258 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1915.
Ordinatenaxe in der Darstellung gegeben, da eben Luftdruck- und Niederschlags-
schwankungen sich nur umgekehrt entsprechen können, — Hohem Luftdruck
entspricht niedriger Regenbetrag und umgekehrt! —
Der jährliche Gang des Niederschlags kommt am besten zur Geltung
bei der Darstellung nach absoluten Werten: Die beiden wärmsten Monate Juli
und August zeigen den intensivsten Niederschlag, während ganz besonders die
kältesten Monate Januar und Februar ihre Regenarmut uns deutlich vor Augen
führen.
Wenn die Diagramme der Niederschlagswahrscheinlichkeit nicht
genau so imstande sind, uns über den größeren Regenreichtum des Sommers zu
informieren, so liegt das an der Wahl des Schwellenwertes. Denn wir finden
hier die Wahrscheinlichkeit berechnet und dargestellt für den Eintritt eines
meßbaren Niederschlags, unbekümmert darum, wie hoch er war. Dabei wird
natürlich die kältere Jahreszeit, die Zeit geringerer Niederschlagshöhen, bevor-
zugt, während der Sommer als die Zeit der heftigen Regengüsse in diesem
Punkte zu kurz kommt, Nichtsdestoweniger fallen die Talsohlen dieser Wahr-
scheinlichkeitsdiagramme, wie im einzelnen noch gezeigt werden wird, häufig genug
genau mit den Talsohlen der Mittelwertdiagramme zusammen, worauf es uns
entsprechend unserem Thema ja nur ankommen kann. Wenn auch durch die
Wahl größerer Schwellenwerte das Überwiegen der Regenwahrscheinlichkeit im
Winter hätte vermieden werden können, so wurde hier davon abgesehen, weil
sich erfahrungsgemäß bei zunehmender Höhe der Schwellenwerte die Schärfe
der Talsohlen mehr und mehr verwischt. Es wurde also mit anderen Worten
das kleinere Übel gewählt.
Ein Blick auf unsere Luftdruckdiagramme bringt uns die Tatsache zum
Bewußtsein, daß der Luftdruck infolge des gänzlichen Fehlens des Wertes O ein
bedeutend mehr gebundenes Element ist, so daß das Ausgleichen nach drei Nachbar-
werten schon einen ruhigeren Verlauf unseres Bildes hervorgerufen hat.
Der jährliche Gang nach Monatsbeträgen,
Zum Vergleich finden sich die monatlichen Durchschnittswerte, die den
Tabellen I bis IV entsprechen, in der Tabelle V noch besonders zusammengestellt),
Nach absoluten Niederschlagsbeträgen kommt der Sommerregen am
besten zur Geltung bei den Stationen der Ostsee, ganz entsprechend dem relativ
mehr kontinentalen Charakter dieser Küste, mit dem Maximum im Juli und dem
Minimum im Februar, Die Nordseestationen zeigen ihr Maximum zwar ebenfalls
im Juli; daneben kommt aber noch ein sekundäres Maximum zur Geltung im
Oktober, während September und November relative Minima aufweisen, ganz
analog den Luftdruckverhältnissen (obere Diagramme!).
Die Diagramme der Wahrscheinlichkeit des Niederschlags weichen
erheblich hiervon ab. Sie zeigen, nachdem sic seit dem Dezember stetig gefallen
sind, an der Nord- und Ostsee ihr Hauptminimum im Juni, während der übrige
Teil des Jahres mehr Analogien zu den Diagrammen der absoluten Beträge aufweist.
Niederschlag und Luftdruck in den einzelnen Monaten.
Wir wenden nunmehr unser Augenmerk genauer auf die einzelnen — als
Monate leicht erkenntlichen — Abschnitte unserer Diagramme.
Januar. Der Gang des Luftdrucks — sowohl nach absoluten Mitteln als
auch nach den Beträgen der Wahrscheinlichkeit — weist hin auf ein stark hervor-
stechendes Maximum um den 19. Januar, das sogar das absolute Maximum des
ganzen Jahres darstellt, ganz entsprechend der Tatsache, daß der Januar auch
den höchsten monatlichen Barometerstand zeigt.
. ı) Näheres siehe in den beiden Vorarbeiten des Verfassers im Januar- und Märzheft der
»Ann. d. Hrvdr. usw.« vom Jahrgang 1915.
Fortsetzung des Textes auf 5. 562,