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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

Thraen, A.: Ist die deutsche Seeküste ein einheitliches Niederschlagsgebiet? 95 
Untersuchungen!) wegen ihrer niedrigen Seehöhe einen Wolkenanstieg und die 
dadurch bedingte Feuchtigkeitskondensation nur in ganz geringem Grade ver- 
ursachen. 
Die jährliche Periode des Niederschlags zeigt (Tabelle 1, B) nach unseren 
35jährigen Normalmitteln einen gemäßigten Sommertypus mit dem monatlichen 
Maximum. im Juli, wobei der August nicht wesentlich hinter dem Juli zurück- 
steht. Hierdurch wird daran erinnert, daß unsere Stationen in der Nähe von 
Regengebieten liegen, die ihr Maximum im August‘ haben, ; 
Daneben macht sich ein zweites relatives Maximum bemerkbar im Oktober, 
eine Erscheinung, die wir in Deutschland weitverbreitet finden, speziell im Süd- 
westen, wo durch dieses sekundäre Maximum der allmähliche Übergang geschaffen 
wird zu dem primären Oktobermaximum im Südosten Frankreichs”). 
Das monatliche Minimum kommt weniger scharf zur Geltung und fällt 
nach unseren Normalmitteln an der Nordsee in den April, an der Ostsee in den 
Februar. Es hat daher den Anschein, als ob die von Hellmann®%) angenommene 
Grenze zwischen den Gebieten an der deutschen Küste mit Februar- oder 
Aprilminimum nach der jeweilig gewählten Beobachtungsperiode verschieden ist, 
(Nach Hellmann treten die Minima für Swinemünde und Neufahrwasser im 
April ein.) 
Als weitere relative Minima heben sich bei graphischer Auswertung 
unserer 35jährigen Niederschlags-Koeffizienten die Monate September und No- 
vember heraus. 
Die Kurven der monatlichen Minima (Tabelle 2) folgen im großen und 
ganzen dem Verlauf der jährlichen Periode, haben aber (mit der Ausnahme von 
Swinemünde) ihr Maximum im August und weisen uns dadurch erneut auf die 
schon erwähnte Erscheinung hin, daß an der See eine Neigung zum Spätsommer- 
regen besteht. 
Tabelle 2, 
Die kleinsten Niederschlazs-Koeffizienten in der Zeit von 1876 bis 1910. 
Wilhelmshaven ... 
Hamburg ...... 
Swinemünde ,.... 
Neufahrwasser . 2... 
Jan. 
0.13 
‘.11 
7.40 
7.27 
Febr. 
0.09 
1,22 
0.10 
0.15 
März 
0.32 
0.34 
0.47 
0.17 
April 
*0.05 
*0.08 
0.15 
0.32 
Mai ! Juni 
1.28 
223 
0.15 
0.15 
auf 
3,3% 
0.27 
0.10 
Juli ! Aug, 
J.52 
En 
0.52 
(L5R 
0.71 
0.85 
0.38 
0.71 
Sept. 
0.34 
0,31 
0.38 
0.32 
Okt. | Nov. | Dez. 
0.07 
0.20 
0.14 
*0.07 
0.26 0.05 
0.11 0.12 
*0.08 0.23 
0.19. 0.22 
Die Kurven der monatlichen Maxima verlaufen ebenfalls ähnlich wie 
die jährliche Periode; nur bei Neufahrwasser zeigt diese Kurve wenig Analogien 
zur Jahreskurve, was wiederum mit dem schon mehr kontinentalen Charakter 
dieser Station ganz im Einklang steht, 
Tabelle 3. 
Die größten Niederschlags-Koeffizienten in der Zeit von 1876 bis 1910, 
Wilhelmshaven ... 
Hamburg :..... 
Swinemünde ..... 
Neufahrwasser. ... 
Jan, | Febr. | 
März! Avril! Mai 
2.95 
5.24 
2,26 
‘1.65 
3.31 
4.08 
2.42 
D 99 
3 
X 
® 
„BR 
dA 
50 
4,86 
3.46 
4.46 
3.00 
2 62 
| Juni 
3 7m 
4. 
+ 
Juli 
‚ Aug. | Sept. | Okt. | Nor. | Dez. 
2104 
‘ec 
qr 
5.13 
“91 
04 
3.88 
9° 
JA 
+49 
4.04 
ME 
31 
4.99 
3.77 
3.06 
3.29 
3.35 
£ 88 
3.44 
4,80 
3,97 
245 
7 
1) »Über die relative Regenarmut der deutschen Flachküsten«. (Sitzungsberichte d, Kgl. preuß, 
Akad. d. Wiss., 1904, LIV). 
2) v. Hann, »Handbuch der Klimatologie«. Stuttgart 1911. III. Bd., S. 127, 
3) »Die Niederschläge in den norddeutschen Stromgebieten«. Berlin 1906. Bd.T, S. 84,
	        
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