Kleinere Mitteilungen.
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zuräumen. Jeder, der sich in Zukunft mit dem Klima der historischen Zeit
beschäftigt, wird Nordlinds Arbeit an’ erster Stelle berücksichtigen müssen, in
einzelnen Jahren wird sie vielleicht noch durch Speerschneiders Sammlung
speziell nordischer Nachrichten ergänzt werden können. UÜbereinstimmend kommen
Nordlind und Speerschneider zu dem Ergebnis, daß die klimatischen Ver-
hältnisse des Mittelalters denen der Jetztzeit ähnlich gewesen sind; wenn Ab-
weichungen vorgekommen sind, sind sie nur sehr geringfügig gewesen.
W. Brennecke.
Neuere Veröffentlichungen.
A, Besprechungen und ausführliche Inhaltsangaben,
Wagner, Hermann: Lehrbuch der Geographie. Sechste, gänzlich umgearbeitete
Auflage von Guthe-Wagners Lehrbuch der Geographie. 2, Bd. H. Wagner
und M. Friederichsen: Länderkunde von Europa. 1. Abt.: Allgemeine
Länderkunde von Europa von H,. Wagner. VIII u. 1848. 8% Hannover
und Leipzig 1915. Hahnsche Buchhandlung.
15 Jahre nach dem ersten Erscheinen des 1. Bandes des Lehrbuches der Geographie, der die
allgemeine Erdkunde zum Gegenstand hat, veröffentlicht H. Wagner die erste Abteilung des
2, Bandes, in der er die allgemeine Länderkunde von Europa behandelt; vier weitere Abteilungen, die
Geographie der europäischen KEinzelländer, bearbeitet M. Friederichsen, Die Vollendung des
2. Bandes ist 1917 zu erwarten. Um den Umfang und die Gliederung der allgemeinen Landeskunde
von. Europa zu kennzeichnen, führe ich die Hauptkapitel des Inhaltsverzeichnisses an:
Literarischer und kartographischer Wegweiser.
Entdeckungs- und Erforschungsgeschichte.
Begriff, Lage und allgemeine Gestalt Europas.
Der Aufbau Europas,
Begrenzung, Größe und Gliederung Europas.
Oberflächengestalt und Gewässer,
Klimatische Verhältnisse,
flanzen- und Tierwelt.
Die europäische Völkerfamilie,
Die Verteilung der Bevölkerung.
. Wirtschaftliche Verhältnisse.
. Verkehr und Verkehrswege,
3. Die Volksbildung.
14, Die Länder Europas. J
Wie Wagner im Vorwort ausführt, soll das Buch dem Jünger der Erdkunde im Beginn
seines Studiums. dienen, auch will der Verf, Erfahrungen aus seinem bald vierzigjährigen akademischen
Unterricht verwerten — es wendet sich nicht in erster Linie an das gebildete Publikum, Der Umfang
übertrifft erheblich die Werke gleicher Art. von Philippson und Hettner, auch die Darstellung
selbst unterscheidet sich merklich, Sie geht an vielen Stellen vielmehr in die Einzelheiten und gibt
ausführliche Quellennachweise zum Text und zu den zahlreichen Tabellen, so daß man Wagners
Werk, wenn man es um Rat angeht, wohl meist erfolgreich benutzen wird. Anderseits ist mit der
weitgehenden Erörterung der Einzelheiten, der vielen in Hauptsätzen nebeneinandergestellten Tatsachen,
die Lesbarkeit des Buches erschwert. Hierzu kommt, daß der Text naturgemäß stets auf der karto-
graphischen Darstellung beruht, im Buch selbst aber fast alle bildlichen Darstellungen fehlen.. In
bezug auf die kartographischen Darstellungen verweist der Verf. auf seinen methodischen Schulatlas
und auf den neu erscheinenden Atlas zur Länderkunde von Europa von Friederichsen, aber wer
hat stets beides gleichzeitig zur Hand? Was das gänzliche Fehlen von Diagrammen anbelangt, so er-
klärt es sich durch die im Vorwort ausgesprochene Meinung des Verf., daß sie wohl für die erste
Auffassung hohen Wert haben, aber daß für das Gedächtnis daraus wenig haften bliebe, Ich glaube,
daß in vielen Fällen die bildliche Darstellung viel hilft, sowohl für die Auffassung wie für das Ge-
dächtnis — allerdings hätte sich bei Hinzufügung von Diagrammen und Kärtchen der Umfang des
Buches und der Preis wohl bedeutend vergrößert.
Das Ausschlaggebende ist aber, daß das neue Buch. wertvolles Neues gibt, und dies wird jeder,
der es in die Hand nimmt, feststellen können. Aus der Fülle möchte ich nur die Bearbeitung der
beiden Abschnitte »Die europäische Dichteregion« sowie den Abschnitt »Das Verkehrsnetz der Binnen-
wasserstraßen« hervorheben. So kann man den Verf. beglückwünschen, daß es ihm trotz vieler
Hindernisse gelungen ist. diese Arbeit zu vollenden, und ihm für das, was er geboten hat, Dank sagen.
W Brennecke
Seite 86—184.