Brennecke, W.: Ozeanographische Arbeiten S. M.S. »Möwe« im westl. Indischen Ozean 1913. 343
Es ist zu beachten, daß die Reihen zu verschiedenen Jahreszeiten gewonnen
worden sind, daß also demgemäß Unterschiede in den Oberflächenschichten auf-
treten werden, die sich bis etwa 200 m Tiefe geltend machen dürften. Hierauf
deuten wenigstens die Differenzen der Temperatur und der Dichte bei den beiden
Stationen hin. Unterhalb 200 m sind die Dichte-Differenzen zwischen »Planet«
und »Möwe« so gering (sie liegen innerhalb des Beobachtungsfehlers), daß man
sie gleich Null setzen kann, während bei der Temperatur sich der Sinn der Ab-
weichung unterhalb 200 m Tiefe ändert. Die Oberflächenschicht einerseits und
die 100 m- sowie 200 m-Schicht andererseits zeigen aber entgegengesetztes Ver-
halten bei den beiden Stationen: Die Oberfläche bei »Möwe« ist wärmer, Salz-
ärmer und leichter (wie der Jahreszeit nach zu erwarten), die darunter liegende
Schicht kälter, salzreicher und schwerer als die betreffende Schicht bei »Planet«,
Es hat also eine Hebung der Tiefenschichten stattgefunden, die vielleicht darauf
zurückzuführen ist, daß im Januar 1913 die Oberflächenströmung, durch den Wind
begünstigt, kräftiger entwickelt war als im Mai 1906. ;
Die Schichten von 400 bis 1000 m sind nach den »Möwe«-Beobachtungen
wärmer und salzreicher als nach den »Planet«-Beobachtungen. Da die Dichte-
Werte bei beiden Stationen übereinstimmen, so dürften Zweifel an der Exaktheit
der Beobachtungen nicht vorliegen. Die Beobachtungen bestätigen ähnliche
Vergleichs-Messungen verschiedener Expeditionen, die auch eine ziemlich be-
trächtliche Veränderlichkeit der Temperatur bis 1000 m-Tiefe ergeben hatten,
bemerkenswert ist bei dem Vergleich »Möwe«—»Planet« die Unveränderlichkeit
der Dichte unterhalb 200 m und die gute Übereinstimmung von Temperatur und
Salzgehalt in 2000 m Tiefe, Erwünscht ist für zukünftige Messungen die gleich-
zeitige Ablesung eines ungeschützten Kippthermometers, um eine Kontrolle der
wirklich erreichten Tiefe zu besitzen. Dr. W. Brennecke,
Gerhard Mercator und die ersten Loxodromen auf Karten.
Von Prof. Dr. Hermann Wagner- Göttingen,
(Hierzu Tafel 17.) [Schluß.]
14. Die Originalpublikation von Nunes vom Jahre 1537. Unter den obwaltenden
Umständen gipfelt unsere Untersuchung in der Frage, wie es mit der noch
älteren. Schrift .des Nunes über den Unterschied der Rumblinien auf der Kugel
und der größten Kugelkreise steht. .Er selbst hat, wie wir sahen, 1566 auf eine
solche, dreißig Jahre zuvor in lusitanischer Sprache geschriebene Abhandlung hin-
gewiesen (s. o. $ 12). Indessen die Tatsache, daß eine Originalschrift zweier
Traktate in portugiesischer Sprache aus dem Jahre 1537 existiere, war in der
Literatur ‚seit langem bekannt, In zahlreichen literarhistorischen Werken zur Ge-
schichte der mathematischen Geographie, Mathematik und Nautik begegnet man
der Anführung der »Duos Tratados da Carta de marear«, welche dem
Werke Tratado da sphera, Lisboa 1537, mit andern Abhandlungen ein-
verleibt sei. Es war dies jedenfalls die einzige Schrift von Nunes, die Mercator
möglicherweise vor dem Entwurf seiner Globusstreifen von 1541 hätte einsehen
können, um: durch sie mit dem Wesen der Loxodrome. bekannt zu werden. An
sich undenkbar war dies bei den nahen Beziehungen nicht, welche im Zeitalter
Karls V. zwischen Spanien und den spanischen Niederlanden, vielleicht auch
zwischen den Universitäten Coimbra und Löwen bestanden. Man erinnere sich,
daß der Globus noch in Löwen entstanden ist, welche Stadt Mercator erst
1552 verließ.
Jedenfalls: war es mir von größtem Wert, jener Ausgabe von 1537 habhaft
zu werden, die schon Garcäo-Stockler 1819 (a. a. O. S. 20) als »obras hoje rarissima«
bezeichnete. Aber wo eine solche auftreiben? Da ward ich durch eine Notiz
des Portugiesen D’Araujo d’Azevedo in von Zachs Monatlicher Corre-
spondenz für Förderung der Erd- und Himmelskunde III, Gotha, 1801, 203 auf
eine kleine Schrift von H. D. Wilckens: Ȇber eine portugiesische Handschrift