308 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1915.
Worten des Herausgebers der englischen Übersetzung des Tractatus de Globis
von Rob. Hues, Clements R. Markham“®°), schließen. Er sagt in der Einleitung?!) :
»The terrestrial globe of Mercator has rhumb lines, which had hitherto only
been shown on plane charts.« Mir ist jedoch zurzeit nicht eine einzige
Seekarte mit wirklichen (gekrümmten) Loxodromen aus der Zeit vor 1541, ja
aus dem ganzen 16. Jahrhundert bekannt. Es ist übrigens möglich, daß Markham
bei seiner Bemerkung die geradlinigen Strahlen der Kompaßscheiben, mit denen
alle Seekarten damaliger Zeit bedeckt waren, im Auge hatte. Diese aber konnten
Mercator selbstverständlich nichts nützen für die Einzeichnung der gekrümmten
Loxodromen.
Gab es, fragen wir weiter, vor 1541 bereits Tafeln der Koordinaten-
werte für die Rumblinien? Es ist klar, daß es nach solchen leicht gewesen
wäre und ist, auf den ebenen Kugelstreifen die Durchschnittspunkte der Loxo-
dromen — zum mindesten der vom Äquator ausgehenden — zu markieren und
durch ihre Verbindung die Linien selbst zu ziehen. Der Gedanke liegt nahe,
daß dies der Punkt ist, wo die Tat Mercators sich auf die Errungenschaft von
Petrus Nonius stützt. Dies führt uns zum zweiten Abschnitt unserer Untersuchung,
Il. Pedro Nunes und die Loxodromen.
11. Die neueren Forschungen über Nunes. Die Mehrzahl der Forscher,
welche Mercators Erfindung der Seekartenprojektion mit den Aufklärungen, die
der Portugiese Nunes hinsichtlich der Loxodromen gab, in Verbindung brachten,
kennt nur die Ausgaben seiner gesammelten »Opera«, Auch über die einzelnen
Ausgaben dieser letzteren herrscht Unsicherheit. Jedoch wird keine solche aus
früheren Jahren als 1566 erwähnt. Fiorini kannte nur eine Ausgabe vom Jahre
1573. Es ist deshalb klar, daß, wenn Nunes überhaupt auf Mercator durch diese
»Opera« Einfluß ausgeübt hat, dies höchstens für die Weltkarte mit den wachsenden
Breiten vom Jahre 1569 der Fall sein könnte. Indessen handelt es sich für
uns um die Konstruktion der Loxodromen durch Mercator, die er bereits 1541
durchführte. Man muß also zur Entscheidung der Frage auf frühere Publi-
kationen von Nunes zurückgehen. Wenn es schon schwierig ist, überhaupt die
Titel derselben mit Sicherheit festzustellen und sie bestimmt zu datieren, so war
es bis vor kurzem noch aussichtsloser, vom Inhalt und Wortlaut der älteren
Werke ein Bild zu gewinnen,
Da kommt uns nun als glücklicher Umstand der kürzlich erwachte Eifer
der Portugiesen zustatten, mit dem sie die Geschichte ihrer großen nautischen
Vergangenheit im Zeitalter der Entdeckungen aufzuhellen suchen. Mit Unter-
stützung seiner Regierung hat Joaquim Bensaude, ein des Deutschen völlig
mächtiger, in der Schweiz lebender portugiesischer Gelehrter, begonnen, die äußerst
selten gewordenen, in Portugal erschienenen mathematisch-nautischen Schriften
des 16. Jahrhunderts in Faksimileausgaben herauszugeben und den Anteil der
Portugiesen an den Fortschritten der Nautik jenes Zeitalters zu schildern,
Pedro Nunes, wie er sich selbst nannte — Nunez ist die spanische Form —,
steht dabei im Mittelpunkt des Interesses. Herrn Bensaude verdanke ich nun
den Hinweis auf eine sehr wertvolle, ja fast erschöpfende literarhistorische Studie,
welche Rodolphe Guimaräes jüngst in französischer Sprache »Sur la vie et
Voeuvyre de Pedro Nunes« in den Annaes secientificos da Academia Polytechnica
do Porto, Vol. IX und X, Coimbra 1914 und 1915, veröffentlichte. Sie beruht
auf ungemein sorgfältigen, jahrelangen Sammlungen und Studien und hat mir
die eben begonnenen Nachforschungen und Umfragen nach den für mich in Betracht
kommenden älteren nautischen Schriften von Nunes ganz wesentlich erleichtert.
Guimaräes gibt genaue Inhaltsverzeichnisse aller einzelnen Schriften von Nunes,
aber analysiert die Arbeiten sachlich nicht weiter, Das müssen wir, soweit es
unsere Frage angeht, nachholen.
20) Tractatus de Globis, by Robert Hues; edited with Annotated Indices and an Introduction
by Clements R. Markham. Hakluyt Society, Vol, 79. London 1889.
21) a. a. O. p. XIX.