Ludewig, P.: Der Einfluß meteorologischer Faktoren auf die drahtlose Telegraphie. Il. 245
scharf begrenzt ist und die Leitfähigkeit langsam zu einem Maximum wächst, wenn
man von unten nach oben geht, so kann man eine Zerstreuung und nur wenig oder
keine Reflexion erwarten, so daß Signale bei großen Entfernungen geschwächt
anstatt wie bei Anwesenheit der leitenden Schicht verstärkt werden.‘ .
VII. Die Dänmerungsschwankungen.
Unter den Erscheinungen, die durch den Einfluß der Sonne auf die Reich-
weite hervorgebracht werden, nehmen die Schwankungen beim Übergang
von Tag und Nacht (und umgekehrt) einen besonderen Platz ein. In der
Dämmerung schwankt die Lautstärke der auf große Entfernung empfangenen
Signale nach einem ganz bestimmten Rhythmus, sie wird bei Sonnenuntergang
zunächst geringer und erreicht dann ein‘ Maximum. Bei Sonnenaufgang wird diese
Schwankung in umgekehrter Reihenfolge durchlaufen, Doch kann die Aufeinander-
folge der Maxima und Minima auch. komplizierter sein (siehe Fig. 18). Wichtig
ist jedenfalls das ausgeprägte Minimum. i .
Die Erklärung für diese Erscheinungen spielt natürlich bei den im vorigen
Kapitel erwähnten Theorien eine wichtige Rolle. Denn daß sie mit dem Aufgang
und Untergang der Sonne zusammenhängen, geht daraus: hervor, daß die
Schwankungen genau in der Zeit zwischen dem Sonnenaufgang (Sonnenuntergang)
auf der einen und dem Sonnenaufgang (Sonnenuntergang) auf der anderen Station
zu beobachten sind. Sie müssen daher auch mit den Erscheinungen in engstem
Zusammenhang stehen, für die im vorigen Kapitel Erklärungen gegeben sind.
Bleiben wir zunächst bei der zuletzt besprochenen Auffassung von Kenelly.
Er nimmt an, daß sich die in der Nacht unbeschienene Luft, sobald sie am
Morgen von den Sonnenstrahlen getroffen wird, sofort .ionisiert und daß daher
an der Grenzfläche zwischen in Nacht getauchter und unbeschienener Luft eine
scharfe Trennung von nichtleitender und leitender Luft vorhanden ist. Diese Grenz-
schicht muß in überaus hohem Maße re-
flektierende Eigenschaften besitzen. Denkt a
man sich einen Schnitt durch den Äquator
der Erde gelegt, und zwar so, daß der Südpol
nach vorn zu liegt (siehe Fig. 20), so kann
man sich nach Kenelly die Schwankungen
folgendermaßen. erklären:
„1. Wenn beide Stationen ganz im
Schatten sind, wie 20, 20’; 21, 21’; 22, 22;
23, 23’; 0.0‘; 1, 1’; 2, 2'; 3, 3’; 4, 4'' so werden
bei Abwesenheit von Gewittern und meteoro-
logischen Störungen die ausgetauschten Si-
gnale normal empfangen werden.
2. Wenn kurz vor der Morgen-
dämmerung auf der östlichen Station der
Schattenwall hinter diese Station kommt, so
wird er für diese Station wie ein teilweiser
Reflektor wirken und die Zeichen verstärken, . a
— 3. Wenn der Schattenwall bis zu einem Punkt zwischen den beiden Stationen
vordringt, wie bei 6 und 6‘, so wird er wie ein teilweises Hindernis wirken und die
Zeichen schwächen. . D
4. Wenn der Wall einen Punkt erreicht, der etwas hinter der westlichen
Station liegt, wie bei 7, 7’, so wird er wie ein zeitweiliger Reflektor für die letztere
wirken und zeitweilig die Signale stärken. Sg m i . .
5. Wenn beide Stationen im vollen Sonnenlicht sind, so sind ihre Zeichen
der Tageslichtverminderung unterworfen, wie sie durch diffuse Leitung in höheren
Luftschichten herbeigeführt wird. . . .
6. Wenn der Sonnenuntergangswall hinter die östliche Station gelangt, wie
bei 17, 17’, so. wird er für die letztere wie ein zeitweiliger Reflektor wirken und .die
Signale verstärken.