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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

Wagner, H,: ‘'Kartometrische Analyse der‘ Weltkarte G, Mercators vom Jahre 1569. 393 
‚19:7 Welche Hilfsfigur konnte .Mercätor. für diese. Einteilung der 
Breitenskala. in Einzelgrade benutzen? Für die. niederen Breiten; 
etwa bis 30° oder. 40°, hat. er offenbar des geringen. Wachstums benachbarter 
Grade wegen die 5°-Spatien gleichmäßig in AKEinzelgrade geteilt, . Dann 
beginnen die Unterschiede der Grade zu steigen. Tabelle VII gibt ein Beispiel 
für die neun. Grade zwischen 70° und 79°, Das ‚gleiche graphische Prinzip, 
das Breusing befürwortete, erfordert für die weitere Teilung in Einzelgrade das 
Abtragen der Sekanten für die. Mittelbreiten von je 1 Grad. Ein solcher ist in 
der-Weltkarte (Breslau) nur. 5.42 mm groß, ‘Selbstverständlich konnte sich Mer- 
cator dazu. nicht einer 8o. kleinen Hilfsfigur bedienen, in welcher ein Quadrant 
von:5.42 mm Radius in halbe Grade geteilt und durch die. Teilpunkte Sekanten 
gezogen wurden; Dagegen macht es. keine. unüberwindliche Schwierigkeit, sich 
zunächst die zehnfache Länge der erforderlichen Sekanten zu konstruieren. Am 
Nullpunkt des gleichen Quadranten, wie ihn Nordenskiöld hätte benutzen können, 
nämlich von 54.2 mm (= 10° Halbmesser, wird wiederum eine Berührende an- 
gelegt; dann wird um jenen Quadranten konzentrisch ein so großer Kreis gezogen, 
daß man auf ihm ‚leicht eine Einteilung in. halbe Grade eintragen kann. Ver- 
bindet man nun die Teilpunkte mit dem Zentrum der Figur, etwa von 40!/,, 411/,, 
421/,° an und so fort bis 791/,°, so bilden. die.durch die Tangente abgeschnittenen 
Anfangsstücke des Strahlenbündels die zehnfachen Strecken: der Sekanten für die 
Mittelbreiten von je 1°, Es handelt sich alsdann nur darum, den zehnten Teil 
dieser Sekanten abzugreifen, um diesen nacheinander auf der Breitenskala von 
40° an abzutragen. Graphisch könnte dieser zehnte Teil durch eine Parallele 
gefunden werden, welche das. Sekantenbüschel in 5.42 mm Abstand von der 
Berührenden schneidet. Aber da dieser Schnitt bei zunehmender Breite die 
Sekanten unter sehr spitzem Winkel schneidet, wird die Unsicherheit im Abgreifen 
sehr groß. Es ist anzunehmen, daß Mercator, wenn er überhaupt sich dieses 
Verfahrens bedient hat, auf jeder einzelnen Sekante den zehnten Teil abgegriffen 
hat. Ich gehe auf die Schwierigkeiten der Technik besonders ein, weil sich durch 
sie die bald positiven, bald negativen Abweichungen gegen die theoretischen 
Werte um Bruchteile des Millimeters leicht erklären. 
Es bleibt nun noch die Entstehung des systematischen Fehlers im 
Entwurf der Weltkarte zu besprechen (S.. 387), wonach die Breitenabstände in den 
Mittelbreiten von 30° bis 70° einem kleineren Grundwert für den Aquatorgrad 
(10° = 53 mm) entsprechen, als in niederen und höheren Breiten (10°:= 54.2 mm, 
vgl. Tabelle VII). Ich kann mir diesen Fehler nur so erklären, daß: Mercator die 
Breitenabstände stufenweise mittels drei ähnlichen Hilfsfiguren fand. .Beim Ent- 
wurf der zweiten Figur für die  Mittelbreiten von 30° bis 70° scheint ihm das 
Versehen untergelaufen zu sein, daß er den Halbmesser des Grundquadranten, 
an den sich die Tangente anlehnt, etwas kleiner; nämlich nur zu 53 mm, statt zu 
54.2 mm annahm. Dadurch mußten auch die Sekanten entsprechend kleiner werden 
und also die vergrößerten Breiten. sich ein. wenig. verkürzen: 78 
‚20. In meinen: Aufsatz über Mercator und die ersten Loxodromen auf 
Karten habe ich die Vermutung ausgesprochen, daß er auf die Idee. einer Karte 
mit vergrößerten Breiten. bei dem Versuch ‚einer geometrischen Rektifikation der 
Loxodromen gekommen sein könnte. Wenngleich das im folgenden Auszuführende 
von allen Loxodromen gilt, so will ich mich hier auf diejenige von 45° Azimut 
beschränken. Nehmen wir an, daß Mercator eine quadratische Plattkarte im 
Maßstab seiner‘ Weltkarte, also mit einer Seitenlänge der. quadratischen Zehn- 
gradfelder == 54.2 mm entworfen, dieser eine Loxodrome von 45°. eingezeichnet 
und an letztere in ihrem Schnittpunkt mit dem Äquator eine Gerade im Winkel 
von 45° angelegt hätte. Man findet alsdann den Abstand der Breitenparallelen 
der‘ zugehörigen Mercatorprojektion, indem ‚man die -Schnittpunkte der Loxo- 
drome mit den Breitenlinien der. Plattkarte durch Parallelen zu den. Meridianen 
auf die gestreckte Gerade überträgt. : Diese vielleicht zu knappe Fassung wird 
man an. besagter Stelle sowie durch. die dort beigegebene Tafel 17 dieses Bandes 
der Annalen erläutert finden, . 
Ann. d. Hydr. usw. 1915, Heft IX, i
	        
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