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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

Wagner, H.: Gerhard Mercator und die ersten. Loxodromen auf Karten. 349 
des ersteren einen Winkel von je 1, 2, 3, 4 ... Strichen bildet. Für jeden 
Rumbus gehört also ein besonderes Instrument. Dies wird mit der inneren 
Kante des Hauptstreifens an einen Meridian eines Globus gelegt und nun der 
Schnittpunkt bestimmt, welchen der 
gleichfalls flach angedrückte Winkel- 
arm auf dem nächstbenachbarten Meri- 
dian markiert. Von hier aus rückt das 
Instrument: derart an den nächsten 
Meridian, daß der Scheitel des In- 
strumentalwinkels in: den eben ge- 
fundenen Schnittpunkt zu liegen kommt. 
Durch den Winkelarm wird dann der 
Schnittpunkt mit dem 3. Meridian. ge- 
funden, und so schreitet die Operätion 
fort. Die Abbildung nach Stevin wird 
dieSache ohne weiteres erläutern (Fig.2). 
Es ist klar, daß die Genauigkeit wächst, 
wenn man den Längenunterschied der 
Meridiane recht klein nimmt, anderseits 
ist keine Frage, daß das Verfahren ein 
an sich schwierig zu handhabendes ist 
und deshalb. auch von Stevin und 
seinen Zeitgenossen als ein rohes be- 
zeichnet wird, »Istum delineandi modum 
lubricum esse et minus constantem.« . 
Diesen standen ja bereits Rumbentafeln: »Tabulae obliqui cursus« zur Verfügung. 
Nach allem, was wir von Mercator wissen, muß er ein großes technisches Geschick ge- 
habt haben. Obiges Verfahren verbürgt eine etwas größere Sicherheit bei sehr 
großen Globen, Vielleicht hat er also auf einem großen Modell, das mit Meridianen 
und Breitenparallelen versehen war, mittelst solcher biegsamen Winkelhaken die 
Loxodromen eingezeichnet, um sie nach gehöriger Ausgleichung der Kurven 
dann erst auf die kleineren ebenen Globusstreifen zu übertragen. Denn mit 
jenem mechanischen Verfahren eine solche Genauigkeit auf einem Globus von 
nur rund 41 cm Durchmesser zu erzielen, wie wir sie hinsichtlich der Loxodromen 
oben nachwiesen, erscheint fast ausgeschlossen, Ich glaube daher annehmen zu 
müssen, daß Mercator die Loxodromen auf die Globusstreifen von einem Globus 
übertragen, nicht direkt auf dem ebenen Netz konstruiert hat, 
Wie dem nun auch sei — es wird sich das eingeschlagene Verfahren 
kaum noch sicher feststellen lassen —, Mercator scheint aber doch tat- 
sächlich der erste gewesen zu sein, der ein Kartenbild in so aus- 
gedehntem Maße mit krummlinigen "Loxodromen bedeckt hat, und 
zwar. schon im Jahre 1541. Und das muß ihm in hohem Grade zum 
Verdienst angerechnet werden, jedenfalls mehr, als es von seinen Biographen 
oder den Historikern der Kartographie bisher geschehen ist. Diese seine Leistung 
liegt 28 Jahre vor Vollendung seiner berühmten Weltkarte. . 
18. Versuch der Erklärung, wie Mercator zur Konstruktion der Karten- 
projektion mit vergrößerten Breiten gekommen ist, Diese frühe Bekanntschaft mit 
dem Wesen der Loxodrome scheint mir nun auch für die Weltkarte eine größere 
Bedeutung zu haben, als man bisher annahm. Wenn zwischen beiden Leistungen 
ein so großer Zeitraum liegt, so ist zu bedenken, daß Mercator inzwischen von 
anderen Arbeiten und Fragen in Anspruch genommen war. Rücksichtlich der 
mathematischen Geographie interessierte ihn nun die Herstellung von Instrumenten 
zur Ortsbestimmung u. s. w. und namentlich die Frage der magnetischen Miß- 
weisung, des magnetischen Pols und Ähnliches, . 
‚Erst später scheint er .zum Problem der Seekarte zurückgekehrt zu sein, 
Nun hat man in jüngerer Zeit wieder mehrfach die Frage untersucht, auf welchem 
Wege Mercator zu seiner Entdeckung der winkeltreuen Zylinderprojektion oder
	        
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