Wagner, H.: Kartometrische Analyse der Weltkarte G. Mercators vom Jahre 1569. 379
von einem der wertvollsten Dokumente der Kartographie besitzen. Meist sind
dieselben bisher — abgesehen von den Legenden, die auf der Jomardschen Aus-
gabe ganz fehlen, — als gleichwertig angesehen.. Aber es ist die Auseinander-
haltung durchaus geboten, sobald es sich um kartometrische Auswertung handelt,
a) Von dem Pariser Originaldruck hat, wie angedeutet, Edme Francois
Jomard eine Kopie in Originalgröße auf lithographischem Wege herstellen
lassen und sie als letzte (8.) . Lieferung’ seines großen, sehr teuren und daher
wenig verbreiteten Sammelwerks »Monuments de la geographie« 1862 veröffent-
licht. Zu diesem Zweck mußte selbstverständlich erst eine Zeichnung her-
gestellt werden. Die Karte ward dabei in acht gleich große Sektionen zerlegt,
welche in den Monuments die Nummern 75 bis 82 tragen. Ein Faksimile im
heutigen Sinne ist diese Kopie nicht. Jedes Blatt greift mit der Zeichnung ein wenig
über, welche Stücke daher beim Zusammensetzen in Wegfall kommen und bei Aus-
messungen außer Betracht bleiben müssen, Der kartographische Inhalt ist auf
den acht Blättern, abgesehen vom Kartenrand oben und unten, je durch zwei
Meridiane von 90° Abstand und durch den Wendekreis des Krebses scharf
begrenzt. Diese Ausgabe wird im folgenden als die Jomardsche bezeichnet,
um sie vom Pariser Originaldruck zu unterscheiden.
b) Was das Breslauer Original betrifft, so hat, wie allgemeiner be-
kannt, die Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin das Verdienst, unter den Au-
spizien F, v, Richthofens 1891 eine Lichtdruckausgabe der Karte in Originalgröße
herausgegeben zu haben.!) In mustergültiger Form durch die Reichsdruckerei
hergestellt, besteht das Werk aus 18 Tafeln, von denen 12 den mittleren Original-
tafeln entsprechen, während die drei westlichen und drei östlichen Blätter breiter
sind, da die ursprünglich auf besonderen Platten gestochenen Randpartien in
der Kopie unmittelbar mit den anstoßenden Blättern. vereinigt sind, Diese Rand-
partien greifen übrigens, worauf schon hier aufmerksam gemacht werden möge,
noch über den 180, Grad Ost und West um etwa 2!/,° L. hinaus. Diese Streifen
sind also auf dem Original und dementsprechend auf dem Faksimile-Lichtdruck
doppelt dargestellt. Da von den 220 Exemplaren, welche von dieser Reproduktion
1891 hergestellt wurden, nach freundlicher Mitteilung des Generalsekretärs der
Gesellschaft für Erdkunde, bis jetzt. nicht weniger als 157 ausgegeben sind,
bietet sich ungleich mehr Gelegenheit, auf ihr die nachfolgenden Messungen
nachzuprüfen. Hier haben wir es also mit einem echten Faksimile-Werk zu tun,
nur fragt sich, ob es der photolithographischen Anstalt gelang, allen Blättern
die Originalgröße der Vorlage wiederzugeben. In diesem Punkte könnte eine
mit äußerster Gewissenhaftigkeit hergestellte Lithographie den Vorzug vor dem
Lichtdruck verdienen, weil es sich bei der Mercatorprojektion ausschließlich um
rechtwinkelig sich schneidende Linien handelt,
HI. Bisherige Versuche der Auswertung der Weltkarte.
3. Der erste, der den Grad der Annäherung an die theoretischen Werte
der vergrößerten Breiten, welchen Mercator auf seiner großen Weltkarte erreicht
hat, festzustellen suchte, ist, soviel mir bekannt, Arthur Breusing in Bremen
gewesen, da er nach seiner eigenen Mitteilung schon 1866 den französischen
Forscher d’Avezac bat, ihm nach dem Pariser Original die Abstände der Breiten-
parallelen mitteilen zu wollen. Breusing hat das Ergebnis seiner auf diesen
Angaben beruhenden Untersuchungen allerdings erst 1892 veröffentlicht!®), ohne
inzwischen von Nordenskiölds gleich zu besprechender Hypothese bzw. von dessen
Facsimile-Atlas Kenntnis erhalten oder genommen zu haben. Es ist wohl kein
Zweifel, daß d’Avezac die erforderlichen Messungen auf der Jomardschen Kopie
vorgenommen hat. Es handelt sich um die acht Abstände der auf der Karte
12) Drei Karten Gerhard Mercators, Europa. Britische Inseln. Weltkarte, Faksimile-
Lichtdruck nach den Originalen der Stadtbibliothek zu Breslau. Hergestellt von der Reichsdruckerei,
herausgeg. v. d. Gesellschaft für Erdkunde. 41 Tafeln, Berlin 1891.
13) A, Breusing, Das Verebnen der Kugeloberfläche, Leipzig 1892, S. 34 bis 37.