Wagner, H::. Gerhard Mercator und die ersten Loxodromen auf Karten, 345
Für unsere Prioritätsfrage ist wichtig, zu betonen, daß sich in den Tratados
von 1537 noch nichts von einem Versuche findet, eine Rumbtafel zu berechnen
oder eine Anweisung zur Zeichnung der Rumben auf Globen zu geben. Die
oben skizzierten Kapitel 21 bis 27 des VI, Buches von P. Nonii Salaciensis de
regulis et instrumentis etc. fehlen gänzlich. In diesem Punkte konnte also der
Tratado dem G. Mercator, als er seine Loxodromen 1541 zeichnete, keine Hilfe
oder Anleitung gewähren.
15. Erster Versuch eines Loxodromenentwurfs. 1537, Aber was noch viel
mehr für die selbständige Beherrschung der Sache bei Mercator spricht, das zeigt
uns der im Jahre 1537 noch mißglückte Versuch von Nunes, Loxodromen
zu zeichnen. - Es findet sich nämlich auf einer der ersten Seiten des Tratado
em defensam da carta de marear eine schöne, durch den symmetrischen Verlauf
der gekrümmten Linien ästhetisch wirkende Figur, die sich bei näherer Einsicht
in die erklärende Unterschrift als eine Projektion von Loxodromen auf eine
Polarkarte oder, wenn man lieber will, auf die Ebene des ÄAquators erweist,
Man sieht, es gelangen außer acht geradlinigen Nordsüd-Rumben (Meridianen)
noch vier Doppelpaare von Loxodromen, je von 45° und 671/,° Azimut zur Dar-
stellung, je von vier Hauptpunkten des ÄAquators auslaufend. .
Auf den ersten Blick erkennt man, daß Nunes damals (1537) noch der
irrigen Ansicht huldigte, die Loxodromen liefen im Pol zusammen,
wie dies auch aus dem zugehörigen Text hervorgeht. (Siehe u, S. 347.) In der
Figur werden allerdings nur die acht 45°-Loxodromen bis. zum Pol geführt, in
welchem sie nach Durchlaufen von 270 Längengraden eintreffen, Die sogenannten
sechsten Loxodromen vom Azimut von 671/,° werden auch nur durch 270 Längen-
grade hindurchgeführt und stoßen dort auf die ihnen entgegenkommenden. Sie
sind wohl nur deshalb nicht weitergeführt, damit das Mittelstück nicht durch
eine verwirrende Fülle von gekrümmten Linien entstellt würde, .
Aber eine nähere Prüfung zeigt, daß die Zeichnung der acht doppelt-
gekrümmten Loxodromen schon in mittleren und niederen Breiten an großen
Fehlern leidet. Um dies nachzuweisen, muß man die Figur mit einem Gradnetz,
zum mindesten mit Breitenkreisen, versehen. Dabei kann wohl ausschließlich
von einer ihr unterzulegenden äquidistanten Polarprojektion die Rede sein,
Denn bei einer stereographischen würden die Fehler noch viel größer sein,
und an eine orthographische mit ihrem nach außen so gewaltig abnehmenden
Abstand der Parallelkreise ist gar nicht zu denken.
Es ergeben sich auch bei der äquidistanten Polarprojektion starke Fehler,
die man durch Auflegen einer Pause mit ausgezogenen Breitenkreisen leicht
nachprüfen kann. Um dies dem Leser zu erleichtern, habe ich in der Figur
nur den mittelsten Meridian in gleiche Abschnitte geteilt, da ein Ausziehen der
10°-Breitenkreise die Figur unübersichtlich machen würde. Diese Markierung
findet sich also nicht auf dem Original. Es liegen die Schnittpunkte der Loxo-
dromen mit dem 45., 90., 180. Meridian in folgenden Breiten:
Toxadromia sexta (671/,°) .} Loxodromia 4 uarta (45°)
Theorie :Nunes (1537)| : Fehler 1 Theorie - | Nunes (1537)| Fehler.
45° | 18149 Br. | 17149 Br. | — 1° 419° Br. / 40° Br. | — 1°
90° 35° « 250 « — 10° 661° « | 57° « — 9°
180° ‘591° « | 520 « — 71,9 | 850° « | 75° « — 10°
Bei Zugrundelegung einer stereographischen Polarprojektion erhöhen sich
die Fehler, wie folgt:
Länge -
459
906
1RO©
T 5xodromia sexta (671/29) Te
Theorie |! Nunes (1537) | Fehler
a Loxodromia quarta (45°)
Theorie | Nunes (1537) | . Fehler
|
181° Br. | 12° Br. | — 6140 | 41° Br.
859° « 179 © | —18° 661,9 «
5919 « 489 x | —1114° [| 85 0.«
320 Br. | — 90
47° «| — 190
00 150?