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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

Wagner, H.: Gerhard Mercator und die ersten Loxodromen auf Karten, 307 
3. Für den Mittelpunkt der Strichrose im Süden Afrikas finde ich die 
Breite von . 
44.4° S. 
Er ruht im Schnittpunkt der Loxodromen von 56'j/,° (== 5 Strich) Azimut, 
welche von den in 30° L. Abstand und 28.33° Br. gezeichneten Nachbarrosen 
ausstrahlen. Das sind theoretisch die gleichen Loxodromen, welche von einem 
Punkt des Äquators in 75° L. Abstand ausgehen und sich bei 75° L. in 
44.73° Br. 
treffen. Differenz also — 0.33°. ; 
4. Der Mittelpunkt der Strichrose endlich im W. Lissabons findet sich auf 
dem in Tafel 14 abgebildeten Kugelstreifen in 
88.24° N. Br. und 358.2° östl. L. (= 330° + 28.2°). 
Die Loxodrome von 333/,° Azimut (NOzN), welche den Äquator in 330° L. 
verläßt, trifft theoretisch eine Breite von 38.24° schon in einem Längen- 
abstand von ; 
27,7°, also absolut in 357.7° östl. L. (Differenz 0.5° L.) 
oder umgekehrt den Meridian von 358,2° erst in ; 
38.83° Br. (Differenz 0.6° Br.) 
In diesen Fällen lägen also, wenn meine Messungen das Richtige treffen, 
nur Fehler bis höchstens 0.6° (= 2.1 mm) vor, im Durchschnitt weniger. Indessen 
bietet die Karte ja in sämtlichen Loxodromen zahlreiche Anhaltspunkte, um die 
Richtigkeit der Einzeichnung zu prüfen. Wählen wir die vier ersten Loxodromen 
von geringem Azimut, um sie polwärts möglichst weit verfolgen zu können, so 
ergibt sich für die Strahlen der Strichrosen, welche vom Äquator ausgehen und 
in höheren Breiten teilweise auf die benachbarten Globusstreifen überspringen, 
die auf der beigegebenen Tafel nicht mehr zur Darstellung kommen, das Folgende 
aus den Messungen im Vergleich mit den theoretischen Werten (geographische 
Länge, berechnet vom Mittelpunkt der Kompaßscheibe auf dem AÄquator): 
4 Strich = 45° 
Theorie | Globus 
10° Br, 
209 « 
30° « 
40° & 
50° « 
60° « 
OO 
2.00°Lg. 
4.06° « 
5.26° « 
8.69° « 
‚1.529 & 
15.01° & 
19.78° « 
23,0 ° 
P860 
54° « 
RO O «& 
759 - 
ww © 
‚0.559 
4.16°Lg.! 
8.46° « 
13.039 « 
18.11° « 
73.999 « 
31.269 « 
41 19° « 
42 °L 
z4 ° 8 
3.19 « 
820 - 
AL 
u Q 
& 
6.72°Lg 
13.649 « 
21.03° « 
29.489 « 
38.69° - 
30 4920 
68 ©L 
138° © 
25° « 
20° « 
393 0 
7 € 
10.05°Lg 
20.420 « 
31.479 = 
43,71° « 
57.91° 
TB_ARQC 
10,2 © 
20.4 er 
31.2 9 « 
‘40 ° $ 
-79 0 5 
20 « 
Wie man sieht, bleiben die Abweichungen meist innerhalb der Nach- 
messungsfehler und übersteigen selten !/„,° Lg., nur bei den Schnittpunkten der 
beiden letzten Loxodromen mit dem 60.° Br. liegen entschiedene Konstruktions- 
fehler Mercators vor. Auch bei der Weltkarte von 1569 bleibt der 60,° Br. nach 
den Ausmessungen Nordenskiölds (1889, S. 65) und Müller-Reinhards 
(a. a. O. S. 133) um mehr als 1° hinter dem theoretischen Werte zurück, 
10. Auf welchem Wege hat Mercator nun bereits im Jahre 1541 ver- 
hältnismäßig so genaue Einzeichnungen der gekrümmten Loxodromen durchführen 
können? Man erinnere sich dabei, daß alle Gradnetzlinien der in jenen Zeiten 
entworfenen Kartenprojektionen ausnahmslos entweder aus geraden Linien oder 
aus Kreisbogen bestanden, technisch also geringere Schwierigkeiten für die 
Zeichnung boten. In den gekrümmten Loxodromen treten zum ersten Male 
Kurven auf den ebenen Karten auf, die genau nur mittels Koordinaten gezeichnet 
werden können, also auch im praktisch-kartographischen Sinne bedeutet dieser 
Globus von 1541 einen großen Fortschritt gegen frühere Zeiten. Gab es vor 
1541 vielleicht schon andere Karten mit eingezeichneten Rumblinien, aus denen 
Mercator diese Koordinaten entnehmen konnte? Man könnte letzteres aus den 
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