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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

310 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1915. 
schriebenen Schrift bezeichnet, also dabei auf eine Ausgabe von 1546 nicht Bezug 
nimmt. Von dieser Baseler Ausgabe der Opera ist, wie ferner feststeht, 1592 
gleichfalls in Basel »per Sebastianum Henricpetri« ein um die Schriften »De 
erratis Orontii Finaei« und »De crepusculis« erweiterter Neudruck erschienen, 
Guimaräes bezeichnet ihn (a. a. O. S. 225) als einen Abdruck der Ausgabe, 
Coimbra 1573. Die Kapitelüberschriften und Propositionen stimmen in der Tat 
völlig mit denjenigen in dieser Ausgabe von 1573 überein. Es muß aber fest- 
gestellt werden — ich habe selbst nur die Ausgabe von 1592 in Händen gehabt —, 
daß diese Ausgabe in den Seiten 1 bis 307 völlig gleichlautend und selbst mit 
denselben Lettern gedruckt ist, wie die Baseler Ausgabe von 1566*?). Das ist 
insofern wichtig, als man hiernach die drei Ausgaben von 1566, 1573 und 1592 
für unsere Frage als identisch benutzen kann. 
Gehen wir nach dieser literarhistorischen Abschweifung auf den Inhalt der 
Hauptschrift ein, so erfahren wir, was von anderen Seiten, wie besonders von 
Günther, schon öfter hervorgehoben ist, als eigentlichen Anlaß zur Abfassung 
der Schrift De arte navigandi die Zweifel, welche der portugiesische Seefahrer 
Martinus Alphonsus de Sosa (Martim Affonso de Souza) nach seiner Rückkehr 
von einer nach Brasilien 1530 bis 1533 ausgeführten Seereise dem Nunes vor- 
legte, Es sei ihm, indem er stets einen bestimmten Kurs eingehalten habe, doch 
nicht gelungen, diejenige Breite auf der gegenüberliegenden Küste zu erreichen, 
die er erstrebt habe. Nunes setzt daraufhin weitläufig den grundsätzlichen 
Unterschied zwischen einem Kurs im größten Kreise und dem unter Beibehaltung 
des gleichen Kurswinkels auseinander. Auch das zweite Buch (d. h. eine zweite 
Abhandlung) scheint er geschrieben zu haben, weil er im ersten bei seinen Lands- 
leuten noch nicht genügend verstanden sei, Das Wesen der Loxodrome wird von 
neuem noch ausführlicher dargelegt, dann aber auf die Ortsbestimmung nach 
den Seekarten (Breitenbestimmung durch Sonnenhöhen) u. s. w. eingegangen, Dinge, 
die uns hier nicht interessieren. Anders ist es mit den Kapiteln 21 bis 27, Erst 
im Kapitel 21 wird die Frage der Loxodrome wieder aufgenommen. »De iis quae 
praemitti debent ad ducendum eas lineas in globo quas nautae rumbos appellant.« 
Im Kapitel 23: »Tabulam quandam numerorum edere, cujus adminiculo in dato 
globo rumbos quoslibet desceribamus« kommen wir auf den Kernpunkt, nämlich 
das von Nonius angegebene Verfahren, eine »Tabula rumborum« zu berechnen, 
Schon 1879 hat S. Günther in seiner Studie zur Geschichte der loxodromischen 
Kurve (s. o. $1) diese und besonders das folgende Kapitel 24 »de habi- 
tudine rumborum tum ad :polos mundi, tum ad se invicem« kurz erörtert. In 
demselben wird der Nachweis geführt, daß die Rumblinie den Pol nie erreichen 
kann (»Quare quanto magis ipse rumbus producetus fuerit, tanto magis eidem polo 
appropinquabit, at intrare nunquam poterit«), Aber die Hauptsache, das vor- 
geschlagene Verfahren der Berechnung selbst, wird von Günther nicht mit- 
geteilt. Zuletzt kommt noch Kapitel 25: »Quam habitudinem inter se habent 
unius atque ejusdem rumbi segmenta«, und Kapitel 26: »Propositum globum 
rumbis delineare« in Betracht. 
13. Nunes’ Anweisungen zur Berechnung von Rumbtafeln und Zeichnung von 
Loxodromen auf Globen. Schon aus den Kapitelüberschriften geht hervor, daß es 
sich um eingehende Behandlung der Rumben handelt. Nunes betrachtet die 
Loxodrome als zusammengesetzt aus Stücken größter Kreise der Kugel, die jedoch 
so klein angenommen werden müssen, daß die Winkel, die ein Meridian mit zwei 
benachbarten Bogenstücken bildet, als gleich angesehen werden können 
(Kap. 23). Sind A, B, C die Schnittpunkte der benachbarten Meridiane mit der 
Loxodrome, P der nächste Pol der Erde, so bilden APB, BPC, CPD... schmale 
sphärische Dreiecke. Mittels des Sinussatzes will dann Nunes die schrittweise 
abnehmenden Polabstände PA, PB, PC ... der Punkte A, B, C ... berechnen, 
Daß Nunes hierbei den Fehler begeht, die Abnahme der Meridianbogen, also die 
Sinus derselben, proportional der Abnahme der Winkel anzunehmen, hat Simon 
2) Nach gütiger Mitteilung der Direktion der K, Bayr. Hof- und Staatsbibliothek.
	        
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