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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1915.
verstreichen, ehe man nach der ersten Einstellung mit der Doppelnadel die
zweite mit der einfachen Nadel machen kann. Es wird aber heutzutage wohl
kaum ein Schiff, geschweige denn einen Dampfer geben, der diese Zwischenzeit
nicht ausnutzen , wollte und zunächst nicht weiterfährt, Unter solchen Um-
ständen gibt aber die Einstellung der kleinen Nadel ein ganz falsches Bild.
Sie beruht, in der Annahme, daß der Beobachter seinen Ort nicht ändert, auf
der Ähnlichkeit der Dreiecke; ändert aber das Schiff seinen Ort, so haben wir’s
mit einem Viereck zu tun, in dem eine Seite und die beiden anliegenden Winkel
bekannt sind; mit der Ähnlichkeit der Dreiecke und mit der Fournierschen
Regel ist daher jetzt nichts anzufangen und der Versuch über die Peilung des
Orkans hinaus sich durch Einstellung der kleinen Nadel auch über die Richtung
des Fortschreitens des Taifuns klar zu werden, kann zu bedenklichen Irrtümern
führen, Pater Algu& spricht das auch selbst aus, indem er sagt: »Die Ge-
schwindigkeit eines Schiffes kann -im Vergleich zu der des Taifuns beträchtlich
sein, und infolge dessen kann die kleine Nadel nach einer ganz verkehrten
Richtung zeigen«. Er fügt dann hinzu: »In solcher Entfernung vom Wirbel
wie im Felde A genügt es aber, die Peilung des Wirbels und dessen ungefähren
Abstand zu kennen und sich klar zu werden, ob man unter Beibehaltung von
Kurs und Geschwindigkeit dem Wirbel näher kommt oder nicht.« Das ist aber
nicht ganz richtig; denn es genügt nur, weil es genügen muß, weil wir keine
besseren Angaben haben, als wir sie uns aus dem Verhalten des Barometers,
des Windes usw. aber auch ohne .das Zyklonometer ableiten können. Pater
Algu&g führt dann weiter aus, in den Feldern B und C, besonders in diesem,
sei es aber ganz anders, dort mache ein Schiff nur selten viel Fahrt und
die schnellen Änderungen der Windrichtung gäben Gelegenheit zu zeitlich schnell
aufeinander folgenden Einstellungen des Instruments, so daß der Ort der Beob-
achtung sich dazwischen wenig geändert habe; immerhin solle man des Schiffes
Kurs und Fahrt in Betracht ziehen.
Suchen wir uns an der Hand dieser Ausführungen über den Nutzen des
Zyklonometers, d. h. des zweiten Teiles des Barozyklonometers, klar zu werden,
so ist dazu zu sagen, daß es uns gerade da im Stich läßt, wo wir noch volle
Bewegungsfreiheit haben und genaue Angaben über die Fortpflanzungsrichtung
und -geschwindigkeit des Taifuns am wertvollsten sein würden, weil man sich
damit ziemlich sicher ausrechnen könnte, ob man die Reise fortsetzen darf oder
nach irgendeiner Richtung abhalten oder beidrehen oder umkehren muß. In
großer Entfernung vom Wirbel ist die schwerste Zeit für den Schiffsführer,
weil er hier die Entscheidung über das, was zu tun ist, treffen muß; später, in
größerer Nähe des Taifuns, im Felde B oder C bleibt ihm gewöhnlich nichts
weiter übrig, als sich so zu verhalten, wie es die augenblicklichen Umstände,
Wind und Seegang, Eigentümlichkeiten des Schiffes, Nähe des Landes usw.
verlangen. Es kommt dann vielmehr auf Erfahrung und Seemannschaft an als
darauf, daß man genau weiß, ob der Wirbel etwa nach W oder nach NW fort-
schreitet. Zieht man dazu noch in Betracht, daß das Zyklonometer auf der
Annahme kreisförmiger Taifunbildungen beruht, daß die Taifune in Wirklichkeit
aber recht oft andere Formen haben, oder anders ausgedrückt, daß die Peilung des
tiefsten Luftdrucks nicht immer um einen bestimmten Winkel von der Windrichtung
abweicht, so kommt man notwendigerweise zu dem Schlusse, daß die Angaben
des Zyklonometers, auch wenn man die rein mechanische Einstellung richtig
gemacht hat, nicht immer ganz sicher sind. Und zwar nicht einmal in bezug
auf die Peilung des Wirbels; sind aber diese. Peilungen nicht genau, so wird
auch die Einstellung der kleinen Nadel, d.h. die ermittelte Fortpflanzungsrichtung
des Wirbels ungenau, Eine andere Quelle der Ungenauigkeit kommt noch dazu,
Die Einstellung der kleinen Nadel auf der Doppelnadel ist nicht gerade schwierig,
sie erfordert aber ruhiges Vertrautsein mit dem Instrument und mit der dabei
vorzunehmenden kleinen Rechnung, und bei dieser, nämlich bei der Ableitung
des Unterschiedes der Barometerstände bei der ersten und bei der zweiten
Ablesung, kommt noch eine Berichtigung für die täglichen Schwankungen des