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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1915. 
„Wenn wir nun nach einer Erklärung für diese Dämmerungsminima suchen, 
so müssen wir beobachten, daß es hauptsächlich zwei Möglichkeiten gibt. In der 
ersten Linie können die atmosphärischen Entladungen, welche die Störungen er- 
zeugen, selbst aus irgendwelchen Gründen in der Dämmerung zeitweise weniger 
häufig werden; zweitens kann der Raum, den die Wellen durchwandern, vorüber- 
gehend während der Dämmerung weniger leicht zu durchlaufen sein. Die erste 
Möglichkeit bedeutet, wenn man sie im Zusammenhange mit der von mir über nahezu 
20 Breitengrade gemachten Erfahrung zusammenhält, nach welcher die Ortszeit 
der Empfangsstation in Frage kommt, daß die Hauptmasse der an einer gegebenen 
Station aufgefangenen Störungen durch solche atmosphärische Entladungen hervor- 
gerufen werden, die in den Gebieten der Atmosphäre auftreten, welche denselben 
Sonnenuntergang und Sonnenaufgang haben, wie die genannte Station, d. h. mit 
anderen Worten: Diese Möglichkeit enthält die Forderung, daß die beobachteten 
Störungen ihren Ursprung an solchen Orten haben, die (annähernd) auf dem Meridian 
der sie auffangenden Station liegen. Die Erfahrung geht indessen, wie bereits erwähnt, 
dahin, daß der größere Teil der an irgendeiner Station beobachteten Störungen 
gewöhnlich in großer Entfernung von der Station entsteht (Eccles spricht also hier 
im besonderen von der einen der beiden von uns unterschiedenen Gruppen von 
Irrgängern. Der Verf.) ; somit führt die in Rede stehende Möglichkeit zu dem unwahr- 
scheinlichen Schlusse, daß jede einzelne Station ihre Störungen von atmosphärischen 
Entladungen empfängt, die in großer Entfernung auf ihrem eigenen Meridian auf- 
treten, und zwar nur von dieser Stelle aus.‘ 
Damit bleibt nur die andere Möglichkeit, daß nämlich der Raum, den die 
Wellen durchlaufen, durch die Dämmerung beeinflußt wird. In welcher Weise das 
geschieht, ist.im vorigen Kapitel ausführlich behandelt. 
IX. Der Einfluß des Wetters auf die drahtlose Telegraphie. 
Während die Irrgänger ganz wesentlich von den Witterungserscheinungen, 
und zwar besonders von denen in unmittelbarer Nähe der Empfangsstation abhängig 
sind, ist von dem Einfluß des Wetters auf die Übertragung zwischen zwei 
in großen Entfernungen voneinander liegenden Stationen hier bisher noch nicht 
die Rede gewesen. Es sind aber in den neuesten Veröffentlichungen Hinweise 
darauf enthalten, daß auch die Witterungsvorgänge in dem von den Wellen zwischen 
Sende- und Empfangsstation durchlaufenen Raum von Einfluß sein können. Aller- 
dings muß man dabei beachten, daß sie lokal sehr verschieden sind, und daß meist 
ein und dasselbe Wetter, z. B. das Vorhandensein einer gleichmäßigen geschlossenen 
Wolkendecke nur in einem relativ kleinen Gebiet — verglichen mit den großen 
Entfernungen der drahtlosen Telegraphie — vorhanden sein wird. Nur überaus 
selten wird daher der Einfluß dieser Erscheinungen nachzuweisen sein. 
Einzelne Beobachtungen sind bereits vorhanden. So nimmt nach Jackson 
die Reichweite einer Station beim Eintritt von stürmischem Wetter sehr stark ab 
und geht zum Teil bis auf den vierten Teil ihrer normalen Reichweite herab. 
Auch können nach Fleming ähnliche Beobachtungen sehr häufig an der afrika- 
nischen Küste beim Einsetzen des Siroccos gemacht werden. 
_  Ausführlichere Angaben stammen von A. H. Taylor. Als Empfangsstation 
diente ihm die Station der Universität von Nord Dakota. Er fand, daß eine 
ausgedehnte Wolkenschicht einen günstigen Einfluß auf die Über- 
tragung besitzt. Er schreibt: „Es war nicht möglich, die Karten des Wetter- 
bureaus der Vereinigten Staaten an dem Tag zu erhalten, der dem Versuch voraus- 
ging. , Durch das Entgegenkommen von Professor Simpson, des Direktors der 
Wetterstation der Universität Nord Dakota, war es jedoch möglich, die Wetter- 
karten an dem Tag zu erhalten, der den Versuchen folgte. Das hatte den Vorteil, 
daß der Beobachter nicht durch irgendwelche Beobachtungen über die Tendenz 
des Wetters voreingenommen war.‘ 
Er fand bei diesen Vergleichen, daß in der Nacht vom 1. zum 2. März Signale 
von der Station Colon, Panama, besonders deutlich eintrafen. Die Wetterkarte 
zeigte am 1. März eine Wolkendecke längs der ganzen Atlantischen Küste. Auch
	        
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