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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

Wagner, H,: Gerhard Mercator und die ersten Loxodromen auf Karten. 
979 
Gerhard Mercator und die ersten Loxodromen auf Karten. 
Von Prof. Dr. Hermann Wagner-Gölttingen. 
(Hierzu Tafel 14). 
inhalt. Einleitung. 1. Bisherige Annahmen von Beziehungen zwischen G. Mercator und Pedro 
Nunes. — 2. Der Globus Mercators vom ‚Jahre 1541. — 3. Die Prioritätsfrage zwischen Nunes und 
Mercator in bisheriger Beleuchtung. — I. Die Loxodromen auf dem Globus Mercators vom 
Jahre 1541. 4. Zeitlicher Ursprung des Ausdrucks Loxodrome. — 5. Die Publikation der Globus- 
streifen Mercators im Jahre 1875. — 6. Auswahl und Lage der Strichrosen auf dem Globus, — 
7. Voraussetzungen ;,” Anwendung kartometrischer Methode. — 8. Natürlicher Maßstab des Globus 
von 1541, — 9. Prüfung der Loxodromen auf den Globusstreifen, — 10. Etwaige ältere Versuche, 
Loxodromen zu zeichnen oder Rumbtafeln zu berechnen. — II. Pedro Nunes und die: Loxo- 
dromen. 11. Die neueren Forschungen der Portugiesen über P. Nunes, — 12, Seine grundlegenden 
Traktate in der lateinischen Fassung. — 13. Anweisung von Nunes zur Berechnung von Rumbitafeln 
und Auftragung von Loxodromen auf Globen.. — 14. Die erste (portugiesische) Ausgabe der ‘duos 
Tratados da Carta de marear vom Jahre 1537: — 15, Der erste Versuch eines Loxodromenentwurfs 
1537. — 16. Gemma Frisius 1545, — III. G,. Mercators Verfahren bei Konstruktion der 
Loxodromen. 17. Das mechanische Verfahren. — 18. Neuer Versuch, den Weg zu erklären, auf 
welchem Mercator zur Erfindung der nach ihm. benannten Projektion kam. — 19. Vermeintliche 
Vorläufer Mercators. — 20, Schlußbetrachtung. Mercator und Edw. Wright, © 
Einleitung. 
1. Seit Arthur Breusing im Jahre 1869 zu Duisburg!) im Interesse 
eines daselbst für Gerhard Mercator (1512—94) zu errichtenden Denkmals 
seinen bekannten Vortrag hielt, in dem er den großen Kosmographen als einen 
‚Deutschen« in Anspruch nahm, zugleich aber seine Verdienste um den Ersatz 
der Plattkarte für die Seefahrer durch die von ihm ersonnene winkeltreue 
Zylinder-Projektion ins richtige Licht setzte, hat die Frage die Wissenschaft 
öfter beschäftigt, in welchen Beziehungen diese Errungenschaften Mercators 
zu den Erkenntnissen seines etwas älteren Zeitgenossen, des portugiesischen 
Mathematikers Pedro Nunes (1502—278)?), über das Wesen der Loxodromen 
ständen,. 
Lange vor dieser Zeit, in der man sich — besonders in Deutschland — 
dem Studium der Verdienste Mercators wieder mehr zuwandte, ward in der 
nautischen und mathematischen Literatur auf Pedro Nunes, — außerhalb Portu- 
gals bekannter unter seinem latinisierten Namen Petrus Nonius — hingewiesen, 
als denjenigen Forscher, welcher zuerst das Wesen der eigentümlichen Linie er- 
kannt habe, die ein Schiff auf der Oberfläche einer Kugel beschreibt, wenn es 
ständig einem bestimmten Kurswinkel folgt, oder mit anderen Worten den Unter- 
schied zwischen dem Segeln im größten Kreise (Orthodrome) und dem in einer 
sogenannten Loxodrome. Aber Widersprüche zeigten sich von Anfang an in 
betreff der Zeit und der Schriften, in denen Nonius zuerst diesen Unterschied 
aufgedeckt haben sollte. 
Siegmund Günther, der sich vor einem Menschenalter eingehender mit 
der Geschichte der loxodromischen Kurve beschäftigt hat%), benutzte nur die 
lateinische Gesamtausgabe der Werke des Nonius (Basel 1566), ohne auf die 
früheren Arbeiten hinzuweisen. Neuerdings führte er jene Entdeckung auf das 
Jahr 1546 zurück%), sich auf Garcäo-Stockler stützend. In der Tat hat 
sowohl der Spanier D. Martin Fernandez Navarretes) bereits 1846, als 
1) Gerhard Kremer, gen. Mercator, der deutsche Geograph. Vortrag von Dr. Breusing. 
Duisburg 1869, 2. Aufl. mit Nachtrag 1878, 
2) Fast in allen bisherigen literarhistorischen Werken findet män als Geburtsjahr von Pedro 
Nunes 1494 angegeben, als Todesjahr 1577, Guimaräes (vgl. unten $ 11) nimmt dagegen 1502 an, 
auf Nunes Schrift »De arte atque ratione navigandi, Coimbra 1573« (In theoricas planetarum G. Pur- 
bachii annotationes p. 135) verweisend, wo Nunes selbst sagt: »Exempli gratia sit anno Domini 1502 
quo ego natus sum etc.«. Als Todestag weist Guimaräes (a. a..O. 98) den 11. August 1578 nach, 
3) Studien zur Geschichte der math. und physik. Geographie, Heft 6, Geschichte der loxo- 
dromischen Kurve. Halle a. S. 1879. . 
4) »Über die Genesis der nautischen Kartenprojektion G. Mercators« in der Festschrift zur 
Feier des 50jährigen Bestehens des Naturwiss, Vereins zu Krefeld, Krefeld 1908, 221. 
5} Disertacion sobre la Historia de Ia Näutica,. Madrid 1846, 170.
	        
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