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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

Wagner, H.: Gerhard Mercator und die ersten Loxodromen auf Karten. 305 
handelt — Blatt 15 ist z. B. um volle 8 mm in der Höhe und 6 mm in der 
Breite kürzer als das benachbarte Blatt 16 —, wird in erster Linie durch den mangel- 
haften Zustand des Blattes 15 des in Breslau gefundenen und der Reproduktion 
zugrunde liegenden Exemplars der Originalausgabe von 1569 verursacht sein, 
Aus diesen Gründen sind gewissenhafte Neukonstruktionen der Gradnetze, wie 
sie den lithographischen sogenannten Faksimileausgaben älterer Kartenwerke 
früher meist zugrunde lagen, für solche Messungen den Lichtdruckausgaben 
nicht selten vorzuziehen. Das gilt zum Beispiel von der Jomardschen Repro- 
duktion der Weltkarte Mercators in Lithographie, während — es frägt sich, ob 
mit Recht — Müller-Reinhard behufs Ausmessung der vergrößerten Breiten der 
Berliner Lichtdruckausgabe den Vorzug gibt (a. a. O. 182). 
In zweiter Linie kommt es für den kartometrischen Genauigkeitsgrad auf 
die Größe des Maßstabs der Karten an. Seltsamerweise begegnet man in 
der neuesten Schrift über Mercator und seine Werke, obwohl im Jahre 1914 
erschienen, kaum einer einzigen rasch orientierenden Maßstabsbezeichnung, ein 
neuer Grund für die unentwegte Wiederholung der Forderung, allen Karten- 
zitaten dies wichtigste Kennzeichen des Maßstabes heute nicht mehr vorzuenthalten. 
Wir erfahren hinsichtlich des Globus von 1541 allerdings durch H. Averdunk 
(a. a. O, S. 56), daß der Globus einen Umfang von 130 cm habe, unmittelbar 
daneben wird aber der Globus Behaims vom Jahre 1492 nicht nach dem Umfang, 
sondern nach dem Durchmesser (541 mm) angegeben, so daß man behufs Ver- 
gleichs ihrer Größen erst die eine der Angaben .umrechnen muß. Wir erfahren 
ebenso .weder den Maßstab der Karte von Europa von 1554, noch den der 
berühmten Weltkarte von 1569, wenn auch hinsichtlich letzterer gelegentlich 
die Länge eines Aquatorgrades =— 0,54 cm (a. a. O0. S. 138) angeführt wird. 
Müller-Reinhard glaubt an anderer Stelle (S. 131) nicht, daß Mercator bei 
Konstruktion seiner Weltkarte noch kleinere Intervalle als 1° Breitenunterschied 
benutzt habe, mit der Begründung, daß »es sich um eine Zeichnung handle und 
man bei einer solchen die Genauigkeit höchstens bis auf ganze. Grade treiben 
könne.« Indessen hängt eben diese Grenze doch ausschließlich vom Maßstab 
der Karte ab. Bei Weltkarten, wie derjenigen Mercators von 1569, bei der 
ein Aquatorgrad noch 5.4 mm groß ist, braucht man doch wohl nicht bei 
ganzen Graden stehen zu bleiben und kann Minutendekaden mit 0.9 mm gut 
verbürgen. Müller-Reinhard hat ja auch selbst, wie schon Nordenskiöld, seine 
Messungen der Abstände der Breitenparallelen auf der Weltkarte nach Zehntel- 
graden (= 6’) durchgeführt. 
8. Den natürlichen Maßstab des Globus von 1541 anzugeben, ist übrigens bei 
den sich widersprechenden Angaben über seine Größe nicht ganz leicht. Giulio 
Ceradini!’), den die in Cremona von ihm aufgefundenen Globen Mercators zu 
eingehenden Studien über die Geschichte der Geographie veranlaßten, gibt ihnen 
einen Durchmesser von etwa 41 cm, »che corrisponde quasi esattamente alla 
periferia di 128 cm loro assegnata da Raemdonck«, Allein bei J. v. Raemdonck!8) 
finden wir nicht 128 cm, sondern, wie im Begleitwort zur Faksimileausgabe von 
1875, die fast seltsam bis auf halbe Millimeter genaue Angabe von 
1.2905 m de ecirconference, . 
woraus Fiorini!®) einen Durchmesser von 411 mm berechnete, H. Averdunk 
wird vielleicht mit einem Bandmaß gemessen haben (?).. Nach ihm hat der 
Globus in Duisburg 130 cm Umfang. 
Da wir den folgenden Messungen die’ Brüsseler Reproduktion des Globus 
aus dem Jahre 1875 zugrunde legen, so ergeben .sich für je 30° des Äquators 
oder die ostwestliche Breite der Kugelstreifen' im Durchschnitt nur 106.6 mm, 
oder 127.9 em für den Umfang: jedoch schwankt die Größe der ersten zwischen 
47) A _Proposito dei due Globi Mercatoriani 1541—-1551. Appunti eritiei sulla storia della 
Geografia nel Secoli XV e XVI. Pubblicatione interrotta per la morte dell’ Autore (+ 1894) 
Milano 1894 p. 13. 
18) Les sphöres terrestre etc. (S. 17 s. Anm. 11). 
19) Sfere terr. e celesti. Roma, 1899, p. 129. 
Ann 8 HAvdr usw 1915. Haft VIT.
	        
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