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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

Ludewig, P.: Der Einfluß meteorologischer Faktoren auf die drahllose Telegraphie. II. 9251 
Beide Kommissionen wollten, wie schon erwähnt, die Sonnenfinsternis vom 
21. August: 1914 zu ‚einem ersten Versuch ausnützen. Die internationale 
Kommission erließ dazu folgenden von M. Wien gezeichneten Aufruf: 
„Der große Unterschied in den Reichweiten der drahtlosen Telegraphie bei 
Tag und Nacht beweist, daß die Sonnenstrahlung einen sehr starken Einfluß auf die 
Ausbreitung elektromagnetischer Wellen längs der Erdoberfläche besitzt. Es ist 
wahrscheinlich, daß dieser Einfluß ebenfalls bei einer Sonnenfinsternis hervor- 
treten muß, auch sind während der Finsternis 1912 mehrfach Unterschiede in der 
Empfangsintensität beobachtet worden, jedoch waren die Ergebnisse damals noch 
nicht sicher genug, um die Größe und Art dieses Einflusses quantitativ fest- 
zustellen. 
Da die Unterbrechung der Sonnenstrahlung durch den Mondschatten in zeitlich 
und räumlich eigenartiger, von der Nachtverdunkelung durchaus verschiedener 
Art erfolgt, so ist es sehr wohl möglich, daß ausgedehnte quantitative Beobachtungen 
während der Sonnenfinsternis zur Aufklärung des Einflusses der Strahlung auf die 
Atmosphäre ganz besonders beitragen können. Jedenfalls haben wir die Pflicht, 
die seltene Gelegenheit einer totalen Sonnenfinsternis zu Beobachtungen auszunützen, 
soweit unser Wissen und unsere Mittel irgend reichen. 
Bei der Sonnenfinsternis am 21. August 1914 sind folgende internationale 
Versuche unter Benutzung der drahtlosen Telegraphie geplant: 
A. Von der „British Association‘ (Lodge, Eccles) ist in Aussicht genommen, 
daß während der Verfinsterung die Zahl und Art der atmosphärischen Störungen 
und — schätzungsweise -— die Änderung in der Intensität der Zeichenübertragung 
von einer möglichst großen Anzahl von Stationen beobachtet werden soll, wobei 
als Beobachtungsinstrument das: Telephon dient. ; 
B. Unter Leitung eines Ausschusses der T. S. F. S. (Benndorf-Graz, Eccles- 
London, Ferrie-Paris, Wien-Jena) soll der Einfluß der Sonnenfinsternis auf die 
Ausbreitung elektromagnetischer Wellen studiert werden, und zwar soll dies durch 
eine verhältnismäßig geringe Zahl gut eingerichteter Empfangsstationen durch 
quantitative Messungen mit dem Galvanometer geschehen. 
Grundgedanke der Ausbreitungsversuche, ; 
Von besonderem Interesse würden folgende Beobachtungen sein ‘ (vgl. die 
schematische Darstellung in Fig. 23): 
l. Die Sendestation (I) liegt auf der einen Seite 
der Totalität, eine Reihe über ein großes Gebiet ver- 
teilter Empfangsstationen (xx) auf der anderen Seite 
der Totalität. 
2. Die Sendestation liegt im Kernschatten (II), 
dierEmpfangsstationen liegen teils a) in Richtung des 
Ke nschattenweges, teils b) neben dem Kernschatten- 
weg im Halbschatten. 
. Falls 1. und 2. nicht ausführbar oder unsicher, 
kommt noch in Betracht: . 
3. Die Sendestationen liegen seitlich des Kern- 
schattenweges (III, IV, V), die Empfangsstationen so- 
wohl im Kernschatten, als auch diesseits und jenseits 
desselben, | 
Die Versuche sind über große Entfernungen auszudehnen, da nach: Tag- 
und Nachtversuchen die Wirkung der Bestrahlung mit der Entfernung stark zunimmt. 
Schließlich ist auch zu untersuchen, ob die Erscheinung von der Wellenlänge und 
der Art des Gebens, der Dämpfung u. s. w. abhängig. ist. 
Die Sendestationen. 
Der Kernschatten bewegt sich in einer Breite von 160 km mit einer Ge- 
schwindigkeit von etwa 1,2 km von der Mitte Skandinaviens durch Westrußland 
nach der Krim. Die allermeisten Sende- und Empfangsstationen liegen südwestlich 
dieses Streifens. Die größte Sendestation nordöstlich der Totalität ist in Petersburg, 
die größte in der Totalität in Bobruisk. Diese beiden Stationen bilden naturgemäß 
Fig. 23
	        
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