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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

Wagner, H.: Gerhard Mercator und die ersten Loxodromen auf Karten, 301 
(1871),1%) noch ohne ein Exemplar der erhaltenen Globen gesehen zu haben. 
»Uit het vervolg .‚blijkt, dat de lijnen, die deze rhomben vormden, loxodromen 
waren.«. Mittlerweile sind dann 1868 die Globusstreifen in Gent entdeckt und 
1875 auf Kosten der belgischen Regierung in Faksimiledrucken (Lichtdruck) 
1875 herausgegeben.!l) Daher sehen wir den unermüdlichen Mercatorforscher 
J. van Raemdonck in seiner Begleitschrift zu jener Herausgabe: »Les spheres 
terrestre et c6leste de Gerard Mercator (1541 et 1551)«1!?) auf den fraglichen Punkt 
besonders aufmerksam machen. »Mercator n’avait rien n6&glig& pour approprier 
sa sphere ä l’usage de la marine.« »Les diffö&rentes mers y sont sillonnees par 
des rhumbs loxodromiques, destin6s ä diriger les navires d’un point ä un autre.« 
3. Die Prioritätsfrage,. Der erste, welcher diese in bezug auf die Loxodromen 
zwischen Nonius und Mercator anschneidet, war, soviel ich ersehen kann, der 
ausgezeichnete italienische Forscher Matteo Fiorini in Bologna. Er spricht 
von dem Globus Mercators von 1541, von dem kurz zuvor Giulio Ceradini 
ein Exemplar in der Bibliothek von Cremona entdeckt hatte, zuerst 1890 in den 
Aufsätzen über Mercator, welche er im Bolletino della Societä Geografica 
Italiana 1?) veröffentlichte, doch erst in der späteren selbständigen Schrift »Sfere 
terrestri e celesti di autore Italiano oppure fatte o conservate in Italia« (Roma 
1899, p. 135) nimmt er mit folgenden Worten zu der Sache Stellung: 
»Andere Linien, verschieden von denen, welche bisher‘ gezeichnet waren, 
wollte Mercator auf seinem Erdglobus eintragen. Indem er eine gewisse Zahl 
von 32strahligen Windrosen, soweit möglich regelmäßig verteilt, zeichnete, zog 
er loxodromische Linien oder. Kurven der von den Enden der Rosen ausgehenden 
Rumblinien.« Und in einer Anmerkung fährt Fiorini fort: »Unser Autor hatte 
eine sehr klare Vorstellung von der Loxodromie. Es war allerdings zuerst 
Pietro Nonio, welcher die wahre Natur der Loxodrome feststellte und zeigte, 
daß diese Linie nicht, wie viele glaubten, kreisförmig sei, sondern sich nach Art 
einer Schneckenlinie bildet, deren Windungen, wenn auf die Kugel übertragen, 
den Pol nicht erreichen :können, soweit man sie auch verlängern mag. Die Unter- 
suchungen des portugiesischen Mathematikers wurden bekannt im Jahre 1543 
(sie!) drei Jahre nach Veröffentlichung des Erdglobus von Mercator, 
sie sind aber durch den Druck erst im Jahre 1573 verbreitet worden.«!*) 
Wir werden sehen, daß Fiorini über die Chronologie der Schriften von 
Nonius nur mangelhaft orientiert war, so daß seine kurzen Außerungen im 
Jahre 1899 für die Entscheidung der Priorität nicht maßgebend sein können. 
Immerhin ist von Interesse, hier zum ersten Male der Ansicht zu begegnen, daß 
Mercator seinen Globus von 1541 mit Loxodromen versehen habe, bevor Nonius 
mit seiner Entdeckung über das Wesen derselben hervorgetreten Sei. 
Der neueste Biograph Gerhard Mercators, H. Averdunk,'®) weist an Fiorinis 
Worte anknüpfend darauf hin, daß auf dem Globus von 1541 etwas neues, nämlich 
die Windrosen mit den ausgezogenen loxodromischen Linien, zu den sonstigen 
kartographischen Elementen hinzutrete. Da er im Vorwort selbst von sich sagt, 
daß er weder Geograph noch Mathematiker sei, ist kaum zu verwundern, daß 
er die Bedeutung dieser Neuerung nicht schärfer hervorhebt. Auch sein Mit- 
arbeiter J. Müller-Reinhard bleibt bei Feststellung der Tatsache (a. a. O., S. 139) 
stehen. ohne zur Prioritätsfrage Stellung zu nehmen, . 
Wir möchten nun die Frage der Beziehungen zwischen der frühesten bild- 
lichen Darstellung von Loxodromen auf Karten, wie sie uns in dem Erdglobus 
0) Leven en werken van Willem Jansz Blaeu. Utrecht 1871, p. 37. . 
11) Sphäre terrestre et sphöre cEleste de GErard Mercator, de Rupelmonde, &ditees a Louvain 
en 1541 et 1551. Edition nouvelle de 1875 d’aprös Voriginal appartenant ä la Bibliotheque royale de 
Belgique. Bruxelles. Librairie C, Muquardt 1875. 11 Tafeln, 
’2) Saint-Nicolas 1875, p. 42, . 
3) Ser. III, Vol. III. Anno XXIV, Vol. XXVMI. Roma .1890. 
4) Eugen Gelcich sprach sich- etwas früher noch bestinımter aus: »Die Entdeckung des 
Nufiez wurde schon im Jahre 1543 gemacht, aber erst 1573 durch das berühmte Werk »De arte 
navigandi« verbreitet.« (Kettlers Zeitschr. f. wiss. Geogr. V, Wien 1885. 303.) 
15) Vel. Anm. Sa: a. 0., 8. 26.
	        
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