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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1915,
trifft ja für die weitaus meisten Mittelmeerflächen zu und stellt geradezu das
saline Charakteristikum der mittelmeerischen Gewässer dar —, so ist die Gunst
der Bedingungen für eine energische Vertikalzirkulation mittelmäßig; die Ent-
scheidung, ob ein wirksamer Austausch von oben bis zum Boden eintritt, geht
in der Hauptsache auf die Temperatur über, und zwar folgendermaßen:
a) in den nördlicheren Teilen des Mittelmeeres einschließlich Adria, wo bei
relativ hohem Salzgehalt die Wintertemperaturen tief herabsinken, wird das
Oberflächenwasser selbst durch die starksalzige Zwischenschicht sinken können
und es wird Bodenwasser verhältnismäßig leicht und regelmäßig gebildet werden.
In jedem Winter wird also in diesen Gebieten ein Zeitpunkt eintreten, in dem
das aus den Tabellen II (S. 13) und III (S. 16) ersichtliche erste Temperatur-
minimum in 100 bis 200 m Tiefe verschwindet. Die Durchlüftung der Schichten
mit Sauerstoff wird energisch sein;
b) in den südlicheren Teilen des Mittelmeeres, also nach der algerischen
Küste hin und im südlichen Ionischen Meere wird, weil ein durch atlantisches
Wasser herabgesetzter Salzgehalt mit relativ hohen Wintertemperaturen das
Wasser der obersten Schicht auch in der kalten Jahreszeit spezifisch leicht macht,
die Möglichkeit eines tiefgehenden vertikalen Wasseraustausches nur gering sein
und seltener verwirklicht werden. Wo und wenn in diesen Gebieten durch
Abkühlung von der Oberfläche her eine schwache Vertikalzirkulation zustande
kommt, wird sie doch nicht tiefer als bis 100 oder 200 m reichen, da das stark
salzige Wasser der Unter- oder Zwischenschicht nicht durchsunken wird; das in
Konvektion absteigende Wasser wird hier sozusagen abgefangen. Es wird dann
an der Unterkante der Oberschicht meist das (erste) Temperaturminimum sich finden.
Diese unter b) vorausgesetzte ozeanographische Situation trifft, was das
Areal anlangt, für die weitaus größten Flächen des Mittelmeeres zu; wenn wir
oben (S. 17) fanden, daß das Bodenwasser meist nicht an Ort und Stelle entsteht,
so ist innerlich damit der Satz verknüpft, daß die regelmäßige, von den
Jahreszeiten abhängige Vertikalzirkulation in den überwiegenden
Gebieten der mittelmeerischen Gewässer auf nur etwa 150 m bis 200 m
im Durchschnitt sich erstreckt. Eine auch in biologischer Hinsicht wichtige
Feststellung; und wir kommen damit der Größenordnung nach wiederum nahe
an J. Hanns!) seinerzeit von O0, Krümmel*) bekämpfte Anschauung heran, daß
der jahreszeitliche vertikale Wärmeaustausch nur wenig mehr als die obersten
100 m erfasse. Nielsen erblickt, sicher mit Recht, in dem ersten (obersten)
Temperaturminimum das äußere Kennzeichen für die untere Grenze dieser
Bewegung und weist z. B. ausdrücklich Semmolas*®) Beobachtungen aus dem
Golf von Neapel, auf die Krümmel seine Annahme einer 350 bis 500 m um-
fassenden Vertikalzirkulation stützte, als nicht genau und nicht beweiskräftig
zurück *),
Aus den oben (S. 17/18) aufgestellten drei bzw. vier Varianten oder Typen
vertikaler Zirkulation im Mittelmeer folgt schon, daß verschiedene Möglichkeiten
des senkrechten Wasseraustausches bestehen; das Gesagte soll nur die wichtigsten
klarlegen. Im einzelnen können viel verwickeltere Sachlagen räumlich auftreten,
wie sie z. B. Nathansohn®) für die Riviera beschrieben hat. Auch werden in
den einzelnen Becken und Unterabteilungen des Mittelmeeres die Verhältnisse
von einem Jahre zum anderen recht verschieden sein können, je nach den
Wärmeverhältnissen des betreffenden Winters; in dem Umstande, daß z, B. inner-
halb des Ionischen Meeres die eine Station das obere Wärmeminimum hat, die
andere nicht, wie die Tabelle II, S. 13 zeigt, darf eine den betreffenden Regionen
etwa dauernd eigene Besonderheit sicherlich nicht erblickt werden.
Meteorologische Zeitschrift 1908, S. 218.
Ebenda 1908, S. 323.
Zeitschrift d. österr. Ges, f. Meteorol., Band 17. Wien 1882, S. 251 ff.
) »Thor«-Werk, I. Band, S. 154, auch 8. 140.
5) »Vertikalzirkulation und Planktonmazima im Mittelmeer« in: Internationale Revue für
Hydrobiologie und Hydrographie. II. Band. 1909, S. 581 bis 597.
(Schluß folgt.)