302 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1915.
Mercators vom Jahre 1541 entgegentreten, und dem vermeintlichen Anteil, den
die Schriften von Nonius daran haben könnten, der Entscheidung näher führen
und somit die ältere Geschichte der loxodromischen Kurve, auf welche Günther
in seiner Studie von 1879 nicht eingeht, ergänzen. Dazu wird es erforderlich
sein, zuerst die Tat Mercators ins rechte Licht zu stellen, d. h. zu untersuchen,
inwiefern die Loxodromen auf jenem Globus bereits richtig entworfen sind und
sich eine klar bewußte Vorstellung ihres Wesens und ihrer Bedeutung bei Mercator
um jene Zeit (d.h. 1541) daraus ableiten läßt. Erst in zweiter Linie werden uns
dann die verschiedenen Schriften des Portugiesen Pedro Nunes über die wahre
Gestalt der Rumblinien auf Kugel und ebenen Karten beschäftigen. Dies wird
durch die neuern literarischen Studien der Portugiesen über ihren berühmten
Landsmann wesentlich erleichtert.
I. Die Loxodromen Mercators auf den Globusstreifen von 1541.
4. Der Zeitpunkt der Entstehung des Namens »Loxodromen«. Zunächst eine
kurze Bemerkung über die Entstehungszeit des uns geläufigen Ausdruckes, der irr-
tümlich stets auf das Jahr 1624 gesetzt wird. Im 16. Jahrhundert und in der Nautik
noch sehr lange werden die Strahlen der Strichrosen ziemlich allgemein bekannt-
lich als Rumblinien, Rumbi, linea rombica (französisch Rombs) bezeichnet. Die
Engländer nennen sie noch heute »Rhumbs«. Es handelt sich dabei zuerst durch-
aus um die 32 Strahlen der Kompaßscheibe, nicht um Richtungslinien von be-
liebigem Azimut. Daher bedeutet der 1., 2,, 3,, 4., 5., 6., 7., 8. Rumbus die Strahlen,
welche mit dem Meridian-Winkel von 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8 Vierteln oder Strichen,
d, h. 111/,°, 221/,°, 333/,°, 45° usf, ausmachen. Die 4. Rumblinie oder Quarta
quarta oder 45°-Loxodrome spielt für uns die wichtigste Rolle.
Indem Mercator sich auf den Legenden seiner Weltkarte von 1569 der
Ausdrücke »plaga« für die rechtläufige Richtung, welche auf der Kugel mit dem
größten Kreise zusammenfällt, und »directio« für die schiefläufige, die mit den
Meridianen stets den gleichen Winkel bildet, bedient, hat er bereits den all-
gemeinen Fall beliebigen Azimuts für die beiden Arten der Richtungslinien
im Auge.
Allgemein wird der Niederländer Willebrord Snellius als der Schöpfer
der griechischen Ausdrücke »Orthodrome« und »Loxodrome« bezeichnet,
und dabei wird stets auf sein Werk »Tiphys Batavus, sive Histiodromice, de
navium cursibus, et re navali« (Lugd. Bat. 1624) verwiesen. S. 18 sagt dort
Snellius: »hanc (lineam) autem a cursus obliquatione Ao£odgoulary voce graeca
indigitamus«, Indem er aber schon im Vorwort von »Loxodromia nostra«
spricht, tritt der Ausdruck als ein schon bekannter oder gebräuchlicher auf.
In der Tat finden sich beide griechischen Bezeichnungen schon 19 Jahre früher,
nämlich in dem von W. Snellius ins Lateinische übertragenen Werke Stevins
(1605 bis 1608) »Hypomnemata mathematica a Simone Stevino conscripta et e
Belgico in Latinum a Wil. Sn. conversa (Lugd. Bat. fol. 1608).« Dort heißt es
im 4. Buch der Geographie oder der Histiodromia, das nach dem Spezialtitel im
Jahre 1605 erschien, unter den Definitiones (a. a. O. p. 85): »Rectum cursum seu
SQd0dgouliay dieimus brevissimam terrestris globi intra duo puneta peripheriam:
AoSodoouias nomina sortiuntur in suis quisque quadrantibus a viecinitate meridiani
zirculi uf prima sit ei proxima, deinde secunda, atque eo ordine ad octavam
continuato.« Man sieht, daß er den Namen der Loxodrome hier noch auf die
32 Strahlen der Strichrose beschränkt und erst später verallgemeinert. Dem-
entsprechend werden die Strichtafeln (»the Table of Rumbs«, Wright 1599) von
Snellius sehon 1605 als »Canones loxodromieci« bezeichnet.
5. Die Publikation der Globusstreifen im Jahre 1875. Kehren wir zum Globus
Mercators zurück, so ist daran zu erinnern, daß Loxodromen und größte Kreise,
die auf der Erdkugel beide als gekrümmte Linien erscheinen, zwar auf Photo-
graphien von Globen wohl einigermaßen unterschieden werden können, aber um
die Richtigkeit ihres Verlaufes zu prüfen, reichen solche nicht aus. Zu karto-