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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

348 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1915. 
Irrtum festhalte, Diese Bemerkung bezieht sich ohne Zweifel auf den Appendix, 
den Frisius zuerst 1545 der von ihm seit 1529 herausgegebenen Cosmographia 
Petri Apiani zu Cap. XV anfügte,?®) Es ist dies gleichfalls eine der frühesten 
Stellen damaliger Kosmographien, wo von jenen gekrümmten Rumben gesprochen 
wird.2%) »Aliis autem omnibus direetis licet secundum Magnetis ductum nayvi- 
yationibus; curva fiunt itinera, quae circulis maximis non sunt similes; neque 
parallelis, sed neque circuli sunt, verum lineae curvae tantum, omnes tandem 
in polorum alterum concurrentes.« Wenn diese Anschauung im Jahre 1545 
kaum verwunderlich ist, so schon mehr, daß sie sich gleichlautend in allen 
späteren Ausgaben der Apianischen Cosmographie findet. Noch 1609 heißt es 
in der betreffenden Stelle einer holländischen Ausgabe derselben von diesen 
Schiffahrtswegen, sie seien »cromme linien in eenen von den Polen der werelt 
te samen loopende.« 
Bei den nahen Beziehungen, die Mercator zu seinem Lehrer Gemma Frisius 
hatte, ist denkbar, daß ersterer zur Zeit der Zeichnung seiner Globusstreifen 
in demselben Irrtum eines Zusammentreffens der Loxodromen im Pol befangen 
war. Die Streifen selbst geben, da sie nur bis 70° Br, reichen, darüber keine 
Auskunft. Die Kugelkappen enthalten keine Loxodromen, 
III. Mercators Verfahren bei Konstruktion der Loxodromen. 
17. Verlassen wir nun Nunes, um zu Mercators Globus von 1541 und 
seinen Loxodromen zurückzukehren, Wie sind sie entstanden? Er selbst hat 
uns darüber ebensowenig berichtet, wie über den Weg, der ihn zur Erfindung 
der nach ihm benannten Projektion geführt hat, In der handschriftlich erhaltenen 
‚Declaratio insignium utilitatum, quae sunt in globo terrestri, coelesti et annulo 
astronomico,« die uns erst 1868 durch J. v. Raemdonck?7) bekannt geworden 
ist — er setzt sie wohl mit Recht in das Jahr 1552 -—, beschäftigt sich Mercator 
ausschließlich mit Fragen der magnetischen Deklination und astronomischen 
Ortsbestimmung, nicht mit nautischen Fragen. Ich bin auch bisher keinem 
Versuch älterer Autoren, welche von den Loxodromen auf dem Globus sprechen, 
begegnet, dem von Mercator dabei angewandten Verfahren näher zu kommen. 
Daß Mercator vor 1541 bereits eine Berechnung der Koordinaten für die 
Durchschnittspunkte der Loxodromen mit Meridianen und Parallelkreisen, also 
die Aufstellung einer Rumbtafel versucht haben sollte, erscheint ausgeschlossen, 
Wie erwähnt, ist dies wohl sicher zuerst von Edward Wright 1599 geschehen 
und als solcher wird er auch stets genannt. Eingehend hat sich mit dieser 
Frage und der weiteren Entwicklung der Rumbentafeln Eugen Geleich 1885 
in seinen »Vermischten Studien zur Geschichte der mathematischen Geographie« 
beschäftigt.®) Wir verfolgen daher die Sache nicht weiter, 
Es bleibt also nur die Annahme übrig, daß Mercator seine Loxodromen 
auf mechanischem Wege ausgeführt hat. Einen Vorschlag hat schon Nunes 
1566 im Kap. 26 »Propositum globum rumbis delineare« gemacht, Ein ähnlicher 
ist von Simon Stevin 1605°%) eingehender beschrieben, Da S. Günther des 
letzteren Verfahren in seiner Geschichte der loxodromischen Kurve (1879, 5. 347) 
erörtert hat, beschränke ich mich auf eine kurze Bemerkung. 
Es handelt sich um Auflegung eines aus biegsamen Metallstreifen her- 
gestellten Winkelhakens. Ein schmaler geradliniger Streifen trägt an der einen 
Seite in der Mitte einen gleichen streifenförmigen Ansatz, welcher mit der Kante 
23) »De neotericum hydrographorum ventis et de navigandi artificio etc.« 
2%) Cosmographia Petri Apiani per Gemmam Frisium jam demum ab omnibus vindicata 
mendis etc. 1545, Antverpiae, Gregorio Bontio fo. 23 verso. 
%) Opuscule in6dit de Gerard Mercator, St. Nicolas 1868. . 
%) Kettlers Zeitschr. f. wiss. Geographie, V. Wien 1885. S. 300 ff. . 
’) Hypomnemata mathematica. Lugd Bat. "Tom, II Geographia. Lib. IV Prop. 3. Obliquos 
zursus mechanice describere, p. 93. — Les oeuvres math&mat. de S. Stevin augment6es par Alb. Girard. 
Leyde 1634. II. Libre IV. p. 147.
	        
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