356 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1915.
der Düne liegen an der Innenseite auf 0.5 m — A. P.!) und nahe der Außenseite
auf 3m + A. P. und fallen auf Grund der Ergebnisse von Hunderten Bohrungen
und Ausgrabungen allmählich von der See über die Dünenbreite mit 3.5 m land-
wärts ab.
Unwahrscheinlich erscheint die Annahme, daß die See im Laufe der Dünen-
bildung die Muschelbänke stets höher aufgeworfen hat; im Gegenteil erscheint
die Senkung des Bodens bewiesen, die mindestens mit dem pliozänen Zeitalter
anfängt und bis heutigen Tages andauert, Daraus ist anzunehmen, daß das
Abfallen der Muschelbänke erst während des Anwuchses der Dünen bis zur gegen-
wärtigen Breite entstanden ist und daß deshalb sich die Basis an der Innenkante
bereits um 3.5 m gesenkt hat,
Das Alter der Dünen ist annähernd aus vorigem abzuleiten, wenn man
weiß, wie viel der Boden dieser Strecken sich jährlich gesenkt hat. Im geologischen
Sinne handelt es sich hier um eine sehr junge Bildung, da 20 m unter der Dünen-
basis die Oberkante des Diluviums liegt. Nach den umfassenden Untersuchungen
von J. C. Ramaer über die Versackungen einer Anzahl Pegel an und nahe der
Küste beträgt die Senkung des Bodens 20 cm in einem Jahrhundert.*)
In den Niederlanden hat sich jedoch auch die klimatische Periode von
Brückner geltend gemacht. Sowohl für den Englischen Kanal bei Havre, Cher-
bourg, Brest, wie für die Ostsee an der deutschen Küste ist erwiesen, daß sich
infolge der Klimaschwankungen der Salzgehalt und das spezifische Gewicht des
Seewassers periodisch vermehren und verringern, infolgedessen der Seespiegel
einige Zentimeter fallen und steigen kann. Aus den Ziffern von Ramaer ist ein
derartiger Einfluß auch für die niederländischen Seen und Ströme anzunehmen,
Vergleicht man die mittleren Wasserstände des Oberrheins, wo die Senkung des
Bodens im Vergleich zur Küste gleich Null zu betrachten ist, mit dem mittleren
Stand des Seewassers, so kann man den klimatologischen Faktor eliminieren und
die Senkung des Bodens an der niederländischen Küste zu 10 cm in einem Jahr-
hundert oder 1 mm in einem Jahre setzen.
Das Alter der Dünen ist dann: m = 3500 Jahre, das auch mit der
Dicke des Moores in dem Flachland hinter der Düne übereinstimmt, das nach
dem jährlichen bekannten Anwuchs ungefähr dasselbe Alter wie die Düne haben
muß. Auch fällt die mit dem Senkungsmodul gemessene Tiefenlage der Ober-
kante des Diluviums zusammen mit den auf ganz anderen Wegen erhaltenen
Ergebnissen bezüglich der Zeit, die seit dem Ende der Diluvialperiode ver-
flossen ist.
Vor 3000 bis 4000 Jahren gab es also noch keine Dünen. An Stelle des
gegenwärtigen Flachlandes und der Zuidersee erstreckte sich somit eine flache
Seebucht von der Nordsee bis zum Delta der Yssel, östlich bis Zwolle; eine See-
bucht, die bis zu den diluvialen Küsten durchlief, an dem östlichsten Punkt 100 km
und nur auf einigen Punkten (het Goivi, Nord-Brabant bei Bergen op Zoom)
40 km von den Stellen entfernt liegend, wo sich die ältesten Dünen bildeten,
Was nun die Entstehungsweise der Dünen anbetrifft, so ist auf die gebogene
Küstenlinie der Dünenkette zu verweisen, deren konkave Hälfte im Süden bis
eben Calais vorbei hier plötzlich endigt und in Kreidefelsen übergeht und in
nördlicher Richtung in Texel ihr Ende erreicht, um dann konvex über die
Inseln Vlieland, Terschelling und Ameland weiterzulaufen. Auf diesen Inseln
kommen diluviale Schichten vor, deren Zusammensetzung fester als in den süd-
lichen Strecken ist. Dieser feste Kern von Texel wie die Kreidefelsen von Calais
wirkten sicherlich, bevor die ersten Dünenketten entstanden waren, wie zwei
Dämme an dem Eingang der großen niederländischen Seebucht viele tausend
Jahre, bevor zwischen ihnen vor unserer Zeitrechnung der Bogen der ersten
Dünenkette gebildet wurde.
') Amsterdamer Pegel,
2) Vgl. »Ann. d. Hydrog. u. Met.«, Jahrgang 1913, S. 638ff.: »Die Senkung oder Hebung des
Bodens der Niederlande.«