Wagner, H.: Kartometrische Analyse der Weltkarte G, Mercators vom Jahre 1569. 8387
Da nun Blatt 15- der Berliner Ausgabe zu denjenigen gehört, welche.
gegenüber den übrigen stark verkürzt erscheinen, hielt ich es für wahrscheinlich,
daß sich die gleichen Widersprüche auf dö&m Breslauer Originaldruck nicht:
finden würden. Dies ist in.der Tat der Fall, wie ich den Nachmessungen ent-
nehme, welche Professor Supan freundlichst ausführte. Auf einem langen Karton-
streifen, auf den ich die Breitenskala der Berliner Lichtdruckausgabe (Blatt 3,
9, 15) genau aufgetragen hatte, markierte Supan, den Äquator als Nullpunkt
annehmend, genau die Skalenteile des Breslauer Originals. Sind auch nicht alle
Widersprüche beseitigt, so war doch durch dieses Verfahren das Fehlerhafte des.
Blattes 15 der Berliner Ausgabe dargetan, denn es fand sich
Tabelle IV (in Millimetern).
Breslauer Originaldruck N
Nordbreite | Südbreite | Differenz
Breite
50—60° 92:8 92,5 +03 92.2 91.3 +09
40—509 75.1 74.7 +04 74.4 73.3 +11
30—409 64,7 65.0 —03 65.0 63.5 +15
20—30° 59.3 60.2 —0.9 59.0 57.7 13
10—20° 57.5 56.5 +10 57.0 56.0 19
D—100 540 54.6 —0.6 540 © 545 * —05
Summa | . 408.4 | 4035 | —01 | 4016 | 3963 | +58
Es gleichen sich also die Abweichungen tatsächlich in erheblichem Maße aus.
Warum freilich auch in der durch Umzeichnung hergestellten Jomardschen
Kopie alle Breitenabstände im Süden des Aquators kürzer ‚als im Norden
erscheinen, bleibt dabei unaufgeklärt.
IV. Neuer Versuch einer Auswertung der Karte.
9. Nach diesen langen, aber notwendigen Voruntersuchungen wenden wir
un$ zu dem Hauptzweck, eine Tafel’der Meridionalteile aus der Mercator-
karte herauszulesen. Es ist zugleich beabsichtigt, die Messungsergebnisse nicht.
nur mit den theöretischen Werten, sondern auch mit denjenigen, die sich aus
der Breusingschen und Nordenskiöldschen Hypothese ergeben, zu vergleichen.
Doch werden wir uns dabei der Einfachheit wegen nur an die Nordbreiten, und.
zwar die Strecken von 0° bis 79°, halten. I
„Man pflegt in solchen. Tafeln die vergrößerten Breiten in. Aquatorgraden
oder Äquatorminuten auszudrücken, Die erste Aufgabe, die uns nun beschäftigen
muß, nämlich deren Größe als Grundwerte für beide Kopien festzustellen, be-
gegnet erneuten Schwierigkeiten, Nordenskiöld und Müller-Reinhard be-
rühren diese nicht. Breusing berechnet den Äquatorgrad, dessen Größe ihm
von d’Avezac nicht mitgeteilt war, auf sinnreiche Weise aus. den zehngradigen.
Breitenabständen in Millimetern; wir kommen darauf zurück (S, 389).
Der Gedanke liegt nahe, als Grundwert einfach denjenigen zu wählen,
welchen man durch Messung: auf dem Äquator, etwa von 10 zu 10 Graden;
gewinnt. © Wir fanden oben (S. 385) als lineares Maß von 10° im Aquator
im Mittel für die Berliner Ausgabe 10° — 54.2 mm,
für die Pariser Ausgabe 10° = 55.33 mm.
Aber es zeigt sich sehr bald, daß. wir mit ersterem für gewisse mittlere Zonen;
mit letzterem für alle Zonen zu große Breitenabstände erhalten würden, welche
sich mit den auf der Karte gemessenen nicht mehr in Einklang bringen lassen,
Erst durch diese Gegenüberstellungen ward zugleich ein systematischer Fehler
des originalen Entwurfes der Mercatorkarte erkannt, daß nämlich die
Breitenabstände zwischen 30° bis 70° (vielleicht nur zwischen 35° bis 70°) fast.
durchweg ein wenig zu klein dargestellt sind im. Verhältnis zu den Abständen
in niederer Breite von 0° bis 30° (vielleicht von 0° bis 35°) und ebenso zu denen
von 70° bis 79°.