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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 37 (1909)

Ann. d. Hydr. usw., XXXYIL Jahrg. (1909), Heft IL 
1. 
Versuch mit Wetter-Funkentelegrammen vom Nordatlantischen Ozean. 
{n einer Tagung des Kuratoriums des Öffentlichen Wetterdienstes in Deutseh- 
land, die in Hamburg am 1, Oktober v4. unter dem Vorsitz eines Vertreters des Reichs- 
amtes des Innern stattgefunden hat, war der Beschluß gefaßt worden, daß im Laufe 
dieses Winters ein Versuch mit dem Bezuge von Wetter-Funkentelegrammen vom 
Atlantischen Ozean tunlichst in Gemeinschaft mit England angestellt werden 
sollte; zu diesem Zwecke wurde eine Kommission gewählt, bestehend aus dem 
Direktor des Kgl. Preuß. meteorol. Institute, Geh. Reg,-Rat Prof, Dr. Hellmann, 
Kapitän Polis von der Hamburg-Amerika Linie und Kapitän Blänke vom 
Bremer Lloyd als Vertretern dieser Schiffsgesellschaften, dem Vorsteher der 
Öffentl. Wetterdienststelle in Aschen, Dr. Polis, dem Direktor der Deutschen 
Seewarte Kontreadmiral a. D, Herz und dem AÄbteilungsvorstande der Deutschen 
Seewarte Prof, Dr. Grossmann, die anter dem Vorsitze des Direktors der Deutschen 
Seewarte die Versuche vorbereiten und insbesondere die Verhandlungen mit dem 
Meteorologieal Office in London führen sollte, 
Auf Grund des von der genannten Kommission für die mit Fernsprech- 
apparaten ausgerüsteten und zu beteiligenden Dampfer der angegebenen Linien 
ausgearbeiteten. Arbeitsprogramms ist es gelungen, die Beteiligung des Meteoro- 
logical Office an dem Versuche zu gewinnen und eine Einheitlichkeit für die 
Versuchsanordnung in allen wesentlichen Punkten herbeizuführen. Eine Konferenz 
in London zwischen dem Direktor des Meteorological Office, Dr. W. N, Shaw, 
und dem Direktor der Deutschen Seewarte mit Vertretern der Marconi-Geselk 
schaft am 12. Januar 1909, brachte die Verhandlungen zum Abschluß und hatte 
den erfreulichen Erfolg, daß diese Gesellschaft unter Berücksichtigung des Ver- 
suchscharaktersa ihre Forderungen beträchtlich ermäßigte, 
Der Versuch wird nunmehr gemeinschaftlich in den Monaten Februar, 
März und April stattfinden, nachdem das Meteorological Office mit dem ge- 
planten Bezuge von Wetter-Funkentelegrammen von Britischen Dampfern, um 
den Januar nicht unbenutzt vorübergehen zu lassen, als Vorversuch bereits am 
1. Januar begonnen hat. 
An dem Versuche werden voraussichtlich 56 Britische Dampfer und 
14 Dampfer der genannten deutschen Linien teilnehmen, auf denen inner- 
halb des festgesetzten Beobachtungsgebietes regelmäßig morgens 7 Uhr M. Gr, Z. 
und abends 6 Uhr M, Gr, Z. die vorgeschriebenen Beobachtungen angestellt. und 
in chiffrierten Telegrammen dem Marconi-Beamten an Bord gleich nach der Beob- 
achtung übergeben werden sollen, Außer diesen gemeinschaftlichen Beobachtungen 
sieht die britische Anordnung insbesondere zur Kontrolle der Barometerangaben 
noch zwei tägliche KontroNlbeobachtungen je drei Stunden vor den genannten vor, die 
je mit der nachfolgenden Hauptbeobachktung zusammen übermittelt werden sollen, 
Als Beobachtungsgebiet ist von englischer Seite das Gebiet zwischen 
40° und 60° N-Br, und 10° und 45° Lg. W. Gr. bestimmt worden, während für 
die deutschen Dampfer bei derselben Längenausdehnung eine Beschränkung auf 
40° bis 55° N-Br. stattgefunden hat und außerdem das Gebiet zwischen 40° und 
45° W_. Gr. Lg. und 50° bis 55° N-Br. ausgeschlossen bleibt, 
Als Beobachtung ist vorgeschrieben worden der Luftdruck (in ganzen 
Millimetern bzw. hundertel inches) die Windrichtung und die Windstärke 
und für die britischen Schiffe außerdem der Himmelszustand; daneben über- 
mitteln die Funkentelegramme noch die Schiffspasition durch Angabe des 
Eingradfeldes mittels einer dreiziffrigen. Zahl, den Namen des Schiffes und 
den Monatstag, 
Die Füunkentelegramme werden durchweg mit der Chiffre-Adresse 
»Meteorology« aufgegeben und von den Funken-Küstenstationen in Krookhaven 
und Malinhead an das Met, Office in London und die Deutsche Seewarte weiter. 
gegeben werden, Ursprünglich bestand der Plan, diese Telegramme auch als 
solche nach Aschen an die dortige öffentliche Wetterdienststelle befördern zu 
Jassen, doch müßte wegen der sehr erheblichen Mehrkösten hiervon abgesehen 
Ann. dd. Hydr. use. 1009, Heft IL
	        
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