Ann. d. Hydr. usw., XXXXHI. Jahrg. (1915), Heft VIII.
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Ozeanographische Arbeiten
S. M. S. „Möwe“ im westlichen Indischen Ozean 1913.
Unter dem Kommando von K-Kapt, Jacobs,
(Hierzu Tafeln 15 und 16.}
Nachdem S. M. S. »Möwe« seine Vermessungsarbeiten an der südwestafrika-
nischen Küste 1912 erledigt hatte, ging das Schiff Anfang Januar 1913. über
Durban, Beira und Lindi nach Daressalam, um an der ostafrikanischen Küste zu
vermessen. Auf der Fahrt zwischen Kapstadt und Lindi hat »Möwe« eine
Reihe wertvoller Tiefseearbeiten ausgeführt und damit die ozeanographischen
Forschungen, die während der Ausreise im Jahre 1911 im Atlantischen Ozean
gemacht worden sind, auf den Indischen Ozean ausgedehnt und hier die ozeano-
graphischen Arbeiten S. M. S. »Planet« vom Jahre 1906 wesentlich erweitert. Die
Arbeiten der »Möwe« im Atlantischen Ozean sind vor kurzem im Bd, XXXVII
des Archivs der Deutschen Seewarte 1914, bearbeitet von Schott und Schulz,
erschienen; die nachstehend veröffentlichten Ergebnisse sind die letzten Früchte
der Arbeit S. M. S. »Möwe«, die 1914 von England vernichtet wurde, Gileich-
zeitig ist hiermit ein vorläufiger Abschluß in den Veröffentlichungen der Arbeiten
deutscher Vermessungsschiffe erreicht, in dem alles von diesen Schiffen auf der
Deutschen Seewarte eingegangene wissenschaftliche Material. bearbeitet vorliegt.
A. Die Ergebnisse der Tiefseelotungen (hierzu Tabelle I und Tafel 15).
Auf der Fahrt von Kapstadt nach Durban führte »Möwe« eine Anzahl von
Lotungen östlich der Agulhas-Bank aus, die zunächst einen steilen Abfall von
2232 m (Stat. 61) auf 4223 m (Stat. 62) ergaben; die Entfernung der‘ beiden
Stationen beträgt etwa 20 Sm. Die beiden folgenden Lotungen hatten gleichfalls
über 4000 m Tiefe, dann wurden 2562 m und auf gleichem Kurs fortlaufend wieder
4175 m gelotet. Die Lotungen hatten also eine unterseeische Bank aufgedeckt,
die steile Böschungen besitzt und aus Fels besteht, da die Schlammröhre unten
stark bestoßen war; auch Lotung 69 mit 3920 m am Nordrand der Bank ergab
ebenfalls harten Grund.. Tiefen von 2000 bis 3000 m, die nicht von Tiefsee-
Schlamm oder Ton bedeckt sind, finden wir häufig im Ozean dort, wo sie ‚aus
größeren Tiefen aufragen. Es gibt verschiedene Erklärungsmöglichkeiten dafür,
daß. hier keine Ablagerung von Sedimenten stattgefunden hat. Einerseits ist es
möglich, daß die steilen Hänge der Bank eine Ablagerung nicht zulassen, anderer-
seits können die feinen’ Niederschläge durch die bewegenden Kräfte der Tiefen-
strömungen an der Ablagerung auf der Bank verhindert werden. Schließlich ist
noch in Betracht zu ziehen, daß das Alter der betreffenden Erhebung so gering
sein kann, daß eine nennenswerte Sedimentierung noch nicht stattgefunden hat,
Welche Erklärung für das Antreffen felsigen Grundes ohne Sedimentbedeckung
maßgebend ist, läßt sich heute noch nicht bestimmen, möglicherweise sind auch
mehrere Ursachen zusammenwirkend,
Die Zeichnung der Tiefenlinien östlich der Agulhas-Bank schließt sich an
die Darstellung an, wie sie auf Tafel 7 in »Forschungsreise S, M. S. »Planet«
Bd. III« gegeben wurde. Der die Crozet-Schwelle mit der Agulhas-Bank ver-
bindende Rücken von weniger als 4000 m Tiefe wurde beibehalten und die jetzt
von »Möwe« gefundene Bank als Erhebung auf diesem Rücken aufgefaßt, indessen
das Tiefenbecken nördlich des Rückens bis dicht an die Abböschung Afrikas
herantritt. Diese Auffassung der Bank..als südöstliche Auslappung der Agulhas:
Bank wird unterstützt durch das Vorhandensein ähnlicher Bildungen, wie die vom
»Planet« gefundene Bank südöstlich von Durban (1372 m Tiefe) und der Mada-
gaskar-Rücken südlich von Madagaskar, Hingewiesen sei auch noch darauf, daß in
früheren Jahren am OÖstrande der Bank von zwei Schiffen Untiefen gemeldet
Ann. d. Hvdr. usw. 1915. Heft VIII.