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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1915. 
Es hindert nun nichts, das Netz der Plattkarte zu verdichten, indem man 
die sämtlichen Breitenparallelen von Grad zu Grad zieht. Wenn man dann die 
Schnittpunkte der Loxodrome mit jeder einzelnen dieser Parallelen in gleicher 
Weise auf die gestreckten Graden überträgt, hat man für die Mercatorkarte die 
Abstände sämtlicher Breitenparallelen vom Äquator, Die Differenzen benachbarter 
Linien liefern dann die unmittelbar auf die Breitenskala übertragbaren vergrößerten 
Breiten für die Einzelgrade. Voraussetzung ist eine sehr genaue Konstruktion 
der fraglichen Loxodrome. Es soll nicht geleugnet werden, daß eine große 
Geschicklichkeit im Zeichnen wie im Abgreifen dieser Hilfsfigur dazu gehört, 
wenn man die halben Millimeter, geschweige denn noch weitere Bruchteile des 
Millimeters verbürgen will. Die technischen Schwierigkeiten dürften wohl noch 
größer sein als bei der Sekantenmethode. Nur der wird hierüber urteilen können, 
der einmal den Versuch exakter zeichnerischer Durchführung gemacht hat. 
Welches graphische Verfahren Mercator nun auch angewendet haben mag, 
die Geringfügigkeit der Fehler im Entwurf seiner Weltkarte, die ihm, wie wir 
annehmen, noch ohne eine Tafel der Meridionalteile gelang, verdient, ganz ab- 
gesehen von der grundlegenden Idee der neuen Projektion, ‚unsere. höchste 
Bewunderung. Und somit konnten ähnliche Abmessungen, wie sie hier durch- 
geführt sind, einem Mathematiker wie Edward Wright sehr wohl Anregungen 
für die Aufstellung eines arithmetischen Gesetzes der: Breitenvergrößerung für 
die Seekarte bieten, das er dann in der Tafel der‘ Meridionalteile zuerst 1599 
(bezw. 1594) aufstellte. In diesem Punkte darf ich wohl auf die Schlußbemer- 
kungen meines Aufsatzes über G. Mercator und die ersten Loxodromen auf 
Karten (Ann, d. Hydr. 1915, S. 299) nochmals verweisen. 
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Die interdiurne Veränderlichkeit der Lufttemperatur in Europa. 
Von Ulrich Retzow. 
1 Einleitung. 
Über die Änderung der Lufttemperatur an der Erdoberfläche von einem 
Tage zum folgenden sind bereits verschiedene Abhandlungen veröffentlicht 
worden. In den Lehrbüchern hat man sich, wenn auch nur in geringem Maße, 
mit diesem Gegenstande beschäftigt. So hat J. v. Hann in seinem »Lehrbuch der 
Meteorologie« zunächst die Mittel der Veränderungen der Tagestemperatur für 
jeden Monat und für das Jahr aufgesucht und die geographische Verteilung 
dieser Mittel betrachtet; ferner berechnete er die Häufigkeit von Temperatur- 
änderungen bestimmter Größe, Die Ergebnisse dieser Untersuchungen stimmen 
mit den Resultaten der vorliegenden Abhandlung im wesentlichen überein. Sie 
sollen deshalb an gegebener Stelle zum Vergleiche herangezogen und eingehend 
besprochen werden. a 
Im Gegensatz zu dem Gang der Temperatur während eines Tages oder 
Jahres, wie er durch Mittelbildung aus langen Beobachtungszeiten abgeleitet 
worden ist und der einen periodischen Charakter trägt, sollen unter den un- 
periodischen Änderungen der Temperatur solche verstanden werden, die nicht 
dem täglichen oder jährlichen Verlauf angehören. , 
Es gibt nun verschiedene Möglichkeiten, diese unperiodischen Temperatur- 
änderungen zu betrachten, ‘Man kann entweder von den Tagestemperaturen aus- 
gehen und die Differenz von zwei aufeinanderfolgenden Tagen bilden, oder man 
kann die Differenz zweier um 24 Stunden, auseinanderliegenden Terminbeob- 
achtungen weiteren Untersuchungen zugrunde legen. 
Die erstere Methode ist bishör von den meisten Bearbeitern angewandt 
worden. Auf die umfangreiche Literatur möchte ich an dieser Stelle nicht ein- 
gehen und verweise auf die am Ende der Arbeit gemächten Angaben.
	        
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