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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

242 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1915. 
des Nachts, indem eine durch Unregelmäßigkeiten in der Atmosphäre bedingte 
Spiegelung leichter Störungen ausgesetzt sein muß, als die stets eintretende Beu- 
gung. Auch die Beobachtung, daß nur am Tage die langen Wellen den kurzen in 
der Reichweite so überlegen sind, wird da- 
durch leicht verständlich ; denn bei der Beugung 
sind lange Wellen sehr im Vorteil, während 
man sich bei der Spiegelung eher einen Vorteil 
von den kurzen Wellen versprechen kann.‘ 
„Warum diese rätselhafte Spiegelung, 
oder wie man es sonst nennen will, die seit 
langem von allen Beobachtern festgestellt ist, 
gerade nachts ziemlich unregelmäßig eintritt, 
tags aber nicht, ist eine von den vielen Fragen, 
auf die sich zur Zeit noch keine exakte Ant- 
wort geben läßt.“ 
Eine ähnliche Erklärung stammt von 
Eccles. Sie geht insofern noch weiter, als 
sie auch den meteorologischen Ursachen auf 
den Grund zu gehen sucht. Da sie besondere 
Beachtung gefunden hat, wollen wir auf sie mit Eccles eigenen Worten etwas 
näher eingehen. 
„Die einzuführende Hypothese stützt sich auf den Einfluß der Ionisierung 
der Luft auf die Fortpflanzung elektrischer Wellen durch die Luft. Wie bekannt, 
ist unter normalen Verhältnissen die Luft auf der Höhe des Meeresspiegels, selbst 
bei starkem Sonnenschein, nur schwach ionisiert und in einer Höhe von wenigen 
Meilen über der Erdoberfläche ist nach Beobachtungen vom Luftballon aus die 
Ionisierung zwanzigmal so stark, wie an der Erdoberfläche. Noch weiter aufwärts 
nimmt die Ionisierung zweifellos noch weiter zu, und zwar wegen der immer größeren 
ijonisierenden Wirkung der Sonnenbestrahlung, die offenbar in diesen höher gelegenen 
und dünneren Gebieten größer sein muß, als in den dichteren Gebieten weiter unten. 
Wir können keinerlei begründetes Gesetz für die Berechnung dieses allmählichen 
Überganges von geringerer zu hoher Leitfähigkeit aufstellen; indessen müssen wir 
uns für unseren vorliegenden Zweck irgendeine Vorstellung über die Wirkung dieser 
Ungleichförmigkeit auf die Fortpflanzung elektrischer Wellen bilden.‘“ 
„Zunächst ist es notwendig, daß wir die Wirkung geladener Ionen von mole- 
kularer Masse auf die Geschwindigkeit der Wellen untersuchen‘‘. Eccles fährt dann 
nach einigen theoretischen Ausführungen folgendermaßen fort: „Die besten Angaben 
(über die Anzahl der Ionen im Kubikzentimeter, d. Verf.), die uns zu Gebote stehen, 
sind vielleicht die in den Arbeiten von P. Lenard und C. Ramsauer enthaltenen. 
Diese Forscher haben gezeigt, daß das ultraviolette Licht der Sonne in Luft zwei 
im Hinblick auf den vorliegenden Gegenstand interessante Wirkungen hervorbringt. 
Die eine Wirkung besteht darin, daß das ultraviolette Licht und möglicherweise 
auch die Kathodenstrahlen der Sonne elektrische Ladungsträger von molekularer 
Größe hervorbringen, und die andere Wirkung darin, daß eben diese Agenzien auch 
durch unmittelbare Einwirkung auf die Gase der Atmosphäre Kondensationskerne 
erzeugen, die aus festen und flüssigen Verbindungen bestehen und gleich bei ihrer 
Bildung nicht elektrisch geladen sind. — Diese schweren Ionen oder Kondensations- 
kerne werden zweifellos häufig dadurch geladen, daß sich eines oder mehrere von 
den leichten Ionen an sie anhaften und dies hat dann die Wirkung, diese Ionen 
für unsere Zwecke außer Wirksamkeit zu setzen. Die leichteren Ionen sind wahr- 
scheinlich in den höheren Teilen der mittleren Atmosphäre‘ (damit bezeichnet 
Eccles den Teil der Atmosphäre, der durch die Sonne stark und unmittelbar ionisiert 
wird, während er den darunter liegenden Teil die „untere Atmosphäre‘ nennt. 
Über der mittleren Schicht befindet sich eine Schicht, in der so viel Ionen vorhanden 
sind, daß sie dauernd leitend ist, d. Verf.) „in der Überzahl und die schweren Ionen 
in den tieferen Teilen sowie auch in der unteren Atmosphäre.“ — — — 
„Der Hauptunterschied zwischen den Verhältnissen bei Tage und denen bei 
Nacht, sowie zwischen den zu verschiedenen Tageszeiten herrschenden Verhältnissen 
ist auf die Änderung der Anzahl der Ionen im Kubikzentimeter zurückzuführen. 
af,
	        
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