accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

Ann. d. Hydr. usw., XXXXIH. Jahrg. (1915), Heft VI. 
AG‘ 
Der Einfluß meteorologischer Faktoren auf die drahtlose Telegraphie. Il. 
Von Dr. Paul Ludewig. 
(Schluß) 
VI. Erklärungen für die Reichweitenänderungen. 
Man kann auf zweierlei Weise für:den Einfluß der Sonne auf die funken- 
telegraphische Reichweite eine Erklärung suchen. Entweder man nimmt an, 
daß der Empfang am Tage der-normale ist, und daß die großen 
Reichweiten in der Nacht durch besondere Erscheinungen wie 
Reflexionen und dergleichen hervorgerufen werden, oder man be- 
trachtet die maximale Empfangsintensität in der Nacht als den 
theoretischen Gesetzen folgend und denkt sich die geringeren 
Empfangsintensitäten am Tage dadurch hervorgerufen, daß unter 
dem Einfluß der Sonne Absorptionserscheinungen auftreten. 
In die zweite Gruppe gehört die Auffassung von Fleming. Er nimmt an, 
daß in der Nacht eine normale Ausbreitung der Wellen stattfindet. Von der Sonne 
werden am Tage die oberen Schichten der Atmosphäre ionisiert und an den gebildeten 
Ionen kondensieren sich Wassertropfen. Die Gesamtheit der so in großer Höhe 
gebildeten Wassertropfen bildet dann eine Schicht, die eine größere Dielektrizitäts- 
konstante besitzt, als die unteren, nicht ionisierten Schichten. Eine elektrische 
Welle wird sich daher in den oberen Schichten langsamer fortpflanzen. Das hat zur 
Folge, daß die Welle von unten unter flachem Winkel die oberen Schichten erreichend, 
in ihrer Richtung nach aufwärts gebogen wird. Da infolge der Erdkrümmung die 
Wellen unter der Annahme geradliniger Ausbreitung immer an diese obere Schicht 
gelangen werden, so wird bei größerer Entfernung ein großer Teil der Wellen nach 
oben weggebogen und gelangt nicht zur Empfangsstation. Die Empfangsenergie 
wird daher am Tage geringer sein, als in der Nacht, wo eine Tonisation und darauf- 
folgende Wassertröpfchenbildung in den oberen Schichten nicht vorhanden ist. 
Ob sich diese Theorie wird halten können, scheint insofern zweifelhaft, als 
aus den Versuchen von Reich und Austin unwiderleglich hervorgeht, daß die 
Tagesresultate innerhalb der zu erwartenden Genauigkeit recht gut mit den 
theoretisch errechneten übereinstimmen. Danach ist es fast sicher, daß die Über- 
mittelung am Tage die normale ist und auch den theoretischen Gesetzen folgt. 
Besonders anschaulich vertritt Barkhausen diesen Standpunkt. Er gibt 
zwar keine Erklärung, worauf im Grunde der Unterschied in den Tag- und Nacht- 
resultaten zurückzuführen ist und hält dies für eine Spezialaufgabe der wissen- 
schaftlichen meteorologischen Forschung, nimmt aber an, daß aus irgend- 
welchen Ursachen in der Nacht eine Reflexion an Schichten, die in großer‘ Höhe 
liegen, eintritt und daß außer dem direkten, durch Beugung zur Empfangsstation 
gelangenden Strahl nachts ein zweiter an dieser oberen Schicht reflektiert wird. 
Er schreibt: 
„Man muß nach den- Versuchen vielmehr umgekehrt annehmen, daß die 
schwachen Tageswerte der normalen Ausbreitung der elektromagnetischen Wellen 
entsprechen, die meist stärkeren, unregelmäßigen Nachtwerte dagegen durch eine 
außergewöhnliche Ausbreitung hervorgerufen werden. Man kann sich diese etwa 
durch eine Spiegelung (Fig. 19) in der Atmosphäre hervorgerufen denken, wie sie 
ja auch beim Licht als Fata Morgana bekannt ist. Die Empfangsantenne wird 
dann von dem direkten durch keine Beugung oder Erdabsorption geschwächten 
Wellenzug getroffen, der bei großen Entfernungen viel stärker ist, als der durch die 
reguläre Beugung bedingte. Ist z. B. der Beugungsfaktor B— 0.01 und gehen bei 
der Spiegelung selbst 90% verloren, so hätte doch der gespiegelte Strahl noch die 
zehnfache Intensität, von der des gebeugten, Diese Anschauung, daß die schwachen 
Tageswerte einer regulären, die Nachtwerte einer irregulären Ausbreitung ent- 
sprechen, erklärt ohne weiteres die wesentlich größeren Intensitätsschwankungen 
Ann. d. Hvar. usw. 1915. Heft VI.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.