Ludewig, P.: Der Einfluß meteorologischer Faktoren auf die drahtlose Telegraphie, IL. 253
die sie gut empfangen können, zuerteilt. Diese haben sie in erster Linie zu beobachten
und zu registrieren. . Sollte eine Station so gut funktionieren, daß sie außerdem
noch andere der Sendestationen beobachten kann, desto besser. Nebenbei sollen
auch, wenn möglich, im Sinne der Versuche der British Association die atmosphärischen
Störungen registriert werden. Jedoch darf unter dem Empfang der anderen Stationen
und der atmosphärischen Störungen unter keinen Umständen. die Beobachtung
der obligatorischen Stationen leiden. .
Die Vorversuche haben bisher ergeben, daß Nauen und Norddeich überall
in Deutschland mit sehr großer, Paris mit genügender Intensität empfangen wird.
Die russischen Stationen meistens leider recht schwach. Naturgemäß werden daher
die weitentfernten russischen Stationen den größeren deutschen Empfangsstationen,
Nauen, Norddeich, und Paris den kleineren Stationen zuerteilt werden.
Die Beobachtung soll, wenn irgend möglich, mit Spiegelgalvanometern
erfolgen, die nicht zu lange Schwingungsdauer haben dürfen, damit während des.
Sekundenstrichs das Maximum des Ausschlages erreicht und eine Zeitlang bei-
behalten wird. Je kürzer die Schwingungsdauer des Galvanometers ist, um so größer
ist die. Wahrscheinlichkeit, daß trotz atmosphärischer Störungen noch brauchbare
Werte für diesen oder jenen Strich erhalten werden (vgl. Fig. 24). In zweiter Linie
käme das Fadengalvanometer in Betracht, das bezüglich der atmosphärischen
Störungen im Vorteil ist; dafür ist bei loser Fadenspannung der Ausschlag bekanntlich
inkonstant und nicht proportional der Stromstärke, so daß es eigentlich dauernd
geeicht werden müßte, was bei den beabsichtigten Versuchen kaum möglich wäre.
Fig. 24.
1 1. A NBrmalen AUSSCHEG Sr
Ä K w
„1 | 7 Null-Linfe_\ TA 1. ;
Ir St. St. St. St.
Wenn die atmosphärischen Störungen allzuschlimm sind oder sonst die Beobachtung
mit dem Galvanometer unmöglich ist, so muß auf die Parallelohmmethode zurück-
gegriffen werden. Jedoch sollte diese Methode wegen ihrer großen Unsicherheit
nur im äußersten Notfall angewandt werden.
Das genauere Programm, Mitteilungen über Vorversuche, Ratschläge zur
Vermeidung von Fehlerquellen u, s. w. werden den Beobachtern noch direkt zugehen.
Die Ergebnisse der Beobachtungen werden in den einzelnen Ländern ge-
sammelt — in Deutschland in Jena — und dann von der internationalen Kommission
zusammen bearbeitet.‘ .
Der entsprechende Aufruf der British Association lautet:
; „Die bevorstehende totale Sonnenfinsternis bietet eine seltene und wichtige
Gelegenheit, unsere Kenntnisse bezüglich der Ausbreitung elektrischer Wellen durch
die Luft bei Sonnenlicht und Dunkelheit und bei Überschreitung der Grenzen von
hellen und dunklen Regionen zu erweitern. Total ist die Finsternis auf einem
Streifen, der sich von Grönland über Norwegen, Schweden, Rußland und Persien
nach der Indusmündung hinzieht. Ihre Dauer beträgt in Rußland etwas mehr
als zwei Minuten. .
Vor allem sind es zwei. Punkte, die untersucht werden sollen. Erstens werden
im Kern- und Halbschatten für die Ausbreitung der radiotelegraphischen Wellen
wahrscheinlich andere Absorptions- und Brechungsgesetze gelten als in beleuchteter
Luft. Zweitens kann sich Stärke, Häufigkeit und Charakter der natürlichen elek-
trischen Wellen und der atmosphärischen. Entladungen ändern. Solche Änderungen
können entweder eintreten, weil die Ausbreitung der natürlich aus fernen Quellen
stammenden Wellen durch die Sonnenfinsternis erleichtert oder gehemmt wird,
oder vielleicht weil das Entstehen der natürlichen Wellen oder der atmosphärischen