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Full text : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

Schott, G.: Die Gewässer des Mittelmecres

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mehrerwähnten Station 37 des »Thor« war, wie gesagt, das indifferente Gleichgewicht
 nahezu erreicht. Ganz erreicht, und zwar so spät noch wie im Anfang
April, war es im selben Jahre 1909 auf der Höhe von Monaco, wo nach
Nathansohn!) in 43° 22’ N-Br., 7° 35’ O-Lg. beobachtet wurde:

Tiefe | tt | 8% | %
in 9m] 1267 | 38,51 | 1.020920
in 2213 m 12.97 38,49 1.029013
Die’ Temperaturzunahme um 0.30°, die Dichteabnahme um 0.00007. entsprechen
 dem adiabatischen Effekt.
Offenbar stellen die nördliche Hälfte des großen westlichen Mittelmeer-Beckens
 (Balearische See), sodann noch die südliche Adria und drittens die
östliche Ägäis die wichtigsten Gegenden dar, in denen zu Winterszeiten sich
Bodenwasser auch für die südlicheren Gebiete bildet. Das Bodenwasser des
Mittelmeeres entsteht zwar ausschließlich im Mittelmeer selbst, aber für die weitaus
 größten Flächen wird es von einigen wenigen geeigneten Stellen geliefert,
ist also meistens nicht da gebildet, wo es beobachtet wird?). Diese aus dem
»Thor«-Material sich jetzt zwingend ergebende Anschauung, die Nielsen näher
begründet, hat übrigens schon 1908 der Altmeister der Meteorologie J, Hann
in klarer Auffassung der physikalisch möglichen Vorgänge und unter Zurückweisung
 der damals üblichen, etwäs oberflächlichen Meinung von der Entstehung
der angeblich »homothermen« Tiefwasserschichten des Mittelmeeres ausgesprochen,
wenn er u. a. sagt3): »Die Bodentemperatur im Mittelmeer . . . ist ein Produkt der
Advektion, ist der Effekt einer mehr oder minder horizontalen Wasserbewegung
von den im Winter stärker erkalteten nördlichen Rändern des Beckens her«,
Nur wird man dabei die die Küsten selbst bespülenden Gewässer wegen ihres
meist etwas niedrigeren Salzgehaltes ausschließen.
Im einzelnen entsteht im Mittelmeere die indifferente Gleichgewichtslage
der Wasserschichten und damit die Möglichkeit einer ausgiebigen Vertikalzirkulation
 — dieses für die Flora und Fauna der Tiefen so hervorragend
wichtigen Vorganges — sowie der Bildung des Bodenwassers je nach der örtlichen,
 ozeanographischen Sachlage unter recht verschiedenen Bedingungen; wir
können von vornherein drei Varianten annehmen, bei denen von der vertikalen
Anordnung der Salzgehalte und dem wesentlich hiervon abhängigen spezifischen
Gewichte des Wassers ausgegangen wird,
1. Nimmt der Salzgehalt von oben nach unten ständig zu, so sind die
Bedingungen für eine kräftige Vertikalzirkulation ceteris paribus sehr ungünstig.
Außer im Schwarzen Meere, das mit seiner salzarmen Deckschicht einen extremen
Fall darstellt, finden wir diese Situation u. a. auch in der westlichen Hälfte des
Agäischen Meeres, z. B. vor Euboea auf der »Thor«-Station 182 (Profil II, Tafel 2);
hier kommt noch weiter, den senkrechten Wasseraustausch erschwerend, der
Umstand hinzu, daß eine kräftige Oberflächenströmung nach Südwesten, also der
horizontale ständige Abtransport der individuellen Wasserteilchen, eine lokale
thermische Wirkung ganz oder doch fast ganz unterdrücken dürfte,
2. Nimmt der Salzgehalt von oben nach unten ständig ab, so sind die
Bedingungen für kräftige Vertikalbewegungen ceteris paribus besonders günstig.
Sobald nur die Schwankungen der Wassertemperatur der Oberfläche im Laufe
des Jahres ein genügendes Ausmaß erreichen, kann ein Austausch bis zum Boden
hin erfolgen. Auch hierfür bietet im Bereiche der Reisen des »Thor« das
Agäische Meer das beste Beispiel, aber in seiner östlichen, in der kleinasiatischen
Hälfte, »Thor«-Station 163 (Profil II, Tafel 2). * .
3. Nimmt der Salzgehalt von oben nach unten erst zu, dann ab, also
derart, daß eine relativ salzreiche Zwischenschicht vorhanden ist — der Fall

Bulletin de Institut Oc6anographique, de Monaco Nr. 163. 1910, S. 12.
Näheres hierüber siehe in 8 5.
Meteorol. Zeitschrift 1908, S. 216.
Ann, d. Hydr. usw. 1915, Heft I.
            
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