch Betrachtungen anstellen über Temperatur 
änderungen bestimmter Größe an einem Orte, Da diese Ergebnisse zugleich 
großes klimatologisches Interesse besitzen und eine gute Ergänzung zu den 
Untersuchungen über die tägliche Veränderlichkeit der Temperatur bilden, so 
sollen sie in diese Arbeit eingefügt werden. Desgleichen werden auch Be- 
trachtungen über die Dauer gleichsinniger interdiurner Temperaturänderungen 
angestellt werden, die allerdings eine mehr theoretische Bedeutung haben, 
Es ist nun in den vorhergehenden Zeilen des. öfteren von der Veränder- 
lichkeit der Temperatur die Rede gewesen, ohne eine strenge Definition für 
diesen Begriff zu geben. Und doch ist es notwendig, sich darüber klar zu 
werden, was unter diesem Ausdruck verstanden werden soll. Als »mittlere Ver- 
änderlichkeit der Temperatur« hat Dove bereits früher einen Faktor in die 
Meteorologie eingeführt, der aber die durchschnittliche Anomalie der Temperatur 
eines bestimmten Monats gegenüber einem Mittelwerte aus einer längeren Beob- 
achtungsreihe bedeutet und mit den hier betrachteten Zahlenwerten in keiner 
Beziehung steht. Auf die vielen Auseinandersetzungen, die sich an die Veränder- 
lichkeit der Temperatur angeschlossen haben, will ich nicht näher eingehen, 
Nach Hann!) fallen unter den Begriff der Veränderlichkeit alle diejenigen 
Wärmeunterschiede zweier sich unmittelbar folgenden Zeitabschnitte, welche 
nicht der täglichen oder jährlichen Periode angehören. Diese Definition ist für 
die Betrachtungen der folgenden Abhandlung festgehalten worden, Es soll daher 
unter der »interdiurnen Veränderlichkeit der Temperatur« diejenige 
Änderung der Temperatur verstanden werden, die nach Ablauf von jedesmal 
24 Stunden eingetreten ist: also die Differenz je zweier um 24 Stunden aus- 
einanderliegenden Terminbeobachtungen. Aus diesen Zahlenwerten ergeben sich 
nun die Mittel für die einzelnen Monate, indem man die Summe der absoluten 
Beträge der einzelnen Änderungen bildet und durch die Anzahl der Tage 
dividiert?). Aus dieser mittleren interdiurnen Veränderlichkeit der Monate erhält 
man in entsprechender Weise das Mittel für die verschiedenen Jahreszeiten und 
für das ganze Jahr. 
Das Zahlenmaterial, welches zur Berechnung der interdiurnen Veränder- 
lichkeit benutzt wurde, ist aus den täglichen Veröffentlichungen der Deutschen 
Seewarte entnommen worden, Hierin werden Ablesungen des Thermometerstandes 
nur auf zehntel Grad angegeben und enthalten bei den verschiedenen Orten 
sicherlich Beobachtungsfehler, die von Einfluß auf die zweite Dezimale sind. 
Deshalb wurde eine Genauigkeit von 0.1 Grad für hinreichend erachtet; da sich 
bei der Bearbeitung des Zahlenmaterials gezeigt hat, daß die Abweichungen der 
} Hann, Untersuchungen über die Veränderlichkeit, a. a, O. 
2) Hiermit stimmt die a, a. O0. von L. Grossmann angegebene Formulierung überein: »Be« 
zeichnet man die einzelne interdiurne Änderung zur Stunde h unabhängig vom Vorzeichen mit [42], 
die interdiurne Veränderlichkeit zur Zeit h hier kurz mit Vhn, so ist Vh = Az [4n], wo n die An- 
zahl der Monatstage bedeutet... .. Bei der angegebenen Berechnung der interdiurnen Veränderlichkeit 
Cm sämtliche interdiurnen Änderungen, Ah, mit ihrem Betrage positiv in Rechnung und man erhält 
aher wirklich das Mittel der Veränderlichkeit.
	        
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