Reinicke, G.: Das Barozyklonometer,
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Luftdrucks in der betreffenden Gegend in Betracht. Mann kann diese zwar in
den meisten Fällen vernachlässigen, aber sie kann, wie Pater Algu&g an einem
Beispiele zeigt, doch auch so hohe Werte erreichen, daß sich durch ihre Ver-
nachlässigung ein ganz falscher Wert von D,, von der relativen Entfernung des
Wirbels bei der zweiten Beobachtung, und damit (namentlich wenn der Wind
seine Richtung nur wenige Striche geändert hat) eine ganz falsche Fortpflanzungs-
richtung. des Taifuns ergibt, Durch Beigabe von Korrektionstafeln macht Pater
Algug das Berücksichtigen der täglichen Schwankungen des Luftdrucks aller-
dings leicht; ob man durch ihre Anwendung aber tatsächlich größere Genauigkeit
der Einstellung der -kleinen Nadel‘ des Zyklonometers erreicht, erscheint fraglich.
Denn im Felde A, weit vom Taifun, ist die Bestimmung der Fortpflanzungs-
richtung eines Taifuns, wie oben ausgeführt wird, aus anderen Gründen ungenau
und nahe am Wirbel, im Felde B’oder C, kann man bei den heftigen Bewegungen
des Schiffes und bei der Unruhe des Barometers erfahrungsmäßig den Luftdruck
nicht genauer als auf etwa 2 mm bestimmen; unter solchen Umständen hat es
dann aber keinen Sinn mit Bruchteilen von Millimetern zu rechnen. Unheil
würde damit zwar nur angerichtet, wenn über der Ausführung der Rechnung
ein wichtiger Augenblick an Deck verpaßt würde, aber ganz irrig würde es sein
anzunehmen, man. habe ein sicheres Ergebnis, weil man genau gerechnet hat.
Man kann sich daher ganz den längeren Ausführungen des Paters Frox
anschließen, die P. Algue seinem Werke: einverleibt hat und die F, Staben in
seiner Arbeit Ȇber- die Genauigkeit der Bahnbestimmung von Taifunen mit Hilfe
des Barozyklonometers« (vgl. Ann. d. Hydr. usw. 1913, S. 568) in die beiden
Sätze zusammenfaßt: + ;
»Das Barozyklonometer kann in der Hand eines erfahrenen und prak-
tischen -Beobachters zur Feststellung und Bestimmung der Bahn eines Taifuns
wertyolle Dienste leisten, wenn seine Angaben nach Ort, Zeit und sonstigen
Umständen mit der notwendigen kritischen Zurückhaltung betrachtet werden«.,
»Die Windscheibe bietet die Möglichkeit, sich rasch und ohne zeichnerische Arbeit
über die ungefähre Lage des Sturmzentrums zu orientieren, darüber hinaus kann
das Instrument aber niemals die Erfahrungen ersetzen, die sich nur in lang-
jähriger Praxis im Navigieren in Taifungebieten erwerben lassen.«
Diesem Urteil über die praktische Verwendbarkeit des Instrumentes mag
hinzugefügt werden, daß es ein vorzügliches Lehrmittel ist. Als solches an-
gesehen, :kann sein Wert ‘nicht leicht zu hoch angeschlagen werden, Wer sich
mit dem Zyklonometer beschäftigt — aber nicht erst, wenn ein Orkan im Anzuge
ist. —, dem .werden die Beziehungen der Windrichtung zur Peilung des Wirbels,
der Windrichtungsänderungen. zur Fortbewegung des Wirbels usw. klar vor Augen
geführt. In diesem Sinne betrachtet, würde auch die Anpassung des Zyklono-
meters für Orkane auf S-Breite, eine Frage, die bereits aufgetaucht ist, nur zu
empfehlen sein. i
Das zum Barozyklonometer gehörige Barometer und dessen drehbarer Rand
könnte natürlich so, wie es ist, auch auf S-Br, verwendet werden. Vergleicht man
nämlich die Luftdruckangaben an der äußeren Grenze eines Orkanes auf N-Br.,
die Pater Algu& macht, mit den Isobarenkärtchen, so wird man finden, daß
Pater Algue€ für die Tropen einen Luftdruck, der etwa 2 mm niedriger ist als
der mittlere, für den kritischen hält. Seinen Arbeiten, Studien und Erfahrungen
dürfen wir darin folgen, wie jedem einleuchten wird, der die Regelmäßigkeit der
Bäarometerstände in den Tropen kennt; wir dürfen dann aber auch einen Schritt
weitergehen und sagen, auch in tropischen Gebieten auf S-Br. ist ein Luft-
druck von 2 mm unter dem mittleren kritisch, Man braucht dann auf
S-Br. den Isobarenkarten nur den mittleren Luftdruck für die betreffende Gegend
und Zeit zu entnehmen und den roten Pfeil am Rande des Aneroidbarometers
2 mm niedriger (weiter nach links) zu stellen. Die sonstige Einteilung in Felder
auf dem Rande des Algu6schen Aneroidbarometers betreffs der Entfernung vom
Mittelpunkt eines Orkans ist in so weiten Grenzen und so allgemein gehalten,
daß sie ohne weiteres auch’ auf S-Br. als Anhalt dienen könnte.