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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

Wagner, H.: Kartometrische Analyse der Weltkarte G, Mercators vom Jahre 1569. 383 
selbst niemals zu Gesicht bekommen hat, sondern ganz auf die ihm von d’Avezac 
mitgeteilten Werte angewiesen war. Immerhin bleiben auch die letzteren in 
maximo zwischen 60° bis 70° noch um 0.39°, also, da Breusing 1° des Äquators 
zu 5.4 mm annimmt, um 2.1 mm hinter den berechneten Werten zurück, Diese 
Differenzen steigern sich bei Müller-Reinhard zwischen 70° bis 80° auf 0.56° 
— 2,54 mm, bei Nordenskiöld zwischen 60° bis 70° auf 0.66° = 3.56 mm, falls 
jetzterer den Äquatorgrad auch zu 5.4 mm angenommen hat, Prozentual ist die 
größte Differenz bei Nordenskiöld zwischen 50° bis 60°, wo sie 3.7 9% beträgt. 
Indem sich diese Differenzen aber größtenteils summieren, bleibt schließlich das 
Gesamtmaß Müllers von 0° bis 70° um 1,56° = 8.4 mm, bei Nordenskiöld um 
2.56° = 138.8 mm gegen die von letzterem berechneten Werte zurück, Das sind 
in der Tat Unterschiede, die nicht vernachlässigt werden dürfen, und 
die so bestimmt von Müller-Reinhard ausgesprochene Ansicht, daß man von einer 
sehr großen Wahrscheinlichkeit der Nordenskiöldschen Hypothese sprechen dürfe, 
erschüttern. Dies wird noch deutlicher durch den Hinweis darauf, wie stark die 
gemessenen Werte beider Autoren gegen die theoretischen, die wahren, zurück- 
bleiben. Müller-Reinhard gibt dem auf der Karte abgemessenen Abstand des 
80.° Br. vom Äquator 3.09° = 15.9 mm, Nordenskiöld sogar 4.39° = 23.7 mm 
weniger, als er nach der Theorie haben müßte. 
7. Der Haupteinwand, den man gegen alle drei Autoren, welche das Milli- 
metermaß bisher an die Weltkarte gelegt haben, erheben muß, ist, 
a) daß sie nicht erkannt haben, daß die Mercatorkarte gar nicht 
bis zum 80.° N-Br, reicht, und . 
b) daß sie der längs des 350. Meridians entlangziehenden Breiten- 
skala keine Beachtung geschenkt haben. 
Die erste Behauptung läßt sich auf zwei Wegen aufs augenscheinlichste 
beweisen. Die Mittellinie der Weltkarte ist der Wendekreis des Krebses, 
Er bildet auf der Jomardschen Kopie die Grenze der gleich hohen oberen wie 
unteren Blattreihe und halbiert auch genau die Reihe der mittleren Blätter der 
Berliner Ausgabe, also auch der Originaldrucke. Die Karte reicht südwärts bis 
zum südlichen Polarkreis, ihre Südhälfte erstreckt sich also vom 231/,° N-Br. bis 
661/%,° S-Br. Nach der Theorie der vergrößerten Breiten entsprechen diese 
90 Breitengrade einem Abstand von 
1451,83’ + 5398.0’ = 6849.3’ Äquatorminuten. .. 
Die nördliche Hälfte kann also unter diesen Umständen nicht wohl bis zum 
80.° Br. reichen. Denn der Abstand desselben vom ÄAquator erfordert nach der 
Theorie 8375,2’, also vom nördlichen Wendekreis an gerechnet, mehr als 6849,3', 
nämlich 8375.2' — 1451.3’ = 69238.9’. Tatsächlich reicht also die Karte vom 
Äquator aus mit ; 
1451.38’ + 6849.3’ = 8300.6’ nur bis 79° 47 N-Br. 
Anschaulicher läßt sich der Beweis für unsere Behauptung noch durch die 
Breitenskala führen, auf der die Einzelgrade markiert sind. Es zeigt sich, daß 
im Berliner Originaldruck der 78, Breitengrad (77°—78° Br.) = 25.5 mm, der 
79. (78°—79°) = 27.1 mm mißt, so daß man für den 80. (79°—80°) = 29.6 mm 
arwarten müßte, Tatsächlich ist aber die Strecke zwischen dem 79. Breiten- 
parallel und dem Kartenrand nur 24 mm groß, Die 80°-Breitenpar allele fällt 
also noch in den Rahmen, 
Hieraus geht hervor, .daß alle bisher für das Spatium von 70° bis 80° 
angestellten Vergleiche irreführend waren und man dieselben fortan nur bis 
79° Br. 
strenger durchführen kann, eben weil dieser noch auf der Breitenskala scharf 
markiert ist. Indem die bisherigen Autoren die Breitenskala außer acht ließen, 
begaben sie sich also eines weit beweiskräftigeren Mittels der Prüfung über die 
Mercatorkarte, als ein Vergleich der zehngradigen Zonen sie zuläßt.
	        
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