2534 Annalcn der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1915.
Entladungen auf irgendeine unbekannte Weise von der Sonnenfinsternis beein-
fAußt wird.
Diese zwei Punkte sind bis jetzt nur wenig untersucht worden. Fast alle
Beobachter, die während der Sonnenfinsternis vom 17. April 1912 radiotelegraphische
Zeichen aufgenommen haben, fanden übereinstimmend, daß die Zeichen stärker
waren, als eine Stunde vorher oder nachher. Die vagabundierenden Wellen wurden
während derselben Finsternis nur einmal für sich untersucht, wobei sich scharf
ausgesprochene, merkwürdige Veränderungen zeigten, solange der Schattenkegel
über Europa hinzog.
Um die Ausbreitung der Sigaalwellen im Sıhatten studiera2n zu können,
wird es nötig sein, daß drahtlose Stationen, die zu beiden Seiten der Zentrallinie
der Finsternis liegen, in bestimmten Absätzen Zeichen senden, während der Schatten
zwischen ihnen hindurchzieht. Diese Schattenwanderung dauert ungefähr zwei
Minuten. Es wäre daher sehr wünschenswert, daß die russischen und skandinavischen
Stationen während der totalen Sonnenfinsternis, sowie einige Minuten vorher und
nachher in kurzen Zwischenräumen Zeichen gäben. Aber auch andere, nicht so
günstig in der Nähe der Zentrallinie gelegene Stationen sollten trachten, alle
Änderungen der Zeichen, die sich während der Finsternis bemerkbar machen,
möglichst genau aufzuzeichnen. Europäische Stationen, westlich von der Zentral-
linie, und Stationen am Mittelländischen Meer und in Kleinasien können möglicher-
weise zwischen 10 Uhr morgens und 3 Uhr nachmittags Greenwicher Zeit erhebliche
Unterschiede in der Zeichenstärke beobachten, besonders wenn die Zeichen von
entfernten. Stationen herrühren; die Stationen in Indien und Ostafrika und Schiffe
im Indischen Ozean werden wahrscheinlich nachmittags den Einfluß des Halb-
schattens merken, Schiffe im Atlantischen Ozean dagegen und die Stationen von
Kanada und den Vereinigten Staaten am frühen Morgen. In Montreal hat die partielle
Finsternis um 5% 522 Normalzeit ihr Maximum. Es ist möglich, daß die Finsternis
sogar dort noch eine Wirkung ausübt, wo sie gar nicht zu sehen ist,
Die Untersuchung der vagabundierenden Wellen ist von ebenso großem
Interesse wie die der telegraphischen Wellen. Soweit bis jetzt bekannt, scheinen
in Stationen, die höher als am 50. Breitengrad liegen, die aufgefangenen natürlichen
Wellen meist von Süden herzukommen. Daher werden wahrscheinlich in den
skandinavischen und russischen Stationen die größten durch die Sonnenfinsternis
hervorgerufenen Veränderungen bei den vagabundierenden Wellen zu beobachten
sein, denn um diese Stationen zu erreichen, müssen die Wellen den Weg des Kern-
schattens kreuzen. Aber auch an anderen Orten sind Änderungen zu erwarten und
es ist daher wünschenswert, daß auf der ganzen Erde, besonders aber an den Orten,
die innerhalb des Erdquadranten von Südrußland liegen, statistische Beobachtungen
über die natürlichen Wellen gemacht werden. Außerdem wäre es zu wünschen,
daß der Kommission bei der späteren Bearbeitung der Aufzeichnungen über tele-
graphische und vagabundierende Wellen auch gleichzeitig meteorologische Beob-
achtungen einschließlich Messungen von Ionisation und Potentialgradient zur Ver-
fügung stünden.
Die Kommission beabsichtigt, besondere Formulare für die Aufzeichnungen
der telegraphischen und vagabundierenden Wellen auszuarbeiten und, besonders
in den von der Sonnenfinsternis betroffenen Gegenden, zirkulieren zu lassen. Weiter
wird sie trachten, besondere Zeichengebungen zu veranlassen, die in den Formularen
näher angegeben werden sollen und den Leitern der in der Nähe der Zentrallinie
gelegenen Stationen wird sie ein einfaches Arbeitsprogramm unterbreiten. Ferner
wird die kritische Verarbeitung der gemachten Beobachtungen und der Vergleich
mit den meteorologischen Daten von der Kommission ausgeführt werden, Auszüge
aus den Aufzeichnungen sollen zugleich mit den gezogenen Folgerungen zu gehöriger
Zeit veröffentlicht werden.“
im Laufe des Juli 1914 wurden bereits, wie auch schon im Wienschen Bericht
erwähnt, umfangreiche Vorversuche gemacht, einerseits deswegen, um die Ver-
schiedenen. Empfangsstationen Erfahrungen in den Messungen sammeln zu lassen,
anderseits um festzustellen, welche Sendestationen für die Versuche besonders
geeignet seien.