Ann. d. Hydr. usw., XXXXHI. Jahrg. (1915), Heft IX.
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Kartometrische Analyse der Weltkarte G. Mercators vom Jahre 1569.
Von Prof. Dr. Hermann Wagner in Göttingen.
Inhalt: I. Die erhaltenen Originaldrucke und die beiden Reproduktionen der Welt-
karte. If, Bisherige Versuche der Auswertung. Breusing. Nordenskiöld. Mühler-Rein-
hard... Kritik dieser Versuche. Lücken derselben. III. Prüfung der Maßverhältnisse der
Pariser und Berliner Ausgabe, Gesamtdimensionen, Hauptfehler der Jomardschen, Kopie,
Einzelfehler, IV, Neuer Versuch einer Auswertung der Karte, Die Größe des Äquator-
grades, Systematischer Fehler des Originalentwurfs, Vergleich der gemessenen und berechneten
Werte, Das Gradnetz des Organum directorium. Die aus der Karte zu entnehmende Tafel der
Meridionalteile, V. Das graphische Verfahren Mercators. Die Hilfsfiguren der Sekanten-
hypothese. Die Rektifikation der Loxodrome von 45° als Hilfsfigur.
Im Verlauf der Studie über G. Mercator. und die ersten Loxodromen
auf Karten, welche jüngst in diesen Blättern!) erschienen ist, hat sich mir die
Notwendigkeit ergeben, die Frage, in welchem Grade die berühmte Weltkarte von
1569 tatsächlich dem genauen Entwurf einer winkeltreuen Zylinderprojektion ent-
spricht, einer eingehendern Prüfung‘ zu unterziehen, als ihr bisher zuteil
geworden. Denn von den beiden älteren Versuchen einer solchen hat der von
A, Breusing 1866 durchgeführte, übrigens besonders wertvolle, sich auf Maße
beschränken müssen, die ihm von anderer Seite mitgeteilt sind, während er selbst
die Karte in Originalgröße nicht zu Gesicht bekommen hat, A, E,. Nordenskiöld
konnte in seinem großen Facsimile-Atlas (1889) der Frage nur wenige Zeilen
widmen. Auch lag zu seiner Zeit nur die Pariser Kopie der Weltkarte vor,
von der sogleich die Rede sein wird. Seitdem ist letztere durch die Berliner
Lichtdruckausgabe in weiteren Kreisen bekannter geworden, Meines Wissens ist
sie jedoch in jüngerer Zeit nur einmal Gegenstand kartometrischer Behandlung
geworden, indem J. Müller-Reinhard sie. in engere Übereinstimmung mit
Nordenskiölds Hypothese über die Konstruktionsweise der Karte zu bringen suchte,
Aber alle drei Autoren beschränkten sich auf Prüfung der Breitenabstände von
10° zu 10° und übersahen die für die Frage besonders wichtige Breitenskala,
Wer also von neuem an diese herantritt, wird, um zu überzeugenden Schlüssen
zu gelangen, nicht nur beide Kopien in Betracht ziehen, sondern sie zuvor auf
ihren Wert prüfen, gleichzeitig aber zu den Ergebnissen sämtlicher Vorgänger
Stellung nehmen müssen, ;
I. Die erhaltenen Originaldrucke und die beiden Reproduktionen der
Weltkarte.
1. Die Originaldrucke, Man kennt zur Zeit vier Exemplare der be-
rühmten Weltkarte Mercators, welche sich durch die Jahrhunderte erhalten haben,
Die etwas zu kurzen Angaben H. Averdunks?) ergänzend, beschränke ich mich
an dieser Stelle auf literar-historische. Notizen über die Auffindung, den Zu-
stand und die Art der Aufbewahrung der Karten, um später im Zusammenhang
noch einmal auf ihre Maßverhältnisse zurückzukommen, (S$ 8.)
a) Am längsten ist der Originaldruck bekannt, welcher aus dem Nachlaß
des Orientalisten Julius Klaproth (gest. zu Paris 1835) in den Besitz des
Depöt des cartes der damaligen Bibliotheque royale, dem späteren Departement
des cartes et documents gEographiques der Nationalbibliothek (Cat. Kl. 147), über-
gegangen ist. Eine nähere Beschreibung des Zustandes und der Aufbewahrungs-
weise der Karte ist mir nicht bekannt, Eine solche findet sich auch nicht, wie
man vermuten könnte, in Jomards »Introduction aux Monuments de
g6öographie etc.«,%) die erst 1878, also lange nach seinem Tode, von E. Cor-
tambert herausgegeben ist, In jenem großen Werk hat Jomard bekanntlich eine
) Ann, d, Hydrogr. 1915, Heft VII, S. 299 und Heft VIII, S. 343.
2) G. Mercator und die Geographen unter seinen Nachkommen, Erg.-Heft zu Peterm,
Geogr. Mitt, Nr. 182, Gotha 1914, 65, . I ;
3, Bull. Soc. de geogr. de Paris. V. Ser. 1879 Tome XVII, 541 .ff., XVIIT, 61 ff,
Ann. d. Hydr. usw. 1915, Heft IX.